Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Siromkorrektioneu.

bietet  die  den  Zugang  von  der  See  nach  Glasgow  bildende  Cly  de.  Glasgow,  seit  Jahrhunderten ­
  eine  der  reichsten  und  bedeutendsten  Städte  Schottlands,  verdankte  diese  Stellung
ausschließlich  seiner  Industrie;  besonders  wurden  daselbst  im  großen  Maßstabe  Zuckerraffinerien ­
  und  Wollfabriken  betrieben.  Mit  Beharrlichkeit  richtete  sich  das  Bestreben  der
Glasgower  Kaufleute  daraus,  einen  Teil  des  Handels  mit  Amerika  in  die  Hände  zu  bekommen. ­
  Die  Stadt  lag  zwar  an  einem  Fluß,  der  Clyde,  aber  dieser  besaß  eine  so  ungenügende ­
  Tiefe  und  führte  so  wenig  Wasser,  daß  er  der  Schiffahrt  keine  Dienste  zu
leisten  vermochte.  Nach  einem  im  Jahre  1775  erstatteten  Bericht  konnte  man  den  Fluß
bequem  durchwaten,  an  einigen  wenigen  Stellen  war  eine  Tiefe  von  etwa  40  am  bei
Niedrigwasser  vorhanden.  Mit  Hilfe  der  kräftigen  Flutwelle,  die  Englands  Küste  bespült,
ist  dieser  Fluß  allmählich  derart  verbessert  worden,  daß  Schiffe  mit  3000  Tonnen  und
7,3  m  Tiefgang  nach  Glasgow  an  den  Broomielaw  kommen  und  diese  Stadt  sich  infolge
der  Verbesserung  ihres  Zugangs  von  der  See  her  zu  der  größten  Handels-  und
Fabrikstadt  Schottlands  aufgeschwungen  hat,  auf  deren  berühmten  Werften  die  größten
Seedampfer  gebaut  werden.  Dieses  freilich  erst  in  langen  Jahren  erreichte  Ziel  hat
Glasgow  in  der  Zeit  von  1770—1785  reichlich  136  Millionen  Mark  gekostet,  die  auf
die  Regulierung  der  Clyde  und  den  Ban  der  Hafenwerke  verwendet  worden  sind.  Diese
großen  Kosten  sind  allerdings  zum  Teil  dadurch  entstanden,  daß  an  der  Clyde,  wie  an
anderen  im  Flutgebiet  gelegenen  Flüssen  in  England,  ebenso  wie  auch  in  Deutschland,  in
früheren  Jahren  nicht  die  richtigen  Bauweisen  zur  Regulierung  in  Anwendung  gebracht
worden  sind;  man  hat  lauge  für  die  im  Flutgebiet  gelegenen  Strecken  dieselben  Regeln
befolgt,  die  für  den  oberen  Lauf  Gültigkeit  haben,  für  das  Flutgebiet  aber  wie  man
nunmehr  erkannt  hat,  geradezu  verwerflich  sind.
Sind  sonach  zwar  die  Engländer  mit  der  Ausführung  der  Regulierungen  im
Flutgebiet  vorangegangen,  so  gebührt  doch  dem  Hamburger  Wasserbaudirektor  Dalmann
(gest.  1875)  das  Verdienst,  in  seiner  im  Jahre  1856  erschienenen  Schrift  „Über  Stromkorrektionen ­
  im  Flutgebiet"  dieses  wichtige  Gebiet  zum  erstenmal  wissenschaftlich  untersucht ­
  und  beleuchtet  zu  haben.  Den  bis  jetzt  an  Klarheit  und  Gründlichkeit  unerreichten
theoretischen  Ausführungen  Dalmanns  steht  die  vom  Oberbaudirektor  L.  Franzius  in
Bremen  auf  wissenschaftlicher  Grundlage  geplante,  in  den  Jahren  1887  —  1896  in  hervorragender ­
  Weise  und  mit  großem  Erfolg  ausgeführte  Korrektion  der  Unterweser  ebenbürtig
zur  Seite.
Der  Hauptzweck  einer  Flußkorrektion  ist  in  den  meisten  Fällen  die  Herbeiführung
einer  regelmäßigen  und  unschädlichen  Fortbewegung  der  Sinkstoffe  (Gerölle,  Kies,  Sand,
Schlamm,  Schlick),  um  dadurch  die  für  die  Schiffahrt  nötige  Fahrwassertiefe  zu  schaffen
und  zu  erhalten.
Bei  der  Ausführung  einer  Regulierung  geht  das  Bestreben  des  Flußbaumeisters
dahin,  das  Arbeitsvermögen  des  Flusses  d.  h.  die  ihm  vermöge  seiner  Wassermenge  und
deren  Geschwindigkeit  innewohnende  Kraft  zur  Mitwirkung  heranzuziehen.  Die  im  oberen
Laufe  der  Flüsse  abfließende  Wassermenge  hat,  von  den  durch  meteorologische  Vorgänge
hervorgerufenen  Schwankungen  abgesehen,  im  allgemeinen  eine  bestimmte,  leicht  meßbare
Größe,  die  durch  keine  baulichen  Eingriffe  vermehrt,  höchstens  geregelt  oder  durch  Ableitung
verkleinert  werden  kann.  Auch  die  Geschwindigkeit  der  stets  in  einer  Richtung,  thalabwärts
sich  bewegenden  Wassermenge  kann  nur  innerhalb  der  durch  das  vorhandene  Gefälle
gegebenen  Grenzen  verändert  werden.  Anders  verhält  sich  die  Sache  im  Flutgebiet;  dort
bewegt  sich  im  Flußbett  nicht  allein  das  von  oben  kommende,  seewärts  fließende  Oberwasser, ­
  sondern  infolge  der  Flutbewegung  des  Meeres  von  der  Mündung  landeinwärts
noch  eine,  jenes  um  das  50—lOOfache  übertreffende  Wassermenge.  Das  von  der  See
in  den  Flußlauf  einströmende  Wasser  schiebt  das  Oberwasser  vor  sich  her  und  staut  es
auf.  Nach  einem  gewissen  Zeitraum  flutet  es  wieder  seewärts  zurück.  Diese  im  Flutgebiet ­
  sich  bald  seewärts,  bald  landwärts  bewegende  Wassermasse  hat  jeden  Augenblick
eine  veränderte  Größe  und  veränderte  Geschwindigkeit.  Je  mehr  das  Eindringen  der
Flutwelle  in  den  Flußlauf  durch  Beseitigung  etwaiger  Hindernisse  an  der  Mündung  und
im  Flußbett  selbst  erleichtert  wird,  um  so  größer  wird  die  einströmende  Wassermasse
            
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