Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Besondere  Eisenbahnen.  335
Sie  wurde  mit  Eröffnung  der  Schiffahrt  auf  dem  Amur  in  regelmäßigen  Dienst  genommen. ­
  Die  sibirische  Eisenbahn  ist  bereits  (April  1900)  bis  Strjetemsk  fertiggestellt.
Von  hier  vermitteln  vorläuftg  Dampfer  auf  der  Schilka  und  dem  Amur  den  Verkehr  bis
nach  Chabarowsk,  von  wo  die  764  lern  lange  Ussuribahn  nach  Wladiwostock  weiterführt.
Damit  ist  diese,  ohne  ihre  Zweiglinien  6629  km  lange  Bahn  —  die  längste  aller  bestehenden ­
  Linien  —  deren  Kosten  etwa  870  Millionen  Mark  betragen,  nahezu  fertiggestellt.
Sie  wird  nach  ihrer  in  kurzem  zu  erwartenden  gänzlichen  Vollendung  für  Rußland  eine
wichtige  Militärstraße  bilden,  für  Asien  ein  hochbedeutsamcs  Kulturmittel  sein  und  dem
Weltverkehr  eine  Erleichterung  im  Personen-  und  Güteraustausch  der  zwischen  den  Küsten
des  japanischen  und  atlantischen  Meeres  gelegenen  Länder  schaffen.
Statt  der  Fähren  hat  man  in  Deutschland  an  zwei  Stellen  auch  Schiffbrücken
gewählt;  es  sind  dies  die  beiden  badischen  Brücken  bei  Maxau  und  Speyer.  Die  Fahrbahn ­
  ruht  hier  aus  Pontons,  deren  mit  dem  Wasserstande  sich  ändernde  Höhenlage  durch
bewegliche,  je  85  m  lange  Anschlußbrücken,  welche  sich  höher  oder  tiefer  einstellen  lassen,
auf  beiden  Ufern  ausgeglichen  wird.  Der  mittlere  Brückenteil  wird  zwecks  Durchlassung
der  Schiffe  ausgefahren,  wie  dies  auch  bei  den  gewöhnlichen  Schiffbrücken  (Köln)  der
Fall  ist.  Beim  Übergang  eines  Zuges  schwankt  eine  solche  Brücke  sehr  stark,  weshalb  sie
auch  nur  langsam  befahren  werden  darf.  Bei  Eisgang  und  starkem  Hochwasser  kann  sie
nicht  benutzt  werden.  Schiffbrücken  stehen  daher  kräftig  gebauten  Fährbooten  an  Leistungsfähigkeit ­
  nach,  sind  allerdings  billig  in  der  Anlage.
Besondere  Eisenbahnen.
Seilbahnen.  *)
Schon  vor  Einführung  des  Lokomotivbetriebes  wurden  vielerorts  Seilbahnen  verlvendet.
  Sie  dienten  zur  Überwindung  starker  Steigungen  (schiefer  Ebenen).  Tie  älteren
Anlagen  waren  wie  die  heute  im  Berg-  und  Tunnelbau,  in  Steinbrüchen  u.  s.  w.  noch
üblichen  Bremsberge  eingerichtet:  Das  Übergewicht  der  beladenen,  am  Seil  abwärts
gehenden  Wagen  zieht  die  am  anderen  Seilende  angehängten  leeren  Wagen  auf  einem
Parallelgleise  hinauf.  Die  am  oberen  Ende  der  schiefen  Ebene  befindliche  Seilrolle,  um
die  das  Seil  sich  bewegt,  ist  mit  einer  Bremse  versehen,  so  daß  die  überschüssige  Triebkraft
abgebremst  werden  kann.
Mit  der  Verbreitung  der  Wattschcn  Dampfmaschine  ging  man  dazu  über,  die  Seilrolle ­
  durch  eine  solche  antreiben  zu  lassen,  war  man  nunmehr  doch  unabhängig  von  dem
Übergewicht  des  abwärts  fahrenden  Zuges  und  konnte  man  jetzt  auch  beladene  Wagen
bequem  aufwärts  befördern,  selbst  wenn  nur  leere  Fahrzeuge  bergab  fuhren.  Diese  Seiltriebe ­
  verbreiteten  sich  namentlich  in  England,  wo  es  zur  Zeit  der  Eröffnung  der  Liverpool-Manchester ­
  Bahn  gegen  100  von  ihnen  gegeben  haben  soll  (vgl.  auch  S.  199).  Sie
sind  die  Vorläufer  der  seit  den  60  er  Jahren  vielfach  verbreiteten  Berg-  und  Stadtseilbahnen. ­
  Anfangs  nur  für  den  lokalen  Gütertransport  benutzt,  fanden  jene  Seilebenen
auch  für  den  durchgehenden  Güter-  und  Personenverkehr  Verwendung.  Sie  bildeten
mehrfach  ein  Glied  im  Zuge  einer  als  gewöhnliche  Reibungsbahn  gebauten  Linie,  durch
das  eben  eine  größere  Steigung  auf  einmal  überwunden  wurde.
Unter  den  deutschen  Seilebenen  dieser  Art  sind  die  bei  Erkrath  und  Aachen  die  bemerkenswerteren. ­
  Auch  hier  stand  die  Betriebsdampfmaschine  am  oberen  Rampenende.
Das  Seil  war  anfangs  aus  Hanf,  später  aus  Draht  gefertigt.  Die  schiefe  Ebene  bei
Aachen  war  2,i  km  lang  und  hatte  die  Neigung  von  26 0 / 00  (1:  38).  Die  Dampfmaschine
ftstttb  hier  bis  Ende  der  40  er  Jahre  in  Thätigkeit.
Nach  Einführung  kräftigerer  Lokomotiven  ging  man  allgemein  wieder  zu  dem  billigeren
Gegenbetrieb  über.  Die  Dampfmaschinen  wurden  beseitigt  und  an  jedes  der  beiden  freien
*)  Die  Lustseilbahnen,  welche  in  der  Industrie  und  im  Erdbau  vielfach  benutzt  werden,
namentlich  für  den  Transport  von  Massengütern  (Kohle,  Erze,  Steine,  Erde  u.,.  w.l,  schelven
aus  dem  Rahmen  dieser  Betrachtungen  aus.
            
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