Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Fischwege  und  Fischtreppen.

Zur  vollständigeuAusstattung  einer  Stauanlage  gehören  noch  die  Einrichtungen,  die  den
Wanderfischen  den  Weg  vom  Unter-  ins  Oberwasser  und  umgekehrt  ermöglichen.  Eine
Anzahl  von  Fischarten  nämlich,  wie  Lachse  und  Forellen,  wandern  in  den  Sommer-  und
Herbstmvnaten  vom  Meere  aus  in  die  Gebirgsbäche,  um  dort'ihren  Laich  abzusetzen.  Andere,
wie  die  Aale,  ziehen  in  umgekehrter  Richtung.  Da  nun  jedes  einigermaßen  hohe  Stauwerk
die  Wanderung  unterbricht,  so  muß  man  stets  einen  Weg  für  die  Fische  darin  offen  halten.
Die  Anlage  und  Ausführung  der  Fischwege  richtet  sich  nach  den  Gewohnheiten  der  ihn
benutzenden  Fische,  weshalb  vorerst  auf  diese  eingegangen  werden  soll,  und  zwar  zunächst  auf
die  der  Lachse  und  Forellen.  Wenn  die  Laichzeit  naht,  sucht  der  im  Meere  lebende  Lachs
die  Flußmündungen  aus  und  wandert,  stets  der  stärksten  Strömung  folgend,  bergwärts.  Wird
sein  Vorwärtskommen  gehemmt,  so  sucht  er  das
Hindernis  zu  überspringen.  Kräftige  Lachse
können  ziemlich  bedeutende  Höhen  nehmen,
wegen  der  geschwächten  und  jungen  Fische  aber
soll  man  nicht  mit  mehr  als  0,4.  m  rechnen.
Gelingt  die  Überwindung  des  Hindernisses
nicht,  so  sammelt  der  Lachs  neue  Kräfte  und
sucht  dann  eine  günstigere  Stelle;  auch  hier-  462 -  Fischwrg.'s
bei  folgt  er  der  stärksten  Strömung.  Gelingt
es  ihm,  bis  in  die  klaren  Gebirgsflüsse  und  -Bäche  zu  kommen,  so  wird  dort  das  Laichgeschäft ­
  vollbracht.  Kann  der  Fisch  nicht  dahin  vordringen,  und  erfolgt  die  Absetzung  des
Laiches  in  unreinem  Wasser,  so  wird  dessen  Lebensfähigkeit  durch  den  sich  daraus  festsetzenden
Schlamm  erstickt.  Wird  der  Laich  an  günstiger  Stelle  abgesetzt,  so  schlüpfen  die  Fische  nach
einigen  Wochen  aus.  Sie  bleiben  ungefähr  die  nächsten  zwei  Jahre  in  den  Gebirgsgewässern,
dann  suchen  auch  sie  das  Meer  auf.  Nach  Erreichung  der  Laichrcife  begeben  sie  sich  ihrerseits
uns  die  Wanderung,  und  zwar  suchen  sie  meist  den  Geburtsflnß  wieder  auf.
Will  man  daher  die  Lachse  nicht  aus  einem  Flußgebiete  vertreiben,  so  muß  man  ihnen
das  Überwinden  der  Stauwerke  möglich  niachen.  Bei  Nadelwehren  versuchen  die  Fische  stets,
zwischen  den  Nadeln  hindurchzuschlüpfen,  wie  oft  beobachtet  worden  ist.  Man  kann  dort  sehr
einfach  einen  Fischwcg  verstellen,  wenn  man  einige  Nadeln  herausläßt,  so  daß  ein  bequemer
Durchschlupf  entsteht.  Mau  läßt  auch  wohl  eine  Anzahl  Nadeln  nicht  bis  zum  Boden  gehen,
sondern  sich  gegen  einen  Querbalken  in  geeigneter  Höhe  stützen.  Die  Öffnung  braucht  nicht
groß  zu  sein,  denn  der
Lachs  kann  gegen  ziemlich ­
  rasche  Strömung
schwimmen.  Diese  Anlagen ­
  bewähren  sich  gut,
da  sie  der  Fisch  wegen
des  durchgehenden  starken ­
  Stromes  leichtfindet.
Sie  brauchen  aber  mehr
Wasser,  als  in  den
meisten  Fällen  abkömmlich
  ist.
Für  andere  Hilfsmittel ­
  bieten  manche
Stromschnellen  die  Vorbilder ­
  ,  indem  sich  in
ihnen  sogenannte  Fischtreppen  bilden.  Das  Gesamtgefälle  ist  dort  von  Natur  in  einzelne
mäßig  hohe  Stufen  geteilt,  zwischen  denen  ruhigere  Becken  liegen.  Diesen  natürlichen  Fischtreppen ­
  sind  die  künstlichen  nachgebildet.  Die  Anlage  einer  solchen  ist  einfach,  wenn  das  Wehr
in  einem  Flusse  mit  starkem  Quergefälle  und  felsigem  Boden  liegt.  Dort  kann  man  leicht
durch  geringe  Einbauten  eine  Fischtreppe  schassen.  Man  hat  nur  darauf  zu  achten,  daß
während  der  Wanderzeit  stets  eine  lebhafte  Strömung  durch  dieselbe  geht.  Auch  dürfen  die
Stufen  die  zulässige  Höhe  nicht  überschreiten,  und  die  Becken  müssen  sür  die  Schwimmbewegung
  der  Fische  groß  genug  sein.
Als  Mindestmaß  sür  Lachse  kann  man  2,5  m  Länge,  1,8  m  Breite  und  0,7  m  Tiefe
betrachten.  Für  Forellen  genügen  die  halben  Maße.  Aus  diesen  Abmessungen  ergibt  sich  die
zulässige  Längsneigung;  bei  höheren  Stauen  empfiehlt  es  sich,  sie  etwas  zu  ermäßigen  und
größere  Ausruhebecken  anzubringen.
Bei  schrägen  Wehren  teilt  man  wohl  auch  das  Gefälle  durch  eingelegte  Hilfswehre,  welche
vorteilhaft  in  dem  nach  unten  sich  öffnenden  spitzen  Winkel  angebracht  werden;  sie  sind  aber
nur  bei  kleineren  Flüssen,  die  keinen  bösartigen  Charakter  tragen,  statthaft.

*)  Abb.  452  bis  459  nach  dem  „Centralblatt  der  Bauverwaltung".
IX  57

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