Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Korrektionen  im  Flutgebiet.

selben  sich  bewegenden  Flutwellen.  Die  Mittel  zur  Erreichung  dieses  Zieles  sind  im  allgemeinen ­
  ein  sich  von  der  Mündung  nach  oben  bis  zur  Flutgrenze  angemessen  verengendes,
von  allen  die  Bewegung  der  Flutwelle  abschwächenden  Hindernissen  befreites  Flußbett.
Solche  Hindernisse  sind  scharfe  Krümmungen,  Spaltungen  des  Flußlaufes  durch  Inseln  und
Sandbänke,  Unregelmäßigkeiten  in  den  Querschnitten  des  Flußbettes,  namentlich  auch  von
früheren  Regulierungen  herrührende  Einbauten,  wie  Buhnen.  In  scharfen  Krümmungen
wird  die  Flutwelle  zu  forttvährendem  Richtungswechsel  gezwungen,  und  dadurch  wird  ein
Teil  ihrer  lebendigen  Kraft  unnütz  verbraucht;  ferner  entstehen  in  Krümmungen  leicht
Unregelmäßigkeiten  im  Flußbett,  Vertiefungen  auf  der  konkaven,  Verlandungen  auf  der
konvexen  Seite  und  dadurch  Querschnittsverengungen.  Solche  scharfe  Krümmungen  müssen
durch  Ausführung  von  Durchstichen  abgeschnitten  werden,  kleine  Krümmungen  können
durch  Abgrabung  auf  der  konvexen  und  Ausbau  der  konkaven  Seite  verbessert  werden.
Noch  ungünstiger  als  Krümmungen  wirken  Spaltungen  durch  größere  Inseln.  Wie  ein
in  zwei  Arme  gespaltener  Fluß  in  diesen  einen  größeren  Widerstand  findet  als  im  ungeteilten ­
  Bett,  so  ist  dies  auch  bei  der  sich  durch  Arme  durchzwängenden  Flutwelle  der
Fall;  dazu  kommt  noch,  daß  sich  die  Flutwelle  in  den  beiden  Armen  nicht  mit  gleicher
Geschwindigkeit  bewegen  wird,  so  daß  am  Ende  der  die  Spaltung  herbeiführenden  Insel
die  Flutwelle  in  dem  einen  Arme  früher  ankommt  als  im  anderen  und  dadurch  ein
Teil  der  Welle  in  den  anderen  Arm  fließt  und  der  dort  sich  bewegenden  Welle  entgegenströmt; ­
  die  Folge  ist  natürlich  eine  bedeutende  Abschwächung  der  nach  oben  weiterströmenden ­
  Flutwelle.  Das  Mittel  zur  Beseitigung  einer  Spaltung  besteht  in  der  Abdämmung ­
  des  ungünstig  gelegenen  Armes.  Der  Sperrdamm  wird  am  oberen  Ende  des
abzuschließenden  Armes  hergestellt,  damit  ein  großer  Teil  desselben  als  Spülbecken  für
die  untere  Strecke  erhalten  bleibt;  ein  solches  Spülbecken  füllt  und  entleert  sich  in  jeder
Flutperiode,  und  dadurch  wird  eine  viele  Millionen  Kubikmeter  betragende  Wassermenge
über  die  unterhalb  des  Spülbeckens  gelegene  Strecke  des  Flntgebietes  hin  und  her  bewegt,
welche  an  der  Vertiefung  und  Reinhaltung  dieser  Strecke  mitarbeitet  Und  so  gleichzeitig
die  Flutentwickelung  oberhalb  fördert.  Kleinere  Arme,  die  als  Spülbecken  wertlos  sind,
werden  zweckmäßigerweise  zugeschüttet.  Es  wird  dadurch  einmal  der  Vorteil  erreicht,  daß
die  bei  der  Regulierung  künstlich  gewonnenen  Erbmassen  in  möglichster  Nähe,  also  billig
abgelagert  werden  können,  sodann  daß  der  Sperrdamm  leichter  gebaut  werden  kann,  als
wenn  er  —  bei  offen  gehaltenem  Arm  —  dem  Angriff  und  dem  Übersturz  des  Wassers
ausgesetzt  bliebe,  und  endlich,  daß  wertvolles,  ertragfähiges  Land  gewonnen  wird.  Mit
der  fortschreitenden  Abdämmung  des  Nebenarmes  wächst  die  Stromkraft  im  Hauptarm,
denselben  erweiternd  und  vertiefend.  Sollte  die  Sohle  des  Flußbettes  den  Angriffen
der  Stromkraft  zu  großen  Widerstand  entgegensetzen  oder  die  Erweiterung  des  Hauptarmes ­
  durch  die  Stromkraft  allein  zu  lange  dauern,  so  muß  durch  Baggerung  nachgeholfen ­
  werden.
Unter  einem  Bagger  versteht  man  eine  Vorrichtung,  um  von  der  Sohle  eines
Wasserlanfes  den  Boden  zu  entfernen.  Auf  die  verschiedenen  Formen  der  Bagger  wird
gelegentlich  zurückzukommen  sein.
Die  Thätigkeit  der  Bagger  hat  auch  vorteilhaft  einzutreten  bei  der  Beseitigung
etwaiger  das  Flußbett  auf  die  ganze  Breite  durchsetzender  Sandbänke,  sogenannterBarren,
die  bei  größeren  Flüssen  oft  in  der  Gegend  der  Flutgrenze,  bei  kleineren  mehr  vor  der
Mündung  vorkommen.  Nachdem  durch  Durchstiche  und  Abdämmungen  ein  einheitlicher
Flußschlauch  hergestellt  ist,  muß  der  durch  die  Strömung  entstehenden  Verlegung  des
tieferen  Niedrigwasserbettes  entgegengewirkt  werden.  Das  geschieht  durch  die  Anlage  von
Leitdämmen,  die  bis  zur  Höhe  des  Niedrigwasserbettes  reichen,  der  Raum  zwischen  diesen
Leitdämmen  und  dem  Hochwasserufer  kann  unter  Umständen  für  die  natürliche  Ablagerung
der  vom  Strom  bewegten  Sinkstoffe  frei  bleiben  oder  mit  Baggermaterial  bis  zur  Niedrigwasserhöhe ­
  angeschüttet  werden.  Die  Baggerungen  sind  bei  den  Korrektionen  im  Flußgebiete ­
  ein  unentbehrliches  Hilfsmittel,  da  der  Erfolg  bei  einer  nur  durch  Sperrdämme
und  Leitdämme  bewirkten  Korrektion  zu  lange  auf  sich  warten  ließe.  Auch  nach  gelungener
Regulierung  wird  die  Baggerung  nie  ganz  überflüssig  werden,  da  hohe  Sturmfluten  und
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