Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

478

Schiffahrtskanäle.

Von  den  Küstenkanälen  sind  zu  erwähnen:  der  Delaware-Raritankanal,  der  Chesapeake-Delawarekanal,
  der  Albemarle-  und  Chesapeakekanal.  Die  Konkurrenz  der  Eisenbahnen  hat
bewirkt,  daß  dieselben  in  den  Hintergrund  getreten  sind,  und  hierauf  ist  es  zurückzuführen,
daß  die  Einrichtungen  der  pennsylvanischcn  Kanäle  mangelhaft  sind.
Bon  den  südlichen  Kanälen  ist  das  großartigste  Unternehmen  der  Chesapeake-Ohiokanal.
  Der  Vollendung  dieses  kühnen  Unternehmens  haben  sich  bis  jetzt  unüberwindliche
Schwierigkeiten  in  den  Weg  gestellt.  Durch  den  Kanal  sollte  die  Chesapeakebucht  mit  dem
Ohio  bei  Pittsburg  verbunden  werden.  Die  fertiggestellte  Strecke  enthält  eine  im  Jahre  1876
in  Betrieb  genommene  schiefe  Ebene,  ans  welcher  die  Schiffe  in  Trogschleusen  bewegt  werden.
Das  durch  die  schiefe  Ebene  überwundene  Gesälle  beträgt  11,7  rn.
Die  Kanäle  des  Mississippibeckens,  der  Ohiokanal,  der  Miamikanäl,  der  Wabash-Eriekanal,
  der  Jllinois-Michigankanal,  haben  ebenfalls  von  ihrer  einstigen  großen  Bedeutung
viel  eingebüßt.  Während  die  Binnenkanäle  in  den  Vereinigten  Staaten  infolge  der  eigenartigen ­
  Verhältnisse  der  Eisenbahnkonknrrenz  nicht  die  Spitze  zu  bieten  vermögen,  halten  die
sonstigen  Wasserstraßen:  die  Küsten-  und  Seekanäle,  die  großen  Landseen  und  die  schiffbaren
Strome  in  dem  fast  übermächtigen,  mit  allen  erdenklichen  Mitteln  geführten  Konkurrenzkampf
erfolgreich  Stand.  Der  Mississippi-Michigankanal  schafft  eine  Verbindung  des  Mississippiund
  des  Michigansees,  und  zwar  unter  Mitbenutzung  des  Illinois-Michigankanals.  Dieser
letztere  Kanal  geht  von  Chicago  nach  dem  Jllinoisfluß,  in  welchen  er  bei  Hennepin  mündet.
Dieser  154  km  lange  Kanal  stellt  eine  Verbindung  mit  dem  unteren  Mississippi  her,  während
der  106  km  lange  Illinois-Mississippikanal  eine  solche  mit  dein  oberen  Flußlauf  bewirkt.
Auf  die  Kanalverbindung  mit  den  großen  amerikanischen  Seen  ist  bereits  auf  S.  410  (Abschnitt ­
  Wasserstraßen:  „Flußläufe  und  Flußschiffahrt")  kurz  hingewiesen  worden.
Bereits  im  vorigen  Jahrhundert  wurde  der  Versuch  gemacht,  die  Stromschnellen  bei
Sault  Saint  Mary  (zwischen  Oberen  und  Huron-See)  durch  einen  Umgehungskanal  mit
Schleuse  für  die  Schiffahrt  wirkungslos  zu  machen.  Diese  Schleuse  konnte  auf  die  Dauer  dem
sehr  stark  zunehmenden  Verkehr  nicht  genügen,  und  in  neuester  Zeit  ist  daher  hier  eine  mächtige
Schleusenanlage  entstanden.  Durch  diese  Schleuse  gingen:
1882  =  2029  000  t  Waren.
1892  =  11214000,,
Aber  auch  diese  Schleusenanlagen  erwiesen  sich  infolge  der  ganz  außerordentlichen  Vcrkehrscntwickelnng
  bereits  wenige  Jahre  nach  ihrer  Jnbenutzungnahme  als  nicht  ausreichend.  In  den
letzten  Jahren  sind  daher  noch  größere  und  leistungsfähigere  Schleusenwerke  erbaut  worden.
