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Die Regulierung des Eiscruen Thores.
katarakts mit riesenhafter Arbeit ein Kanal in einer Länge von 3,2 km bis dahin ge
graben, wo der Katarakt aufhört. Noch weisen Inschriften auf die von den Römern
an dieser Flußstrecke vollbrachten Thaten hin. Die Jetztzeit, mit ihren machtvollen und
ausgebildeten technischen Hilfsmitteln hat sich daran gewagt, die hier von der Natur dem
Verkehr gesetzten Schranken zu beseitigen. Die Arbeit unserer Tage hat sich deshalb
nicht wie in der Römerzeit auf das eigentliche Eiserne Thor beschränkt, sondern man hat
sich kühn an die Felsbänke Kozla, Doste und an die Katarakte Isias und Tachtalia heran
gewagt, und in den beiden letzteren, 1800 m langen Felsriffen Kanäle eingearbeitet. Die
Haupthindernisse galt es bei der Grebenspitze aus dem Wege zu räumen. Der Greben
berg bildet unterhalb des Kataraktes Tachtalia eine Biegung gegen Osten und sprang hier
hoch und mächtig in das Donaubett vor. Vierhundert Meter von dem entgegengesetzten Ufer
versank sein steiler, keilförmiger Fuß in den Fluten, um sich unten im Strombett fort
zusetzen. Bei mittlerem Wasserslande zeigte sich in der Donau ein abgeplatteter Fels,
440. Mir Nigulirrnng drs Eisernen Thorrs: Uushrdung des Kanols.
Vrany genannt, der den Fluß auf 220 na einengte. Hier war im Laufe der Jahr
tausende ein verderbenbringender Strudel von 50 m Wassertiefe entstanden. Um die
Übelstände zu beseitigen, wurde die Grebennase durch Sprengung von 400 000 cbm Ge
stein abgeschnitten und unmittelbar hinter dem Bergrücken zur Einengung des Strombettes
ein 6203 in langer Steindamm gezogen. Unterhalb dieser Hemmnisse galt es eine die
Donau bei Orsova durchquerende Felsbank zu beseitigen. Die Schiffahrtshindernisse des
alsdann beginnenden eigentlichen Eisernen Thores bestehen in unzähligen, im Flußlauf
vorhandenen Klippen, über welche sich die Fluten hinwegstürzen. Durch diese außer
ordentlich gefährlichen Riffe konnten die Schiffe, von geübten Piloten gelenkt, nur dann
hindurch gelangen, wenn ein bestimmter Wasserstand vorhanden war. Diese Hemmnisse
konnten nur durch Einschneiden eines Kanals beseitigt werden, welchen die beigefügte
Abb. 440 in dem Herstellungsstadium zeigt. Einunddreiviertel Millionen Kubikmeter
Fels waren zu beseitigen, davon 700 000 cbm unter Wasser, zu welchem Zwecke be
sondere Maschinen ersonnen und erbaut werden mußten, eine Aufgabe, die von der
Braunschweiger Firma Luther glänzend gelöst wurde. Die Kosten dieses gewaltigen
Unternehmens belaufen sich bis jetzt auf 18 600 000 Gulden. Der Leiter der Arbeiten
war der Ingenieur Bela von Gonda. Bis jetzt sind die Arbeiten noch nicht zu einem
guten Ende geführt, und es wird auch weiterhin noch mancher Anstrengung bedürfen, bis