Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

438 
Flußkanalisierungen. 
Flußkanalisierungen. 
Neben den eigentlichen künstlich gegrabenen Kanälen, auf welche in einem besonderen 
Abschnitt näher eingegangen werden wird, gewinnen in neuerer Zeit die kanalisierten 
Flußläufe eine erhöhte Bedeutung. Zu diesem Mittel greift man dann, wenn eine 
Austiefung des Flußbettes infolge ungenügender Wassermenge nicht zu dem gewünschten 
Ziele führen würde, d. h. durch Regulierung eines Flusses sich dessen Schiffbarkeit nicht 
genügend verbessern läßt. Man staut deshalb durch Einbaue, meistens Wehre mit Durch 
lässen, das Wasser so hoch, wie erforderlich ist, an. 
Das Bedürfnis, die Fahrtiefe künstlich zu vergrößern, machte sich in Deutschland 
bereits im Mittelalter geltend, und um so stärker, als damals die Schiffahrt sich auf ganz 
kleine Flüsse erstreckte. Im allgemeinen verfuhr man hierbei in der Weise, daß man den 
Wasserspiegel durch bewegliche Stauwerke hob und den thalwärts gehenden Schiffen durch 
Freigeben des aufgestauten Wassers eine genügende Wassermenge mitgab. Eine derartige 
Schiffahrtsweise hat sich seit dem Mittelalter auf der Alster, einem bei Hamburg mün 
denden Nebenfluß der Elbe erhalten, während die ähnlichen Fahrten auf der Stecknitz 
(einem kleinen Nebenfluß der Elbe, der bei Lauenburg mündet) durch die Inangriffnahme 
des Trave-Elbekanals ihr Ende erreicht haben. 
Immer wieder muß von der Abneigung der Menschheit gegen jede Neuerung berichtet 
werden, und stets wiederholte sich dasselbe Schauspiel der Voreingenommenheit und der 
Furcht, durch Neuerungen schwer geschädigt zu lverden. So hatte auch die Einrichtung 
eines Schiffsverkehrs auf der Weser mit unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen, 
namentlich gelang es der Bremer Kaufmannschaft nur sehr schwer, die Menschenkraft beim 
Schiffsziehen durch Pferdekräfte zu ersetzen. Die Bauern behaupteten, daß die Pferde 
ihnen ihre Wiesen, Deiche und Felder ruinierten, und die großen Grundbesitzer machten 
Opposition, da sie glaubten, daß die Ausdehnung des Handels ihnen die Preise verderbe. 
Erst im Jahre 1824 wurde durch die Weserschiffahrtsakte der Pferdezug legalisiert. Die 
Beschaffenheit des Fahrwassers verursachte in früherer Zeit ernste Schwierigkeiten, zum Teil 
war der Flußlauf verwildert, zum Teil durch Felsblöcke gesperrt. Bei Hameln bot das für 
den Lachsfang eingerichtete Wehr der Schiffahrt große Gefahren. Es kam sehr häufig vor, 
daß hier bei dem Passieren des Wehres die Schiffe durchbrachen und alsdann die kostbare 
Ladung ins Wasser fiel. Endlich wurde im Jahre l 734 neben dem Hamelner Wehr eine 
Schleuse erbaut, nachdem seit dem Jahre 1648 die Erbauung einer solchen in Überlegung 
gezogen war. Bezeichnenderweise ist auf der zur Erinnerung an dieses Ereignis geschlagenen 
Denkmünze die Stadt Hameln mit der auf der Insel im Weserstrom erbauten Schleuse, 
wie auch mit der Fiehre oder dem Loch, in welchem ein herabstürzendes Fahrzeug durch 
die gewaltsame Flut verunglückt, dargestellt. Durch die Schleuse neben dem Wehr erhielt 
die Weser gleichsam den Charakter eines kanalisierten Flußlaufes. 
Zu den in neuester Zeit in Deutschland kanalisierten Flußläufen gehören die Mosel, 
die Fulda, der Main und neuerdings die Oder. Die kanalisierte Strecke des Mains 
von seiner Mündung bis Frankfurt a. M. wurde am 16. Oktober 1886 dem Verkehr 
übergeben. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt 2 in und ist ausreichend, um den auf 
dem Rhein verkehrenden Schiffen bis über 1000 t Tragfähigkeit die Fahrt bis Frankfurt 
zu ermöglichen. Der Mainverkehr hat sich seit Eröffnung der kanalisierten Flußstrecke 
ganz außerordentlich stark gehoben. Im Jahre 1897 ist zwischen Hessen und Preußen 
ein Vertrag über die Fortsetzung der Kanalisierung des Mains abgeschlossen worden, und 
die Hoffnung besteht, daß sich dieselbe allmählich immer weiter den Main hinauf erstrecken 
wird. — Im Jahre 1897 wurde nach jahrelanger mühevoller Arbeit der Großschiffahrts 
weg von Breslau seiner Bestimmung übergeben. Durch zweckmäßige Regulierungsarbeiten 
und kluge Ausnutzung der Wassermengen ist es gelungen, die Oder bis nahezu in das 
^Gebiet des industriereichen Montanbezirkes Oberschlesiens zu einem nützlichen Verkehrs 
wege umzugestalten. Von Kosel bis unterhalb Oppeln ist die Oder in einer Länge von 
V0 km kanalisiert. Die Überführung der Eisenbahngüter auf die Wasserstraße, d. h. der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.