Eisenbahn-Signalwesen: Stationsblockung. 311
die Sperrstange und damit die Blocktaste nicht niedergedrückt Iverden. Eine Freigabe der
rückgelegenen Strecke für einen neuen Zug ist folglich auch solange unmöglich. Die
Blvckwerke der Weichentürme sind an dem Stellwerk angebracht und verriegeln dessen
Signal- bezw. Fahrstraßenhebel.
Das Blockwerk besitzt demnach für den Zugbetrieb hervorragend wertvolle Eigen
schaften: Es zwingt zum richtigen Handeln, zumal es so eingerichtet ist, daß ein Eingriff
des bedienenden Beamten nicht stattfinden kann. Über den Blocktasten sitzen sodann noch
die Weckertasten, um mittels der zu oberst angebrachten Weckerglocken auch ein hörbares
Signal der Empfangsstation senden zu können. Zur Kennzeichnung der angeschlagenen
Glocke trägt jeder Wecker eine Fallscheibe, welche beim Tönen der Glocke sichtbar wird.
Blitzableiter*) zum Schutze der Blockwerke und Beamten vervollständigen die Einrichtung.
Stationsblockung.
Alle Signalhebel im Stellwerk (desgleichen die der Signale an Drehbrücken u. s.w.)
stehen unter elektrischem Verschluß des Stationsblockwerks. Soll der Stell
wärter ein Fahrsignal ziehen, so muß er dazu Auftrag von dem Stationsbeamten
erhalten, zu welchem Zweck dieser sein und des Wärters rotes Signalfeld in ein tveißes
verwandelt, was dem Wärter zugleich hörbar gemacht wird. Solange das Fahrsignal
steht, ist eine Änderung der Felderfarbe unmöglich. Erst nachdem der Wärter nach Vor
beifahrt des Zuges das Signal auf „halt" zurückgelegt hat, kann er beide Felder auf
rot zurückstellen, womit er zugleich das Haltsignal verriegelt. Nunmehr wird aber der
Stationsbeamte tvieder alleiniger Herr über diese Blockverbindung. Den Zugfahrten im
Bahnhofsbetrieb u. s. w. wird dadurch eine außerordentlich hohe Sicherheit gegen Zu
sammenstöße verliehen und zwar auf dreifache Weise: 1. die Signalgebung für die Züge
wird völlig abhängig von der für die Ein- und Ausfahrt verantwortlichen Dienststelle
(Stationsbüreau), 2. die Weicheulage wird nochmals gesichert, 3. feindliche Signale können
niemals frei gegeben werden.
Die Blockfelder werden unterschieden in: Signal-, Fahrstraßen- und Zustimmungs
felder. Signalfelder halten die Signale in der Haltstellung verschlossen und geben sie
für die einzelnen Zugfahrten frei. Fahrstraßenfelder machen die Fahrftellung eines
frei gegebenen Signals abhängig von der zuvorigen elektrischen Verriegelung der Fahr
straße im eigenen Stellwerkbezirke, um eine vorzeitige Weichenumstellung nach Einziehung
des Fahrsignals zu verhindern. Erst wenn der Fahrstraßenhebel durch Bedienung seines
Blockfeldes verriegelt ist, kann ein freigegebenes Signal gezogen werden. Zustimmungs
felder machen die Fahrstellung der Signale abhängig von der Festlegung der Weichen in
anderen Stellbezirken.
Auf größeren Bahnhöfen, in die verschiedene Linien einmünden, sind meistens
mehrere Stellwerke vorhanden. Ihre Handhabung wird hiernach so vom Stationsbüreau
aus durch die Blockwerke gesteuert, daß die Einzelwerke sich nicht gegenseitig gefährden
können. Hier erhalten die Stationsblockwerke oft recht viele Felder. So zeigt Abb. 322
eine solche Anlage mit 17 Feldern und eben so vielen Magneten, Drucktasten und Weckern.
Auf solchem Bahnhöfe werden die Bahnsteiggleise oft von Zügen verschiedener Richtung
befahren und dieselben Gleiskreuzungen von aus- wie einfahrenden Zügen benutzt. Hier
muß zur Erfüllung der obigen Forderung 3) eine besondere Einrichtung am Stations
blockwerk getroffen werden, damit eine solche Gleisausnutzung auch vollständig sicher ge
stellt wird und der Stationsbeamte nicht etwa zwei Signalhebel nacheinander entsichert,
deren Fahrstraßen die Züge in Gefahr bringen, wie beispielsweise auch die gleichzeitige
Einfahrt zweier Züge entgegengesetzter Richtung in dasselbe Gleis einer Bahnhofshalle.
*) Blitzableiter müssen in die Telegraphenleitungen eingeschaltet werden, da letztere Blitz
schlägen leicht ausgesetzt sind und der Blitz sie oft viele Kilometer weit durchläuft. Wiederholt
sind früher Fälle vorgekommen, wo die Leitungen samt ihren Tragstangen auf längere Strecken
hin durch Blitz zerstört wurden, ebenso die angeschlossenen Apparate der Stationen und Wärter
buden, wobei dann häufig Mensche» verletzt worden sind (vergl. auch S. 280).