360
Eisenbahnen: Stadtbahnen.
gemeinsamen Raum vereinigt und durch Weichen verbunden, um die Umleitung der Züge
bequem bewirken zu können. Die beiden Gleistunnel sind übrigens mehrfach gegen ein
ander verschoben. Am Ausgang der Citystation liegen sie nebeneinander; sie ziehen sich
dann in scharfer Krümmung und gleichzeitig
mit starkem Gefälle (1:15 und 1:30), hier
gleichsam eine Schraubenlinie bildend, nach
der Themse hin, um kurz vor dieser unter
einer nur 4 m breiten Gasse übereinander
herzulaufen, da sonst ein Unterfangen der
beiderseitigen Häuserfronten, sowie Ent-
■KcdkniM schädigen der Hausbesitzer*) nicht zu ver
meiden gewesen wäre. Im weiteren Ver
lauf der Bahn liegen die Tunnel nach Abb. 3 63
wieder nebeneinander, um in den Zwischen
stationen aufs neue in senkrechter Richtung
gegeneinander verschoben zu werden, damit
hier ein bequemerer Zugang beider Bahn
steige sich schaffen ließ.
Die Tunnel sind kreisrund und mit
einem nach Abb. 361 aus einzelnen Stücken
zusammengeschranbten Gußeisenrohre von
3,2 na Weite ausgekleidet. Ein solche Aus
kleidung hatte Greathead bereits 1868/69
beim Bau des nahe dem Tower unter der
Themse angelegten und 2 in weiten Fuß
gängertunnels gewählt. Seit dem Erfolge
der ersten elektrischen Röhrenbahu ist dieses
Verfahren wiederholt angewendet worden. Es bildet jetzt einen wichtigen Zweig des
Tunnelbaues und hat bereits mehrfach die Anlage von Tunneln in schlammigem Boden
ermöglicht, die mit den sonst bekannten Mitteln nicht hätte erstellt werden können.
gewachsener
Thonboden
861. Guerschnitt des Tunnels der elektrischen
Tunnelrötzrenbahn in London.
Eigenartig ist das Vortreiben der Tunnel nach Greatheads Vorgang vermittelst eines
„Schildes", d. i. ein mehrere Meter langes, vorn mit einer Schneide versehenes Stahl-
*) Nach englischem Recht gehört dem Grundbesitzer der Boden bis zum Mittelpunkt der
Erde. Jeder noch so tief unter einem Grundstück arbeitende Unternehmer muß daher das Be
nutzungsrecht des Erdinneren vom Eigentümer erwerben.