Durch  die  Eröffnung  der  neuen  Schleusen  ist  6  in  tiefgehenden  Schiffen  der  Verkehr  zwischen
dem  Oberen-  und  dem  Huronsee  ermöglicht  worden.  Die  Verbindung  zwischen  dem  Huronund
  Eriesee  bildet  der  Detroitfluß.  Zur  schiffbaren  Verbindung  des  Erie-  und  Ontariosees
wurde  1825—1827  der  Wcllandkanal  erbaut.
Von  den  kanadischen  Seen  führen  zwei  Schiffahrtswege  nach  dein  Atlantischen  Ozean,
der  Lorenzstrom  und  der  Eriekanal.  Der  Lorenzstrom  besitzt  einen  288  km  langen,  sehr
wechselvollen  Lauf.  Um  den  Flußlauf  überhaupt  der  Schiffahrt  voll  erschließen  zu  können,
mußten  Umgehungskanäle  hergestellt  werden.  Die  ersten  dieser  Kanäle  kamen  schon  1779
bis  1783  zur  Ausführung.  Sie  wurden  wiederholt  erweitert,  jedoch  erst  der  1821  —1825
erbaute  Lachinekanal  besaß  eine  für  längere  Zeit  genügende  Leistungsfähigkeit.  Die  fortgeschrittene ­
  Entwickelung  des  Wasscrverkehrs  in  unseren  Tagen  hat  neue  Kanalanlagen  erforderlich ­
  gemacht,  die  von  Kanada  unter  Aufwendung  von  100  Millionen  Mark  geschaffen
wurden.  Der  Eriekanal  genügt  trotz  wiederholter  Umbauten  nicht  und  liegt  gegenwärtig  still.
Ob  das  Riesenprojekt,  den  Eriekanal  auf  5,5  m  Wassertiefe  und  solche  Breite  zu  bringen,
daß  die  die  oberen  Seen  befahrenden  Schiffe  von  Dubuth,  Chicago  u.  s.  w.  direkt  bis  New  Uork
durchfahren  können,  dereinst  zur  Ausführung  kommen  wird  oder  nicht,  ist  iin  gegenwärtigen
Augenblick  nicht  mit  Bestimmtheit  zu  sagen.  Dieses  Projekt,  von  welchem  sich  New  Dort  so
manchen  Vorteil  verspricht,  steht  gegenwärtig  im  Mittelpunkt  der  Diskussion.
Wenn  auch  der  Entwässerungskanal  von  Chicago,  wie  der  Name  sagt,  in  der
Hauptsache  der  Entwässerung  der  genannten  Stadt  zu  dienen  bestimmt  ist,  so  soll  doch  dieses
gewaltige  Unternehmen  auch  Schiffahrtszweckcn  dienstbar  gemacht  werden.
Der  Chicagoer  Entwässerungskanal  ist  insofern  von  besonderem  Interesse,  als  bei  seiner
Ausführung  eine  große  Anzahl  bemerkenswerter  Baumaschinen  znm  Transport  von  Erde  und
Felsen  zum  erstenmal  zur  Anwendung  kamen.  Wenn  diese  Maschinen  auch  keine  größeren
Leistungen  ermöglicht  haben,  als  sie  mit  den  zur  Zeit  in  Deutschland  gebräuchlichen  Arbcitsmaschinen
  erzielt  werden,  so  weisen  sie  doch  durch  ihre  Anpassung  an  die  anierikanischcn  Verhältnisse ­
  besondere  Konstruktionen  auf,  die  volle  Beachtung  verdienen.  Die  Abb.  480  bis  482
zeigen  einige  der  in  erster  Linie  zu  nennenden  Konstruktionen.  Abb.  480  stellt  ein  Brownsches
Hebezeug,  Abb.  481  einen  Riesenkran  und  Abb.  482  eine  Seilbahn  dar.
Kehren  wir  in  unserer  Betrachtung  wieder  nach  Europa  zurück,  so  dürften,  bevor
auf  die  Gestattung  des  Kanalbauwesens  dieses  Erdteils  in  der  neuesten  Zeit  eingegangen
wird,  noch  kurz  die  entsprechenden  Leistungen  in  Frankreich  und  Deutschland  am  Ende
des  18.  und  zum  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  zu  berühren  sein.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.