Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Brücken  und  Viadukte.

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zwischen  ihnen  hindurch  bewegen  konnte,  das  Wasser  stürzte  mit  großer  Gewalt  durch  die
engen  Öffnungen,  so  daß  das  Durchfahren  der  Brücke  mit  Lebensgefahr  verbunden  war,
und  sich  das  Wortspiel  ausbilden  konnte:  „Die  Londoner  Brücke  sei  gebaut,  damit  Weise
darübergehen  und  Narren  untergehen."  —  Wie  bei  vielen  anderen  Brücken,  so  waren
auch  unter  der  alten  Londoner  Pumpwerke  eingebaut,  mit  welchen  das  für  die  Bewohner
bestimmte  Trinkwasser  gehoben  wurde.
Auch  bei  dem  Baue  einer  Anzahl  deutscher  Brücken  ist  die  Mitwirkung  der  Geistlichkeit ­
  nachweisbar,  indem  die  Brückenbaukosten  aus  den  gesammelten  Milch-  und  Butterpfennigen ­
  bestritten  wurden.  Denjenigen  nämlich,  welche  einen  Beitrag  von  i / 20  rheinischen
Gulden  jährlich  leisteten,  wurde  während  20  Jahre  der  Genuß  von  Milch-  und  Butterspeisen ­
  an  den  sogenannten  verbotenen  Tagen  gestattet.  Die  gezahlten  Beiträge  wurden
in  den  Kirchen  in  dem  Butterkasten  gesammelt,  und  aus  diesem  Brauche  erklärt  sich  die
Redensart,  daß  die  betreffenden  Brücken  aus  der  Butterbüchse  erbaut  seien.

396,  Krürkr  von  Martorrll.
Der  schwächste  Punkt  einer  großen  Anzahl  der  im  Mittelalter  erbauten  Brücken  war
ihre  Fundamentierung,  d.  h.  ihr  Unterbau.  Durch  die  vielen  und  außerordentlich
mächtigen  Brückenpfeiler  wurde  bei  den  meisten  Brücken  der  Durchfluß  des  Wassers
sehr  gehemmt  und  die  Hochwasserstände  bedeutend  erhöht.  Brückeneinstürze  waren  daher
in  dieser  Zeit  nichts  Außergewöhnliches.  So  stürzten  im  Jahre  1342  die  Brücken  bei
Prag  und  Würzburg,  1499  zwei  Brücken  in  Paris,  1602  drei  Bogen  der  von  dem
Gründer  der  Brückenbrüdergeuossenschaft  erbauten  Brücke  bei  Avignon  ein.
Gegen  das  Ende  des  Mittelalters  und  zwar  zuerst  im  12.  Jahrhundert  schuf  die
mitteleuropäische  Brückenbaukunst  wieder  bedeutendere  Werke.  Das  hervorragendste
Werk  ist  die  Addabrücke  bei  Trezzo  in  Italien,  mit  einer  Spannweite  von  72  m.  Dieser
Bau  erfolgte  in  den  Jahren  1370—77  auf  Veranlassung  des  Mailänder  Herzogs
Barnabo  Visconti.  Ein  anderes  bemerkenswertes  Brückenbauwerk,  das  vermutlich  dem
Mittelalter  seine  Entstehung  verdankt,  ist  die  sogenannte  Teufelsbrücke  über  den  Lobregat
bei  Martorell  in  Spanien  (Abb.  396).  Dieser  Bau  wurde  unter  Karl  III.  im  Jahre  1766
restauriert  und  mit  einer  Inschrift  versehen,  wonach  die  ursprüngliche  Brücke  von  Haunibal
            
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