468 Schiffahrtskanäle.
eine Verbindung des Saresvati mit dem Jamuna hergestellt werden, dieser kühne Plan
kam jedoch nicht zur Durchführung. 50 000 Arbeiter waren in Thätigkeit, um einen
hohen Berg zu durchbrechen, aber wie in der Neuzeit beim Panama-Kanal, so mußten
damals die Arbeiten als nicht ausführbar eingestellt werden. Durch die Vollendung des
Werkes wären der Indus und Ganges, deren Mündungen 2850 km auseinander liegen,
für die Binnenschiffahrt in unmittelbare Verbindung gesetzt worden. Schah Baber und
Schah Jchan, dem vierten Nachfolger Ferozes, ist die Schaffung bedeutender Kanal
anlagen, darunter der berühmte Delhi-Kanal, zu danken.
In der Neuen Welt sollen seitens der alten indianischen Könige prächtige Kanäle
für die Städte Mexiko und Cusco angelegt worden sein.
Wie auf allen Gebieten, so trat auch auf dem des Kanalbaues nach dem Untergang
des Römerreiches in den betreffenden Ländern ein vollständiger Stillstand ein. Jahr
hunderte vergingen, ehe man z. B. in Deutschland von Unternehmungen dieser Art
wieder hörte. Karl dem Großen wurde bei seiner Anwesenheit in Regensburg die Aus
führung eines Kanals zwischen dem Rhein und der Donau unter Benutzung der Altmühl
und Rednitz nahegelegt. Man begann auch diese Arbeit, jedoch ließen neue kriegerische
Verwickelungen bald dieses Unternehmen zum Stillstand kommen. Niedersachsen, mit seinem
thatkräftigen Volksstamm weist die älteste Kanalanlage in Deutschland auf. Die Anregung
zur Erbauung des Stecknitzkanals ging von Lübeck aus und entsprang dem Wunsche
nach Herstellung einer von Sund und Belt unabhängigen Verbindung zwischen der Ost-
nnd Nordsee. Der Kanalbau wurde 1390 begonnen. Die sogenannte Stecknitzfahrt, die
infolge der Erbauung des Elbe-Trave-Kanals im Jahre 1896 ihr Ende erreichte, ging
aus der Trave die Stecknitz hinauf in den Möllnschen See und durch den Delvenau-
Graben nach der Elbe. Dieser Kanal bestand in fast unveränderter Weise bis in die
Jetztzeit. In den Jahren 1779—1789 ließ die hannöversche Regierung Austiefungs-
arbeitcn auf der Scheitelstrecke vornehmen. Während der Jahre 1811 und 1812 richtete
die französische Regierung ihre ganz besondere Aufmerksamkeit auf diese Kanalverbindung.
Der Kanal wurde zum Schlußglied in der großen Wasserverbindnng der Seine mit der
Ostsee, dem ,,0anal äs in Lsins ä la Baltique“ bestimmt, dessen Fertigstellung jedoch
infolge der bald eintretenden Umwälzungen unterblieb. Der Kanal war durch die erste
Anwendung der Stauschlensen in Deutschland besonders bemerkenswert.
Die Anwendung von Stauschleusen war für die Ausbildung des Kanalbauwesens
von besonderer Bedeutung, wurde doch in dieser Konstruktion zum erstenmal ein Mittel
geboten, Schiffe, ohne daß dieselben das Wasser zu verlassen brauchten, aus einer Kanal
haltung mit höher liegendem in eine solche mit tiefer liegendem Wasserspiegel zu bringen.
Die Konstruktion dieser Stauschleusen ist die folgende. Auf jeder Seitenwand befindet
sich ein Thürrahmen, der aus drei Ständern, zwei Querriegeln und einem Querbande
besteht. Der Thürrahmen bewegt sich in Angeln, unten legt sich derselbe gegen die Schwelle,
oben gegen einen Drehbalken, der gleichzeitig als Steg dient. Die Breite der Thürrahmen
ist nur so groß, daß zwischen denselben in geschlossener Lage eine Öffnung verbleibt, die
der halben Thürrahmenbreite gleich ist. In geschlossener Lage entstehen sonach fünf
gleich weite Öffnungen. Diese Öffnungen werden von dem Schleusenwärter durch Ein
setzen von Schüttbrettern geschlossen. Die Schleusung findet in der Weise statt, daß der
Schleusenwärter ein Schüttbrett nach dem anderen aus den Thürrahmen herauszieht und
alsdann die Thürrahmen zur Seite dreht. Das Schiff passiert mit oder gegen den Strom.
Nach seiner Durchfahrt wird die Schleuse wieder geschlossen.
Diese Vorrichtung ermöglichte einen Schleusenbetrieb, und dieser Umstand mußte den
großen durch dieselbe bedingten Wasserverbrauch als nebensächlich so lange erscheinen
lassen, bis an deren Stelle eine bessere Vorkehrung trat. Diese Verbesserung, die gewiß
an vielen Orten und von verschiedener Seite angestrebt wurde, bot die Kastenschleuse.
Bisher konnte nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden, wer diese Erfindung gemacht hat,
und wo dieselbe zuerst Verwendung fand. Simon Stevin, ein Holländer, führt in
seinem 1618 herausgegebenen mathematischen Werke die Kastenschleuse als eine ganz neue
Erfindung an. Er schrieb, daß er in Verbindung mit den Zimmermeistern Adrian Janßen