Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Stadtbahnen.

auf  Zug  rollt  in  scheinbar  endloser  Folge  an  dem  Beobachter  vorüber.  Folgen  sich  ja  auf
den  Hauptstrecken  in  den  lebhafteren  Verkehrsstunden  in  jeder  Fahrtrichtung  19  Personenzüge ­
  stündlich,  also  in  durchschnittlich  je  drei  Minuten  ein  Zug.  Ein  Teil  der  Züge  wird
sogar  mit  nur  zweiminutlicher  Zwischenzeit  gefahren,  und  zwar  auf  dem  Linienzuge  neben
der  Themse,  auf  dem  die  Stationen  bis  zu  300  in  einander  benachbart  liegen.
Für  den  Fremden  ist  der  Verkehr  auf  den  unterirdischen  Linien  anfangs  gerade  nicht
sonderlich  behaglich.  Es  gehört  auch  hier  eine  gewisse  Übung  und  Gewöhnung  dazu,  um
sich  leicht  und  schnell  zurecht  zu  finden,  was  durch  das  sich  hier  besonders  breit  machende
Reklame-Unwesen  ganz  erheblich  erschwert  wird.  Dazu  kommt  die  schlechte  Lüftung  der
Bahn,  die  streckenweise,  trotz  aller  eingebauten  Entlüstungsöffnungen  und  mehrerer  Saugräder ­
  (Abb.  360),  so  mangelhaft  ist,  daß  die  Reisenden  zum  Teil  Hustenreiz  bekommen  und
die  Wagenfenster  allseitig  schließen  müssen,  um  sich  gegen  die  übelriechenden  Lokomotivgase
etwas  zu  schützen.  Es  gehört  die  ganze  Geduld  des  Engländers  dazu,  diesen  Mißstand
ruhig  zu  ertragen.
Die  Züge  laufen  verhältnismäßig  schnell  in  die  Stationen  ein  und  fahren  rasch,  dabei ­
  sanft  und  stoßfrei,  ab.  Ersteres  wird  durch  die  durchgehenden  Bremsen  (S.  257),
letzteres  durch  eine  straffe  Kuppelung  aller  Fahrzeuge  ermöglicht.  Die
Züge  führen  Wagen  I.,  II.  und  III.  Klasse  und  sind  in  solche  für  Raucher
und  Nichtraucher  gesondert.  In  den  Wagen  für  letztere  ist  das  Rauchen
bei  Strafe  bis  zu  40  Mark
untersagt,  ebenso  innerhalb ­
  der  Stationen  und
auf  allen  Bahnsteigen.
Die  Fahrpreise  sind  nichts
weniger  als  einheitlich.
Kommt  der  Zug  an  dem
Bahnsteig  zum  Halten,
so  öffnen  sich  die  Reisenden ­
  selbst  die  Thüren,  was
ja  auch  auf  der  Berliner
Stadtbahn  Gebrauch  ist.
Fährt  ein  Reisender
über  das  durch  seine  Fahrkarte ­
  bezeichnete  Reiseziel
hinaus,  so  kann  er  auf
seinen  Wunsch  kostenfrei
nach  der  richtigen  Station  zurückfahren,  will  er  jedoch  auf  der  falschen  Station  den  Zug
verlassen,  so  hat  er  den  Fehlbetrag  zu  entrichten.  Wird  dagegen  ein  Reisender  ohne
gültige  Karte  angetroffen,  so  wird  für  die  durchfahrene  Strecke  der  einfache  Fahrpreis  erhoben. ­
  Nur  wenn  er  sich  weigert,  diesen  zu  zahlen,  erfolgt  eine  Geldstrafe  bis  zu  40  Mark,
auch  wird  sein  Name  mit  entsprechendem  Vermerk  ans  der  Station  angeschlagen  —  ein
jedenfalls  wirksames  Abschreckungsmittel!  Anderseits  werden  auch  die  Bahngesellschaften
scharf  geahndet,  wenn  sie  sich  Übergriffe  gegen  Reisende  zu  Schulden  kommen  lassen  und
diese  gerichtlich  gegen  sie  vorgehen,  denn  nur  der  mit  Absicht  ausgeführte  Betrug  gibt
der  Verwaltung  ein  Recht  auf  Strafverfolgung.  Die  Betriebszeit  beginnt  an  Wochentagen
morgens  um  5  Uhr  und  endigt  kurz  nach  Mitternacht.  An  Sonntagen  ist  der  Zugdienst
erheblich  eingeschränkt.
Die  durchschnittliche  Fahrgeschwindigkeit  der  Züge  ohne  Einrechnung  des  Aufenthalts
auf  den  Stationen  beträgt  40  Ion  in  der  Stunde.  Die  auf  dem  Jnnenringe  verkehrenden
Züge  durchfahren  diese  21  km  lange  Strecke  —  die  26  Statiousaufenthalte  eingerechnet
—  in  70  Minuten.  Die  mittlere  Reisegeschwindigkeit  beträgt  demnach  18  km  in  der
Stunde.  Die  Zahl  der  täglichen  Züge  ist  erstaunlich.  An  Werktagen  stärksten  Verkehrs
werden  rund  1700  Personenzüge,  420  Güterzüge  und  110  Leerlokomotiven  fahrplanmäßig ­
  gefahren,  also  insgesamt  2120  Züge.  An  Sonntagen  wird  der  Betrieb  um  mehr

360.  Entlüftnngsanlagr  in  der  Cannon  Street.
            
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