zuwohnen. Der Rekrut war ein junger Irländer, der die erhabene
Stunde im voraus feierte, indem er das Trinkverbot bis zur ernst-
lichen Gefährdung seines Gleichgewichtes umging, so dass es ihm
fast unmöglich war, die vom Vorsitzenden vorgelesene Eides-
formel nachzusprechen, was die ganze Versammlung mit lebhafter,
aber gelassener Heiterkeit erfüllte.
Ziemlich ausgedehnt und streng soll das reguläre Lehrlings-
wesen im Baugewerbe, bei den Buchdruckern und Zimmerleuten
sein, etwas lockerer und seltener schon bei den verschiedenen
Metallarbeiterberufen. Im allgemeinen verhält es sich entsprechend
der Stärke der betreffenden Gewerkschaft. In unorganisierten
Betrieben wird ein Lehrzeugnis, eine Prüfung oder eine reguläre
Lehrzeit gemeinhin nicht gefordert, so dass ein jeder, der das Zeug
dazu zu haben glaubt, irgendeine handwerkliche Tätigkeit aus-
üben kann, im Betrieb sowohl wie auch als selbständiger Hand-
werker. Bei einem Kolonistenvolk, dessen Menschen sich wahllos
zusammenfanden, ist dies der gegebene „Urzustand“. Der Farmers-
sohn, der auf den väterlichen Äckern den Traktor bediente, geht
zur Fabrik und arbeitet als Mechaniker oder etabliert sich im
nächsten Städtchen als Schmied oder Tischler und ist das Jahr
darauf vielleicht Buchhalter bei der Telegraphenkompanie. Das
Berufsständische ist unbekannt, denn auch der gewerkschaftliche
Facharbeiter, der seine Berufstätigkeit umzäunt und nach aussen
abgrenzt, wird sie selber jederzeit verlassen, wenn Nachfrage und
seine Fähigkeit ihn in ein anderes Erwerbsgebiet einladen.
7. Arbeitsnachweis.
Wie das Lehrlingswesen, so ist auch die Arbeitsvermittlung
grundverschieden, je nachdem es sich um gewerkschaftlich organi-
sierte oder nichtorganisierte Betriebe handelt. Im ersteren Falle
ist die Stellenvermittlung ziemlich einfach, da der Unternehmer
sich tarifvertraglich verpflichtet, Ersatz und Verstärkung seiner
Betriebsbelegschaft durch deren gewerkschaftliche Organisation
zu beziehen. Dieses Verfahren ist gewöhnlich im Tarifvertrag vor-
gesehen, und das „shop committee“ der Vertrauensmänner meldet
jeden Bedarf an Arbeitskräften und jede freigewordene Stelle bei
seiner Verbandsleitung.
Anders verhält es sich mit den unorganisierten Unternehmungen.
Die Arten, wie diese ihre Arbeitskräfte beschaffen, sind sehr
mannigfaltig. Das nächstliegende ist, dass Meister oder Betriebs-
inhaber nach den ihnen persönlich bekannten Leuten greifen. Da-
neben bedienen sie sich der Vermittlung durch die Zeitung, und vor
allem treibt ein Heer wenig kontrollierter privater Stellenvermittler
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