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Flußkanalisierungen.
Die Wiederaufrichtung des Wehres geschieht durch Heraufziehen der Böcke, Wieder
feststellen derselben und ver Bedienungsbrücke und Aufbringen der Nadeln. Letzteres
braucht nicht mit einem Mal zu geschehen, sondern man kann, um die Stauhöhe nicht
größer werden zu lassen, als unbedingt erforderlich ist, Öffnungen in der Wand frei
lassen, die bei fallendem Wasser allmählich geschlossen werden. Das Aufbringen der
Nadeln ist mit Schwierigkeiten verbunden und wegen der heftigen Gewalt des strömenden
Wassers nicht gefahrlos. Die Nadeln werden vorwärts in das Oberwasser gestoßen und
schlagen dann, von der Strömung ergriffen, um. Fassen sie dabei den Vorsprung der
Wehrkrone, so stehen sie fest. Da sie in den meisten Fällen nicht nahe genug bei einander
liegen, muß nachträglich ein dichterer Verschluß angestrebt werden. Man hat deshalb
den Querschnitt der Nadeln so geformt, daß sie sich selbstthätig aneinander pressen sollen,
oder künstliche Dichtungen aus Gummi oder Leder angewendet, aber beides nicht mit
zufriedenstellendem Erfolge. Man wendet auch hebelartige Werkzeuge an, die es trotz
des herrschenden bedeutenden Wasserdrucks ermöglichen, die Nadeln aneinander zu schieben.
Tie dann noch verbleibenden kleineren Öffnungen sind besonders zu dichten.
449. Wehrn,iluac brr Pretzien an der Elbe.
Die Undichtigkeit der Nadelwehre, die bei den wasserarmen französischen Flüssen
besonders ins Gewicht fällt, war bald Veranlassung, die Stauwand ans anderen Bestand
teilen zu bilden. Vielfach war auch die Stauhöhe so groß, daß man den Nadeln zu un
gefüge Abmessungen hätte geben müssen, wodurch ihre Handhabung beim Einsetzen und
Freigeben zu sehr erschwert gewesen wäre. Etwa 3 in Stauhöhe soll man mit Nadel
wehren nicht überschreiten. Man ersetzte deshalb die Nadeln durch Schützentafeln, die
durch eine auf der Bedienungsbrücke fahrbare Winde gehoben werden.
Einen besonders dichten Verschluß geben die Jalonsiewehre. Bei ihnen besteht
die Stauwand aus aufrollbaren, hölzernen oder eisernen Körpern, die in der Art der
Fensterrollläden hergestellt sind. Auch sie werden mittels fahrbarer Winden von der Be-
diennngsbrücke aus in die Höhe gezogen. Solche Jalousien werden auch zur Dichtung
von Nadelwehren benutzt, indein man sie noch über die Nadelwand legt. Hierdurch wird
eine große Dichtigkeit erzielt; die Einrichtung ist aber nur dort statthaft, woder Fluß nicht
plötzlich eintretende bedeutende Hochwasser führt, und wo keine starken Eisschollen oder
sonstige grobe Verunreinigungen die leicht zerbrechlichen Rollläden undicht machen oder
zerstören können.
Wenn die Ufer hoch genug sind, baut man auch wohl eine feste Bediennngsbrückc.
Diese kostet allerdings bedeutend mehr, man hat aber den Vorteil, das zeitraubende und
beschwerliche Niederlegen und Aufrichten der Brücke sich ersparen zu können. Wichtiger
noch ist, daß bei solcher Anordnung keine beweglichen Teile des Wehres unter Wasser
niedergelegt werden müssen, wo sie leicht versanden und verschlammen können. Auch sind