Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Flußläufe  und  Flußschiffahrt.

Tiefgang  befahren  werden.  Auch  die  übrigen  Nebenflüsse  des  Parana,  der  Paranahyba,
Tiete  und  Iguaffu,  sind  schiffbar,  und  der  Flußverkehr  auf  ihnen  entwickelt  sich  in
steigendem  Maße.
So  bedeutend  einige  der  afrikanischen  Ströme,  wie  der  Nil  und  der  Kongo,  auch
sind,  hinsichtlich  der  auf  ihnen  betriebenen  Schiffahrt  stehen  sie  weit  hinter  manchen  viel
kleineren  Flüssen  in  den  anderen  Erdteilen  zurück;  doch  auch  hier  ist  ein  erfreulicher
Aufschwung  wahrnehmbar.  Seit  1894,  dem  Zeitpunkte,  zu  welchem  das  Kamerungebiet
an  den  Ssangafluß  angeschlossen  worden  ist,  hat  auch  Deutschland  ein  direktes  Interesse
an  der  Entwickelung  der  Kongoschiffahrt.  Heute  befahren  bereits  42  Dampfer  den
oberen  Stromlauf  und  seine  Nebenflüsse.  Seit  dem  Jahre  1896  besteht  eine  regelmäßige ­
  Dampferverbindung  zwischen  dem  Stanleypool  und  den  Stanleyfalls.  Ein  im
Bau  begriffener  Dampfer  soll  fortan  ausschließlich  der  Beförderung  der  Reisenden  und
der  Postsachen  dienen;  er  wird  die  Fahrt  bis  zu  den  Fällen  in  elf  Tagen,  die  Niederfahrt ­
  in  fünf  Tagen  zurücklegen.  Die  zurückzulegende  Strecke  hat  eine  Länge  von
1200  km,  d.  h.  sie  entspricht  der  Entfernung  von  Königsberg  nach  Straßburg.
Während  Europa,  Asien,  Afrika  und  Amerika  reich  an  Flüssen  sind,  von  denen  in
dem  Vorangegangenen  allerdings  nur  wenigen  eine  eingehendere  Betrachtung  zu  teil
werden  konnte,  ist  der  fünfte  Erdteil,  Australien,  nach  dieser  Richtung  hin  von  der
Natur  sehr  stiefmütterlich  behandelt  worden.  Das  trockene  Klima  begünstigt  nicht  die
Entstehung  von  Flüssen,  die  den  größeren  Teil  des  Jahres  hindurch  aus  einer  Reihe  von
Wasserlachen  und  Sümpfen  bestehen.  So  mancher  vom  Gebirge  stattlich  herabkommende
Strom  versiegt  einige  Meilen  weiterhin,  und  nur  der  1350  km  lange  Murray,  den
die  Schneemassen  der  australischen  Alpen  nähren,  ist  ein  permanenter  Strom.  Aber
auch  er  endigt  in  einem  Binnensee.  Bessere  Aussichten  gewähren  mehrere  Ströme  im
Norden  der  Kolonie  Queensland,  wo  der  Brisbane  bis  zur  Hauptstadt  gleichen  Naniens
für  Seeschiffe  befahrbar  ist;  eine  Zukunft  dürfte  wohl  auch  der  Schwanenfluß  in  Westaustralien ­
  haben.
Wenn  auch  die  Bedeutung  der  Ströme  als  Mittel  für  den  Frachttransport  bei
weitem  ihre  Benutzung  für  den  Personenverkehr  überwiegt,  so  ist  der  letztere  doch
nicht  zu  unterschätzen.  Namentlich  vollzog  sich  vor  Erfindung  der  Eisenbahnen  ein  für
die  damaligen  Verkehrsverhältnisse  nicht  unbeträchtlicher  Teil  des  Reiseverkehrs  auf  den
Strömen.  Die  Ströme  bieten  in  der  Thalfahrt  in  der  That  ein  so  bequemes  Mittel
zum  Transport,  daß  ihre  frühzeitige  Benutzung  zum  Personenverkehr  nur  zu  erklärlich  ist.
Besonders  am  Mittelrhein  bewegte  sich  der  Reiseverkehr  seit  alten  Zeiten  vorzugsweise
aus  dem  Wasserwege.  Anfangs  wurden  zu  diesem  Zwecke  unbedeckte,  später  mit  Tuch
überspannte  Nachen  und  Schiffe  benutzt.  Um  die  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  begann
man  diese  Schiffe  bequemer  auszustatten;  im  vorigen  Jahrhundert  versah  man  sie  sogar
mit  komfortablen  Zimmereinrichtungen.  Die  seit  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  den
Rheinreiseverkehr  vermittelnde  sogenannte  Wasserdiligence  bestand  aus  drei  abgesonderten
Räumen  mit  Glasfenstern.  Das  platte  Verdeck  war  mit  Geländern  und  Bänken  ausgerüstet. ­
  Neben  dem  Fahrzeug  befand  sich  ein  mit  Segeltuch  überspanntes  Boot,  das
den  Schiffern  und  Bedienten  zum  Aufenthalt  diente.  Für  die  Reise  von  Mainz  nach
Köln  brauchten  diese  Diligencen  zwei  Tage,  für  die  Rückfahrt  drei  Tage.  Bis  Köln
betrug  der  Fahrpreis  12  Gulden.  Für  eine  Jacht  mit  drei  Zimmern  waren  von  Mainz
bis  Köln  37  Gulden  zu  entrichten.
Die  einen  regelmäßigen  Personenverkehr  vermittelnden  sogenannten  Marktschiffe
dürften  nach  den  überkommenen  Mitteilungen  zuerst  im  Anfange  des  12.  Jahrhunderts
ihre  Fahrten  ausgeführt  haben.  Das  älteste  Marktschiff  scheint  das  Mainz-Frankfurter
gewesen  zu  sein.  Zu  Beginn  des  15.  Jahrhunderts  wurde  zwischen  den  Räten  der  Städte
Mainz  und  Frankfurt  eine  Ordnung  über  die  Benutzung  dieser  Marktschiffe  vereinbart.
Zwischen  den  Mainzer  Kurfürsten  und  dem  Frankfurter  Rat  bestanden  jedoch  in  der
Folgezeit  fortwährend  Streitigkeiten  darüber,  wer  solche  Fahrten  unternehmen  zu  lassen
das  Recht  hatte,  wer  auf  den  Landungsplätzen  Wein  feilhalten  und  Musik  machen  lassen
durfte  u.  s.  w.  Die  Marktschisfahrten  wurden  schon  früh  derart  geregelt,  daß  täglich  je  ein
            
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