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Brücken und Viadnkte.
erbaute Telford die Brücke über die Menaistraße bei Baugor, mit einer Weite von 176 m.
Die Schweiz hat seit 1835 den Ruhm, die weitestgespannte Drahtbrücke Europas zu
besitzen. Es ist dies die „Saanebrücke" bei Freiburg mit einer Weite von 265 m. Zwei
weitere sehr bemerkenswerte und wegen ihrer Lage berühmte Brücken dieser Art sind die
Donaubrücke bei Budapest (183 m; Abb. 404) und die Cliftonbrücke über den Avon
bei Bristol mit einer Spannweite von 214 m.
Den Hängebrücken war ein ähnliches Schicksal wie den gußeisernen Brücken beschieden,
auch sie verschwanden zum Teil wieder, vor allem aber wurde ihrer Erbauung bald durch
das Aufkommen besserer Konstruktionen ein Ende gesetzt. Den Anstoß hierzu gab das
Erfordernis der Erbauung großer Eisenbahnbrücken, die man nicht wagte als Hänge
brücken herzustellen. Mehrere Hängebrücken, so die Dordognebrücke, die Brücken von
Broughton und Angers, waren durch die beim schnellen Fahren auftretenden starken Er-
404. Kettenbrücke;x Kndapeft.
schütternngen, sowie infolge ungenügender Versteifungen gegen den Winddruck eingestürzt,
und hierdurch war dieses System in Mißkredit gekommen. Robert Stephenson, der
Sohn George Stephensons, war der Erbauer der einst mit Recht als ein überaus kühnes
Bauwerk berühmten Brücke über die Menaistraße, der sogenannten Britanniabrücke. Bei
dieser Brücke wurde die Tragkonstruktion in der Form eines hohlen Balkens hergestellt,
wobei als Material Schmiedeeisen Verwendung fand. Gleichzeitig mit der großen
Britanniabrücke wurde über den benachbarten Conwayfluß eine Brücke der gleichen Bauart
in Angriff genommen und im Jahre 1848 vollendet. Die Spannweite der zwei großen
-Öffnungen der Britanniabrücke beträgt je 143, die der Conwaybrücke 121 m. Die Theorie
der Balkenbrücken ist scheinbar höchst einfach. Ein Balken, der an seinen beiden Enden
aufliegt, wird, wenn er belastet wird, hauptsächlich in seinen unteren und oberen Schichten
in Anspruch genommen. Die unteren Schichten müssen einer Auseinanderreißung, die
oberen einer Zusammenschiebung widerstehen, während der Kern des Balkens weniger
beteiligt ist. Man kann daher diesen mittleren Teil herausbohren, ohne daß die Festigkeit
wesentlich verringert wird, erreicht jedoch hierdurch den großen Vorteil, daß der Balken
bedeutend leichter wird. Der aus Eisenplatten hergestellte Balken, wie er in der Britannia
brücke zur Verwendung kam, hatte den großen Nachteil, daß es in seinem Inneren dunkel