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Raddruck. Berdampfungsfähigkeit des Kessels.
Aus 1) bestimmt sich, wie wir sahen, die größte Zugkraft beim Aufahren, aus 2) diejenige
Zugkraft, die bei andauernder Beanspruchung der Lokomotive, das ist beim Durchfahren
längerer Strecken, vorhanden sein soll, während der aus 3) sich ergebende Wert den beiden
vorgenannten entsprechen muß.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Verdampfungsfähigkeit des Kessels. Die Dampf
entwickelung wechselt mit der Fahrgeschwindigkeit. Je schneller gefahren wird, desto leb
hafter brennt das Feuer, und desto kräftiger geht die Dampfbildung vor sich, allerdings nur
bis zu einer gewissen Grenze. Je schneller aber ein Zug von gegebenem Gewichte befördert
wird, desto stärkerhat dieLokomotive zu arbeiten, desto mehrDampf wird also andererseits auch
verbraucht. Während der Fahrt sollen Dampferzeugung und Dampfverbrauch sich das Gleich
gewicht halten, der Wasserstand und Dampfdruck des Kessels auf normaler Höhe verbleiben.
Ist ersteres nicht der Fall, so sinken die beiden letzteren unter das zulässige Maß und
die Lokomotive ist erschöpft und nicht mehr im stände, den Zug mit der betreffenden Ge
schwindigkeit zu fahren. Die Leistung des Kessels und damit die der Lokomotive kann
170. Fünfachstge viergekuppelte Eüterzuglokoniotivc der prriis;. Ktaatsbatzucn.
(Hannoversche Maschinenbau-A.-G. vorm. Georg Egestorfs.)
sonach einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Drückt man die Zugkraft Z, wie üblich,
in kg, die Geschwindigkeit v in Metern bezogen auf die Sekunde aus und teilt das Pro
dukt durch 75, so erhält man die Zahl (N) der Pferdestärken, welche die Lokomotive leisten
kann. Es ist N = . Hieraus folgt nun ohne weiteres, daß dasselbe N geleistet
werden kann: 1) mit einem kleinen Werte von Z und einem großen von v oder auch
2) mit einem großen Werte von Z und einem kleinen von v. Das Produkt Z mal v
muß eben gleich bleiben (—75 mal N).
Fall 1 trifft für Schnellzuglokomotiven, Fall 2 für Güterzuglokomotiven zu. Schnell
züge haben im allgemeinen ein wesentlich geringeres Gewicht als Güterzüge, müssen aber
weit rascher gefahren werden als letztere. Bei ihnen ist also die kleine Zugkraft mit
großer Geschwindigkeit gepaart, bei den Güterzügen ist es umgekehrt. Großes v bedingt
aber große Treibräder, während bei mäßiger Geschwindigkeit kleine genügen; denn
während der Fahrt legt die Lokomotive bezw. der Zug bei jeder Treibradnmdrehung
eine Wegstrecke gleich dem Radumfange zurück, also --- -y-X D, wenn D den Durchmesser
des Treibrades bezeichnet. Mit größerem D nimmt folglich bei gleicher Fahrgeschwindststeit
die Zahl der in derselben Zeit erforderlichen Radumdrehungen ab und damit auch im
allgemeinen die Unruhe des Ganges der Lokomotive und ferner die Abnutzung ihrer e-
weglichen Teile, sowie diejenige des Oberbaues. Deshalb weisen die Schnellzuglokomo iven