Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

309 
Verriegelung der Mastensignale durch das Blockwerk. 
arbeitende Blockwerke sind nun durch Drahtleitung in einen Stromkreis geschaltet, so daß 
der von einer Stelle entsandte elektrische Strom gleichzeitig auf beide Werke einwirkt. 
Auf deutschen Bahnen, auch in Österreich, Holland und anderen Ländern loird 
ziemlich allgemein das von Siemens & Halske 1871 erfundene Blockwerk verwendet, 
von dem zur Zeit über 50000 Blockfelder in Benutzung stehen. Ein solches Werk be 
steht im wesentlichen aus einem gußeisernen Kasten mit einem, zwei oder mehreren Elektro 
magneten und einem Magnetinduktor oder Stromgeber, der durch eine seitlich sitzende 
Kurbel bethätigt wird. Vorn zeigt das Gehäuse so viele Glasfensterchen oder Felder, als 
Elektrvmagnete im Inneren lagern. Hinter jedem Fenster ist eine rote oder weiße Scheibe 
sichtbar. Eine weiße Scheibe bedeutet: Die Fahrt ist erlaubt. Rot besagt: Die Fahrt ist 
verboten. Jedes Feld gilt für diejenige Fahrrichtung, welche durch die darunter befindliche 
Anschrift und beim Streckenblockwerk durch den angebrachten Pfeil kenntlich gemacht ist. 
Jede Fahrstrecke wird an ihrem Anfange und Ende durch je ein Feld gesichert. Beide 
Felder bilden mit ihrer Leitung die „Blockverbindung". Sie sind so angeordnet, daß bei 
der Streckenblockung beide Felder in der Grund- oder Ruhestellung (der Zugverkehr ruht) 
frei sind, also weiß zeigen. Bei der Stationsblockung dagegen ist auch in der Ruhe 
stellung stets das eine Feld gesperrt, das zugehörige andere frei. Nur ein freies Feld ist 
am Blockwerk „bedienbar", weil infolge der Bauart seine Blocktaste allein niedergedrückt 
werden kann. Da die Haltstellung der Signale die Regel, ihre Fahrtstellung die Aus 
nahme bildet, so zeigen die Felder des Stationsblockwerks in der Ruhestellung „rot" 
(Abb. 323), in der Sperre „weiß". Die beiden Felder einer solchen Blockverbindung 
zeigen also gleiche Farbe; aber das freie Feld des Stationsblockwerks ist rot, während 
das freie am Signalblockwerk weiß ist. 
Soll ein Blockwerk bedient werden, so muß man die Jnduktorkurbel k in Abb. 321 
einigemal drehen und gleichzeitig die Blocktaste niederdrücken. Dadurch werden von dem 
Stromgeber 1*) elektrische Wechselströme in die Leitung gesandt, so daß beide Elektro- 
magnete E der die Fahrt sichernden Blockfelder I und II beeinflußt werden. Die Anker IST 
dieser Magnete werden daher gleichzeitig abwechselnd angezogen und abgestoßen. Hierbei läßt 
an dem stromgebenden (bedienten) Blockwerk (I in Abb. 321) ein kleines, an dem Anker 
N sitzendes Gesperre M einen die weiße und rote Scheibe tragenden Zahnbogen R infolge 
seines Eigengewichtes nach abwärts fallen und verwandelt dadurch das weiße Feld in ein 
rotes, während an dem stromempfangenden Blvckwerk (II in Abb.) R durch Federdruck 
sich aufwärts bewegt und rot in weiß umstellt. Gleichzeitig verriegelt der ein Blockwerk 
bedienende Beamte stets seine Vorrichtnug und gibt das Nachbarwerk frei. 
Wie wird nun ein Signalhebel durch das Blockwerk verriegelt? Die Blockwerke, 
die diesem Zwecke dienen, besitzen nach Abb. 321 unten in ihrem Gehäuse eine senkrechte 
Sperrstange r, die eine abgefederte Klinke 8 in den Ausschnitt einer auf der Drehachse 
des Stellhebels L sitzenden Eisenscheibe v drücken kann. Beim Niederpressen der Blocktaste 
zwecks Blockung der vorgelegenen Strecke schiebt der Wärter zugleich auch die Sperrstange r 
nieder. Durch die vorsichgehende Verdrehung der Welle a des die rote und weiße Scheibe 
tragenden Zahnbogens wird diese Stange in ihrer Tieflage bei in gesperrt und der Signal 
hebel ourch sie. Erfolgt daun später die Freigabe seitens der vorgelegenen Strecke, so 
wird durch die gegenteilige Drehbewegung jenes Zahnbogens die Sperrstange ausgelöst. 
Eine Feder drückt sie nach oben und hält sie hoch. Der Signalhebel ist wieder frei be 
weglich, und das Fahrsignal kann gegeben werden. Solange dieses gezogen ist, kann aber 
*) Dieser Stromgeber^l.856 erfunden, besteht aus einer Anzahl von Hufeisenmagneten (Abb. 321), 
zwischen deren Polen ein ^-förmiger Anker durch die Kurbel K vermittelst eines kleinen Räder 
vorgeleges in schnelle Umdrehung versetzt wird. In den Kupferdrahtwindungen des Ankers 
werden hierdurch Wechselströme erzeugt, welche für den Feldcrwechsel der Blockwerke benutzt 
werden, während sie für deren Wecker zuvor durch einen Stromwender gleich gerichtet, also in 
Gleichstrom verwandelt werden. (Letzteres ist auch der Fall bei den Stromgebcrn der S. 280 
genannten Läutewerke.) Durch Niederdrücken der betreffenden Taste wird der Strom in die mit 
dieser verbundene Leitung geschickt. Man erspart durch diese Einrichtung die unbequeme Batterie 
und erzielt jederzeit eine gute Wirkung. Sie hat deshalb auch bei den Block- und Läutewerken 
allgemeine Anwendung gefunden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.