Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Seilbahnen.

Seilenden  die  Lokomotive  mit  ihrem  Wagenzuge  gehängt.  Während  ein  Zug  mit  Lokomotive ­
  am  Seil  abwärts  fuhr,  wurde  ein  anderer  hinaufbefördert.  Aber  auch  diese  Seilbahnen ­
  sind  später  meistens  als  freie  Reibungsbahnen  umgebaut.  —  Unter  den  wenigen
zur  Zeit  noch  erhaltenen  ist  die  vorgenannte  auf  der  Strecke  Düsseldorf-Elberfeld  zwischen
den  Stationen  Erkrath  und  Hochdahl  gelegene  die  einzige  in  Deutschland.  Hier  sind  auf
der  mit  33%  °/ 00  abfallenden,  2,4  km  langen  Rampe  drei  Gleise  angeordnet.  Eines  davon
dient  ohne  Zuhilfenahme  des  Seiles  für  die  thalabwärts  fahrenden  Züge,  deren  Bremskraft
durch  besonders  eingestellte  schwere  Bremswagen  entsprechend  erhöht  wird.  Die  beiden
anderen  Gleise  sind  für  die  Bergfahrt  der  Züge  bestimmt.  Der  Betrieb  geht  jetzt  in  der
Weise  vor  sich,  daß  der  an  das  Seil  geschlossene  Zug  von  einer  Lokomotive  gezogen,  von
einer  zweiten  geschoben  wird,  während  gleichzeitig  an  dem  anderen  um  eine  Umkehrrolle
geführten  Seilende  eine  Lokomotive  zu  Thal  fährt.  Die  vorgenannte  Schiebelokomotive
bleibt  an  dem  oberen  Rampenende  halten  und  fährt  später  am  Seile  abwärts,  um  einem
anderen  zu  Berg  gehenden  Zuge  die  Fahrt  zu  erleichtern.
Auch  die  ersten  in  London  einmündenden  Bahnen  zeigten  im  Stadtgebiete  Teilbetrieb. ­
  Ihre  Gefällverhältnisse  hatten  allerdings  hierzu  nicht  Anlaß  gegeben,  sondern  die
Vorschrift,  die  Züge  ohne  Rauchentwickelung  in  das  Stadtinnere  zu  leiten.  In  dieser  Weise
wurde  z.  B.  die  im  Jahre  1840  unter  Leitung  Stephensons  auf  6  km  langem  Steinviadukt ­
  errichtete,  von  Greenwich  nach  London  führende  Blackwall-Bahn  betrieben.  Hier
wurde  zum  erstenmal  für  das  Anhängen  der  Wagenzüge  an  das  endlose  Seil  und  für
ihr  Loskuppeln  eine  zweckmäßig  gestaltete  Greiservorrichtung  angewendet.  Mit  dem
schnell  anwachsenden  Verkehre  jener  Riesenstadt  verschwanden  aber  diese  Seiltriebe  wieder
und  die  Lokomotive  trat  in  ihre  Rechte.  Immerhin  sind  jene  die  Vorläufer  der  heutigen
„Kabelbahnen",  wie  die  mit  endlosem  Seil  arbeitenden  Linien  zum  Unterschied  von  den
vorerwähnten  Seilbahnen  mit  offenem  Seil,  kurz  als  „Seilbahnen"  bezeichnet,  genannt
werden.
Der  erste  Vorschlag  zur  Verwendung  eines  endlosen  Seiles  für  Eisenbahnzwecke
rührt  von  dem  Wiener  Professor  Purkinje  her.  Dieser  wollte  (nach  Prechtls  Jahrbüchern
des  polytechnischen  Instituts  Wien,  1825)  Eisenbahnen  mit  Pferden  betreiben.  Die
größeren  Steigungen  sollten  auch  durch  schiefe  Seilebenen  überwunden  werden,  aber  deren
Seil  in  sich  geschlossen,  also  endlos  sein  und  an  beiden  Rampenenden  um  eine  Rolle  laufen.
Die  untere  Rolle  sollte  durch  einen  Göpel,  die  heute  noch  viel  benutzte  Maschine  für
Muskelkräfte,  angetrieben  werden  und  zwar  „von  denselben  Pferden,  welche  die  Last  in
der  Ebene  gezogen  haben.  Auf  diese  Art  ziehen  die  Pferde  die  Lastwagen  hinauf,  gehen
selber  ganz  ledig  hinauf  und  setzen  ihren  Zug  auf  der  Ebene  wieder  fort."  Die  erste
praktische  Verwendung  des  endlosen  Seiles  für  Eiseubahnzwecke  wurde  in  England  gemacht.
In  erneuerter  Form  sind  die  Kabelbahnen  seit  den  70  er  Jahren  besonders  in  amerikanischen ­
  und  einigen  englischen  Städten  in  Aufnahme  gekommen.  Auch  im  Hügellande
sind  sie  zuweilen  angelegt  (Pyrmonter  Bergbahn  1897).  Sie  sind  aber  in  den  letzten
Jahren  durch  die  elektrischen  Bahnen  sehr  zurückgedrängt  worden.  In  stark  hügeligen
Städten  behaupten  sie  allerdings  auch  jetzt  noch  siegreich  das  Feld,  wie  in  San  Francisco
mit  Steigungen  bis  230°/ 00  und  Portland  mit  solchen  bis  3OO°/ 00 .
In  San  Francisco  läuft  das  endlose  von  Rollen  gestützte  und  geführte  Seil  in  zwei
parallelen,  in  die  Straßenfahrbahn  gebetteten  eiförmigen  Kanälen,  die  aus  Beton  und  in
etwa  1  '/z  m  Abstand  verlegten  eisernen  Rohrstücken  befielen  Oben  besitzen  diese  Kanäle
einen  etwa  2  am  breiten  Schlitz,  durch  den  die  am  Wagengestell  sitzende  Greifervorrichtung
hindurchragt,  deren  Backen  durch  Hebel  oder  Schranbendruck  an  das  Seil  gepreßt  werden.
In  dem  Kraftwerk  ist  letzteres  mehrmals  um  2  hintereinander  liegende  Trommeln  geschlungen,
die  von  einer  Dampfmaschine  während  der  Betriebszeit  ununterbrochen  gedreht  werden.  Eine
selbstthätige  Spannvorrichtung  hält  das  Kabel  stets  straff,  so  daß  seine  durch  Wärme  und
mechanische  Dehnung  bewirkten  Längenändcruugen  ohne  Einfluß  auf  die  Seilspanuuug  bleiben.
Die  erste  Seilbahn  San  Franciscos  wurde  1873  von  Hallidie  gebaut.  Seitdem  bestehen  dort
6  verschiedene  Kabelgesellschaften,  die  über  ein  Netz  von  70  km  Doppelbahn  mit  einer  gesamten
Seillänge  von  etwa  160  km  (einschl.  der  Leitungen  nach  den  zusammen  3000  Pferdestärken
entwickelnden  Kraftwerken  und  nach  den  Wagenschuppeu)  verfügen.  Die  größte  Seillänge
beträgt  8'/2  km,  das  Gewicht  dieses  Riesenseils  31  500  kg.  Längere  Straßen  werden  durch
mehrere  hinter  einander  geschaltete  Kabel  von  verschiedenen  Kraftwerken  aus  betrieben.  Die
            
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