804 Eisenbahnen: Weichensichcrung.
also in jedem Falle nur bei richtig stehender Weiche möglich. Wird im Falle des Gestänge
bruchs der Weichenhebel umgelegt, so ist dieses sür den Riegelhebcl der Druckschicne nicht
möglich, die Freigabe des Signals also wirksam gehindert. Neuerdings hat man die Druck
schiene auch an die Außenseite der Fahrschiene gelegt (bessere Reinigung bei Schneefnll).
Sie liegt dann bei verriegelter Weiche fast in Schienenhöhe und erhebt sich beim Losriegeln
über diese. Auch hat man keilartige Riegel eingeführt, die sich in entsprechend geformte
Zungenstühle schieben und die Zungen sicher festhalten. In Deutschland wird die Außenlage
vorgezogen. Um die Abnutzung der Druckschiene durch ausgelaufene Radreifen zu ver
meiden, hat Büssing (Braunschweig) die (aus einem Flacheisen gebildete) Schiene in wage
rechter Ebene beweglich angeordnet, derart, daß sie bei verriegelter Weiche so weit von der
Fahrschiene abliegt, daß die Räder sie nicht berühren. Bei der Entriegelung wird sic dann
gegen die Fahrschiene bewegt und stößt, falls sich noch ein Rad in ihren: Bereiche
befindet, gegen dasselbe, so daß sie nicht umgelegt werden kann. Diese Bauart ist zweck
mäßig. Alle diese Druckschienen bedingen aber Fahrzeuge mit nicht zu großem Rad-
stande (—Abstand der äußeren Radachseu voneinander!, da sie sonst zu lang und zu schwer
beweglich ausfallen. Auf den deutschen Bahnen kommen Wagen mit sehr verschiedenen und
sehr großen Radständcn vor (bei Langholzwagen bis 20 in). Hier werden deshalb die Schutz
schienen nicht so allgemein benutzt wie in Eng
land. In letzterem Lande haben sie sich gut be
währt und finden deshalb auch häufige An
wendung sür andere Sicherungszwecke. Bei
kurzen Stationsabständen, wie sie in Industrie-
gegenden mit dichtem Gleisnctz l Cleveland
bezirk n. s. w.!, sowie auf Stadtbahnen vor
kommen, z. B. auf den Londoner Untergrund
bahnen, hat mau solche Drnckschienen mit Vcni
Ansfahrsignal in Verbindung gebracht. Die
Schutzschieneu liegen dann neben dem Bahnsteig,
und solange ein Zug hier hält, können sie
natürlich nicht angehoben und umgelegt werden.
Das Ansfahrsignal der rückwärts gelegenen
Station, das an diese Druckschienen an
geschlossen ist, kann daher auch nicht versehent
lieh gegeben werden, da sein Hebel versagt.
Das Aufeinanderrennen zweier Züge ist da
durch unmöglich gemacht. Ferner werden sie
mit Vorteil bei Bahnkreuzungen verwendet,
um das Einfahren eines Zuges in das Ende
eines anderen zu hindern, der zwar die
Kreuzung schon durchfahren hat, aber noch
nicht mit seinem letzten Wagen über den Merk
Pfahl*) hinausgerückt ist. In der Abb. 302
liegen bei 13 u. 24 Druckschienen neben dem
Merkpfahl, während die bei 18 n. 20 gezeich
neten zur vorerörtcrtcn Sicherung der Spitz-
weichen dienen.
Da die Bewegung langer Druckschienen für den Stellwerkswärter anstrengend ist, so hat
man jene auch selbstthätig gemacht. Federn oder Gegengewichte erhalten sie "in der höchsten
Stellung — bei Außenlage etwa 20 mm über dem Schienenkopf, bei Jnnenlage in Schienen-
kopfhöhe. Die überrollenden Räder drücken sie nieder und bewirken dadurch das Verriegeln,
während die Federkrast u. s. w. sie nach Vorbeifahrt des Zuges wieder hochdrückt und die
Weiche entriegelt.
Seit 1898 ist auf den preußischen Staatsbahnen vielfach ein sogenannter Zeitverschluß
für die Druckschiene eingeführt worden. Hierbei kommt ein doppelarmiger Radtaster in An
wendung, dessen längeres Ende beim Niederdrücken des kürzeren hochgeht, die Weiche verriegelt
und gleichzeitig in einem eisernen, durch Ledermembrane abgeschlossenen Doppelbehälter mit
Ventilverschluß eure Lustverdünnung erzeugt. Da die Anßenluft nur langsam wieder ein
dringen kann, so dauert die Verriegelung eine gewisse Zeit lang. Diese Anordnung ist von
gedrängter Bauart und rm Gleise bequemer einzubauen, als die Druckschiene. Bis" jetzt hat
sie sich gut bewährt.
Riegeltopf für Spitzwcichen. Nach deutscher Vorschrift muß jede Weiche einer Haupt
bahn, gegen deren Spitze fahrplanmäßige Züge fahren, während des Durchganges des "Zuges
*) Nach den Vorschriften für deutsche Eisenbahnen muß zwischen zusammenlaufenden Schienen-
strängen ein Merkzeichen angebracht sein, welches die Stelle angibt, über die hinaus auf dem
einen Gleise Fahrzeuge mit keinen! ihrer Teile vorgeschoben werden dürfen, ohne daß der Durch
gang von Fahrzeugen auf dem anderen Gleise gehindert wird.
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314. Meichenvrrriegrlnng durch das Signal.