Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Technik  der  Flußkanalisierung.

sogenannte  Umschlagsverkehr  findet  unterhalb  Kosel  statt,  woselbst  eine  im  Interesse  der
ersten  Eisengießerei  Preußens  unter  Friedrich  dem  Großen  erbaute  Wasserstraße  mündet.
Die  Fertigstellung  des  Umgehungskanals  bei  Breslau,  der  sogenannte  Großschiffahrtsweg,
bildete  den  Schlußstein  des  Werkes,  für  welches  21^  Millionen  Mark  bewilligt
waren.  —  Die  in  den  Jahren  1890—1899  ausgeführte  Kanalisierung  der  Fulda  hat
3  785  250  Mark  beansprucht.  Gegenwärtig  steht  das  Projekt  der  Kanalisierung  der  Weser
von  Bremen  bis  Hameln  auf  der  Tagesordnung.  Tie  Kosten  sind  zu  rund  62  >A>  Millionen
Mark  veranschlagt.
In  Böhmen  ist  zur  Zeit  die  Kanalisierung  der  Moldau  von  Prag  bis  Melnik  in  der  Ausführung ­
  begriffen.  Die  Schiffbarmachung  der  Moldau  ist  ein  seit  einem  langen  Zeitraum
auf  der  Tagesordnung  der  gesetzgebenden  Körperschaften  Böhmens  stehender  Gegenstand  gewesen, ­
  der  endlich  in  unseren  Tagen  der  Verwirklichung  entgegengeführt  wird.
Schon  in  den  Jahren  1578—1605  spielte  die  Regulierung  der  Moldau  von  Melnik
bis  Bndweis  eine  große  Rolle.  Die  Moldau  wurde  schon  in  den  Zeiten  des  Königs  Johann
von  Luxemburg  als  „königliche  Straße"  erklärt,  aus  welcher  durch  Majestälsbriefe  Kaiser
Karls  IV.  und  des  Königs  Ferdinand  1.  die  freie,  ungehinderte  Schiffahrt  strengstens  gewahrt
wurde.  Der  genannte  Kaiser  faßte  bereits  die  Verbindung  der  Moldau  mit  der  Donau  ins
Auge,  und  dieses  Unternehmen  wurde  thatsächlich  durch  das  mächtige  Geschlecht  der  Rosenberg
in  Angriff  genommen,  mußte  jedoch  infolge  der  Unzulänglichkeit  der  damaligen  Technik  wieder
aufgegeben  werden.  Zahlreich  waren  die  in  der  Zeit  von  1619—1634  auftauchenden  Projekte
der  Schiffbarmachung  der  Moldau;  trotzdem  die  ausgezeichnetsten  damaligen  Hydrotekten  eine
Lösung  anstrebten,  kam  die  Sache  nicht  weiter.  In  nnsereni  Jahrhundert  hemmte  die  Entstehung ­
  und  der  Aufschwung  der  Eisenbahnen  während  längerer  Zeit  die  Entwickelung  der
Wasserstraßen  in  Böhmen.  Erst  die  Erkenntnis  von  dem  großen  Werte  der  Wasserwege,  auch
bei  dem  Vorhandensein  von  Eisenbahnen  und  von  der  gegenseitigen  Ergänzung  dieser  beiden
Berkehrsvermittler  konnte  die  Frage  einem  endlichen  Schluß  entgegenführen.  Es  wird  voraussichtlich ­
  nicht  mehr  allzu  lange  dauern,  bis  auch  die  Stadt  des  heiligen  Nepomuk  mit  modernen
Hasenanlagen  ausgestattet  ist.
Über  die  Technik  der  Flußkanalisierung  ist  das  Folgende  anzuführen.
Bei  der  Kanalisierung  wird  der  Fluß,  wie  ein  Schiffahrtskanal,  in  Einzelstrecken,
Haltungen  genannt,  zerlegt  und  der  Wasserspiegel,  bis  die  geforderte  Fahrtiefe  erreicht
ist,  durch  Stauwerke  gehoben.  Im  allgemeinen  eignet  sich  demgemäß  nur  ein  Fluß  mit
hohen  Ufern  zur  Kanalisierung.  Die  Höhe  des  Aufstaus  der  einzelnen  Haltungen  und  die
örtliche  Lage  der  dazu  nötigen  Bauwerke  ist  so  zu  wählen,  daß  man  nur  das  unumgänglich ­
  Notwendige  an  den  Wasserverhältnissen  des  Flusses  ändert,  um  wirkliche  oder
vermeintliche  Benachteiligungen  der  Anwohner  und  etwa  daraus  entstehende  Entschädigungsansprüche ­
  thunlichst  von  vornherein  zu  vermeiden.  Vor  allem  muß  man  stets  darauf  bedacht ­
  sein,  die  Nebenflüsse  und  Entwässerungsgräben  im  Unterwasser  einmünden  zu  lassen,
denn  es  ist  nicht  zulässig,  die  zur  Entwässerung  nötige  Vorflut  zu  vermindern  oder  auch
nur  den  Grundwasserstand  so  zu  heben,  daß  ein  schädigender  Einfluß  sich  geltend  machen
kann.  Auch  sind  die  innerhalb  des  Stromgebietes  bestehenden  Mühlen  und  sonstigen
industriellen  Anlagen,  die  durch  Wasserkraft  betrieben  werden,  nicht  zu  vergessen.  Die
Bauwerke  dürfen  nicht  in  durchlässigem  Boden  liegen,  damit  das  aufgestaute  Wasser  nicht
seitlich  entweichen  kann.
Von  der  sich  aus  allen  diesen  Rücksichten  ergebenden  Lage  und  Höhe  des  Aufstaus
hängt  bei  dem  unabänderlich  gegebenen  Gefälle  des  Flusses  die  Länge  der  Haltungen
ab.  Auf  jeden  Fall  muß  aber  die  Entfernung  zweier  Bauwerke  so  bemessen  sein,  daß
mit  Sicherheit  die  geforderte  geringste  Fahrtiefe  hergestellt  werden  kann.  Im  allgemeinen
wird  man  im  Interesse  der  Schiffahrt  langen  Haltungen  und  dadurch  bedingten  großen
Stauhöhen  den  Vorzug  geben.
Sollten  sich  die  Anforderungen  der  Schiffahrt  mit  den  anderen  in  Frage  stehenden
Interessen  nicht  vereinigen  lassen,  so  muß  man,  wenn  möglich,  durch  Ankauf  oder
Entschädigung  die  hindernden  Einsprüche  zu  beseitigen  suchen,  vorausgesetzt,  daß  die
hierdurch  erzielten  Vorteile  den  Geldaufwand  wirtschaftlich  gerechtfertigt  erscheinen  lassen.
Oft  werden  auch  besondere  Einrichtungen  und  Bauwerke  begründeten  Beschwerden  Abhilfe
schaffen.  Hierzu  gehören  künstliche  Wasserhebewerke  oder  Seitenkanäle,  die  zu  tief  gelegene ­
  Ufer  nach  geeigneteren  Stellen  hin  entwässern.  Ebenso  zählen  hierher  die  Ein-
            
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