Hölzerne Brücken. 389
Während die französischen Ingenieure bei der Erbauung der hölzernen Brücken die
Hölzer der Brückenform entsprechend rund ausschnitten, ging der deutsche Ingenieur
Wiebeking statt dessen dazu über, die Hölzer rund zu biegen, und erzielte hierdurch
sehr gute Erfolge. Die bedeutendsten, nach dem Wiebekingschen System erbauten Brücken
waren die Freisinger Brücke über die Isar — 51,5 m, die Schärdinger Brücke über den
Rottfluß = 64,8 m, die Bamberger Brücke über die Regnitz — 69,7 m und die Neu
burger Brücke über die Donau — 52,5 m.
Die Verhältnisse Amerikas, der große Holzreichtum und der den amerikanischen Bau
ausführungen anhaftende provisorische Charakter, trugen wesentlich dazu bei, daß der
Bau der hölzernen Brücken in diesem Lande einen großen Aufschwung nahm und sich
400. Die Portage -Thnibrücke vor drill Krandc int Ilchrr 1875. (Erle-Eisenbahn.)
länger als in Europa erhielt. Die bereits im vorigen Jahrhundert erbaute Delaware
bogenbrücke besaß Spannweiten von 54 und 62 m. Besonders waren die Ingenieure
Long, Howe und Down für den hölzernen Brückenbau thätig, und die von denselben
ausgebildeten Systeme fanden auch in Deutschland Anwendung. Die bedeutendsten Brücken
uach dem System Howe waren die Brücken bei Springfield (55 m), bei Wittenberge (56,5 m),
bei Bandon (60 m) und über den Msta (61 m). Die letztere Brücke, welche hölzerne
Turmpfeiler von 21 in Höhe besaß, brannte im Jahre 1869 teilweise ab.
Bon den sonstigen bedeutenden Holzbrücken seien noch erwähnt die Brücke über den
Schuylkill bei Philadelphia (97,5 m), die Susquehannabrücke bei Columbia (61 m), die
drücke der New Iork-Eriebahn (76 m) und die Brücke über den Mississippi bei Dawen-
port (76 in). — Mit besonderer Vorliebe sind von den Amerikanern statt der Damm
schüttungen Holzgerüste zur Verwendung gekommen, sogenannte „trostls works“. Die
U" Jahre 1875 durch Feuer zerstörte Portage-Thalbrücke hatte eine Länge von 260 m
and war 71m hoch (Abb. 400).