332 Eisenbahnen.
Horn*). Bei anderen Anlagen verwendet man Klappbrücken an den Landestellen. Dies
geschieht bei den Fährbooten der dänischen Bahnen über den Sund, den Kleinen und
Großen Belt, desgleichen bei der Fähre über die Meerenge bei San Francisco. Ein
drittes Mittel besteht in geneigten Ebenen mit Übergangswagen, wie sie die Rheinfähren
bei Bonn, Griethausen u. s. w., früher auch bei den jetzt durch feste Brücken ersetzten
Fähren über die Elbe bei Hohnstorf, über den Firth of Forth bei Granton, den Tay bei
Dundee zeigen. Ein viertes ist: Senkrechte Hebung der Eisenbahnfahrzeuge und zwar
entweder durch Wasserdruckaufzüge wie bei der früheren Rheinfähre Ruhrort-Homberg,
oder durch Dampfkräne, wie bei der Fähre auf dem St. Lorenzstrom (Quebec) (Abb. 340),
früher auch bei der Rheinfähre zwischen Mainz und Kastei.
Die Fahrgeschwindigkeit der Fährboote ist sehr verschieden und beträgt auf Flüssen
6—10 Km/Std., auf Landseen und Meerengen bis 25 Km/Std. (Stralsund-Rügen =
15 Km/Std., Beltfähren = 24 Km/Std.). Die längsten Fährstrecken finden sich in Nord
amerika ans dem Michigansee mit 150 Inn ans der Linie Frankfort-Menomonee und
135 km. auf der Linie Milwaukee-Grand Haven. Die im Zuge der transsibirischen
Eisenbahn über den Baikalsee führende Fähre legt 64 kin bei einer Fahrt zurück. Wegen
des oft herrschenden starken Wellenschlages und der Vereisung sind diese Seefähren be-
340. Trajrlrtirvnng von Eisenbahnwagen ans dem Kt. Lorrnzstronr.
(Der Kran wird durch Zahnstange und Zahnrad 2 auf seiner Fahrbahn verschoben).
sonders kräftig und zugleich als Eisbrecher gebaut (S. 334). Letzteres ist auch der Fall
bei der neuen Fähre über die Wolga (bei Saratow), über den Detroit-Flnß u. s. w.
Entweder werden durch die Fährboote einzelne Eisenbahnwagen oder ganze Züge
übergesetzt. Letzteres greift Platz, wenn ein Umladen und Umsteigen zwecks Zeitgewinns
vermieden werden soll, namentlich wenn die Fährstrecke am Anfang der Fahrt oder
nahe an ihrem Ende liegt.
Die ältesten Fähranlagen waren an der englischen Ostküste im Zuge der Eisenbahn
von Edinburg nach Dundee. Nahe der ersteren Stadt war zwischen Granton und Burn-
tisland der 8,8 ton breite Firth os Forth zu übersetzen, bei der letzteren die l,4 km breite
Taymündung. Die Grantonfähre wurde schon 1851, die bei Dundee 1852 eingerichtet.
Beide setzten aber nur Güterwagen über, den Personenverkehr vermittelten gewöhnliche
Dampfer. Das erste Fährschiff der Forthfähre war der „Leviathan", von Rapier in
Glasgow erbaut. Es konnte auf seinen drei Deckgleisen 30 Wagen unterbringen und
*) Das Übersetzen von Güterwagen über den nach Abb. 81 rings von Bahnen umzogenen
Bodensee erfolgt der Wegkürzung halber und um bei der Fahrt nach der Schweiz österreichisches
Gebiet und damit die zweimalige Zollabfertigung der Güter zu vermeiden. Das Fährschiff nimmt
16 Güterwagen auf und schleppt gewöhnlich am Tau noch zwei Fährlöhne mit je acht Wagen.
In einer Fahrt können sonach bis 32 Wagen über den See befördert werden. Der Personen
verkehr wird durch sechs Raddampfer erledigt.