Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Bauten  der  Brückenbrüder.

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Avignon  von  der  Wahrheit  seiner  Reden  zu  überzeugen,  trug  er  einen  Stein  von  13  Fuß
Länge  und  7  Fuß  Breite,  den  kaum  30  Menschen  bewegen  konnten,  in  Gegenwart  des  Volkes
vom  königlichen  Palaste  bis  zu  jener  Stelle  im  Strome,  an  welcher  er  damit  den  ersten
Brückenpfeiler  gründete.  Jeder  trug  fortan  mit  Freuden  zu  diesem  Baue  bei,  so  daß  er  in
einer  für  jene  Periode  kurzen  Spanne  Zeit  vollendet  wurde."
Die  Brückenbrüder  waren  ähnlich  wie  die  Ritterorden  organisiert  und  besaßen  ihren
Großmeister,  ihre  Ritter,  Mönche  und  dienenden  Brüder.  Als  Ordenskleid  trugen  sie  ein
weißes  Gewand  mit  zwei  roten  Brückenbogen  und  einem  Spitzhammer  auf  der  Brust.
Die  Mitglieder  leiteten  die  Arbeiten,  legten  selbst  mit  Hand  an  und  bestritten  die  Kosten
größtenteils  aus  eigenem  Einkommen  oder  durch  Almosen.  Erst  im  Jahre  1789  ging
der  Orden  ganz  ein,  nachdem  er  aber  bereits  lange  vorher  seiner  eigentlichen  Thätigkeit

39b.  Krücke  jh  Avignon.
entsagt  hatte.  Seine  Hauptwirksamkeit  übte  der  Orden  in  Südfrankreich  aus.  Als  die
drei  Hauptwerke  der  Brückenbrüder  gelten  die  Rhvnebrücken  zu  Avignon  (1178  fAbb.  395s),
Zu  Lyon  (1265)  und  die  Brücke  St.  Esprit  (1285).
Auch  in  England  verdankten  verschiedene  Brücken  ihre  Entstehung  dem  genannten
Mönchsorden,  so  die  berühmte  alte  Brücke  von  London.  Angeblich  wurde  bereits  von  den
Römern  eine  Brücke  bei  London  erbaut.  Spätere  Brücken,  die  hier  entstanden,  waren
öon  Holz  errichtet.  Verschiedene  Male  wurden  sie  hinweggeschwemmt,  einmal  brannte  eine
Brücke  auf,  und  so  beschloß  man  im  Jahre  1176  den  Bau  einer  steinernen  Brücke.  Der
Baumeister  dieser  Brücke,  deren  Bauzeit  33  Jahre  betrug,  war  der  Kaplan  Peter  von
2t.  Mary.  Den  Ban  betrachtete  man  als  eine  nationale  That,  und  zwei  Jahrhunderte
lang  wurde  von  den  umliegenden  Landschaften  eine  Abgabe  zur  Unterhaltung  der  Brücke
erhoben.  Der  Erbauer  starb  vor  der  Vollendung  seines  Werkes  und  wurde  in  der  Brückenlapelle
  beigesetzt.  Über  diese  Brücke  bewegte  sich  der  Verkehr  länger  als  600  Jahre.  Die
Brückenbahn  war  auf  beiden  Seiten  vollständig  mit  Häusern  besetzt,  zwischen  denen  sich
"n  schmaler,  dunkler  und  gefährlicher  Durchgang  befand.  An  den  beiden  Thorhäusern
an  den  Brückenenden  wurden  die  Köpfe  der  Verbrecher  und  Verräter  aufgehängt.  Die
Brückenpfeiler  waren  zum  Teil  so  dicht  nebeneinander  gebaut,  daß  sich  kaum  ein  Schiff
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