Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Kaiser  Wilhelm-Kanal.

auch  die  stete  Vergrößerung  der  Seeschiffe  ließen  allmählich  immer  stärker  das  Bedürfnis
nach  einem  leistungsfähigeren  Wasserweg  hervortreten.  Abermals  vergingen  Jahrzehnte,
bis  sich  diese  Idee  verwirklichte.  Die  Einzelheiten  dieses  Entwickelungsprozeffes  können
hier  nur  kurz  angedeutet  werden.
Die  beiden  Christensen  arbeiteten  Anfang  der  40erJahre  ein  Prosekt  aus,  Hansen
plante  1860  den  Kanal  St.  Margarethen-Jtzehoe-Oldensloe-Lübeck.  Im  Jahre  1864
beauftragte  die  Preußische  Regierung  den  Geheimen  Oberbanrat  Lentze  mit  der  Ausarbeitung ­
  eines  Kanalprojektes,  und  zwar  sollte  der  Kanal  für  Handels-  und  Kriegsschiffe
passierbar  sein.  Lentze  brachte  die  Linie  Brunsbüttel-Eckernförde  in  Vorschlag.  Von
militärischer  Seite  wurde  die  Ausmündung  des  Kanals  bei  Eckernförde  im  Hinblick  auf
den  geplanten  Kriegshafen  in  der  Kieler  Bucht  als  ein  großer  Nachteil  des  Projektes
betrachtet.  Wiederum  hatte  die  Frage  eines  Nord-Ostseekanals  ein  sehr  wechselvolles
Schicksal,  das  sowohl  durch  die  politischen  wie  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  stark  beeinflußt ­
  wurde.  Die  ablehnende  Haltung  Moltkes,  welcher  der  Ansicht  war,  daß  die
großen  Kosten  eines  durch  Kriegsschiffe  passierbaren  Kanals  nicht  mit  dessen  Nutzen  im
richtigen  Verhältnis  ständen,  trug  manches  zu  dem  Stocken  dieser  Angelegenheit  bei.  Dem
Hamburger  Kaufmann  und  Schiffsreeder  H.  Dahlström  gebührt  das  Verdienst,  durch
seine  rastlose  Thätigkeit  die  endliche  Ausführung  des  Unternehmens  wesentlich  gefördert
zu  haben.  Derselbe  trat  für  einen  Kanal  auf  Meereshöhe,  mit  den  Endpunkten  Brunsbüttel ­
  und  Holtenau  ein.  Die  Vorarbeiten  wurden  von  dem  Regierungsbaumeister  Boden
ausgeführt.  Nicht  nur  günstigen  politischen  und  wirtschaftlichen  Verhältnissen,  sondern  auch
den  in  der  Zwischenzeit  in  Deutschland  gemachten  Fortschritten  auf  technischem  Gebiet,  insbesondere ­
  der  weitgehenden  Ausbildung  in  der  Betriebsweise  und  in  der  Ausführung
großer  Erdarbeiten  ist  es  zuzuschreiben,  daß  endlich  das  Projekt  des  Nord-Ostseekanals
sich  seiner  Verwirklichung  näherte.  Um  diese  Vervollkommnung  richtig  zu  würdigen,  möge
darauf  hingewiesen  werden,  daß,  während  die  Kosten  der  Erdbewegung  bei  großen  deutschen
Bauausführungen  am  Anfange  der  70er  Jahre  noch  bis  zu  2  Mark  pro  Kubikmeter  betrugen, ­
  sich  die  Kosten  der  Erd-  und  Baggerarbeiten  im  Kaiser  Wilhelm-Kanal  im  Durchschnitt ­
  auf  90  Pfennig  pro  Kubikmeter  beliefen.  Am  16.  März  1886  wurde  das  Gesetz
betreffend  die  Herstellung  des  Nord-Ostseekanals  verkündet.  Der  Kostenanschlag  schloß
mit  156  000  000  Mark  ab.  Am  3.  Juni  1887  fand  die  feierliche  Grundsteinlegung  in
Holtenau  statt.  Die  Ausführung  erfolgte  in  der  Zeit  von  1887—1895.  Der  Kanal  ist
als  eine  Schöpfung  des  verstorbenen  Wirklichen  Geheimen  Baurat  Baensch  und  des  Ober-Regierungs-
  und  Baurats  Fülscher  auf  Grundlage  des  Boden-Dahlströmschen  Projekts
zu  betrachten.  Die  feierliche  Eröffnung  fand  iiz  Gegenwart  des  Kaisers  Wilhelm  II.,
einer  großen  Anzahl  deutscher  Fürsten,  der  Vertreter  der  Hansestädte  und  zahlreicher
fremder  Fürstlichkeiten  am  20.  und  21.  Juni  1895  statt.
Die  in  dem  Boden-Dahlströmschen  Entwurf  bearbeitete  Linie  konnte  im  wesentlichen
beibehalten  werden.  Nur  an  zwei  Strecken  ergab  sich  bei  der  genaueren  Untersuchung
und  Bearbeitung  die  Notwendigkeit,  aus  technischen  Gründen,  deren  Darlegung  hier  zu
weit  führen  würde,  von  dieser  Linie  abzuweichen.
Zwischen  St.  Margarethen  und  Brunsbüttelhafen  liegt  das  11  bis  13  m  tiefe  Fahrwasser ­
  der  Elbe  hart  am  rechten  Ufer,  und  es  dehnt  sich  dort  eine  Reede  von  8  km  Länge,
1,5  km  Breite  und  11  m  Tiefe  an  dem  Ufer  aus;  hier,  1  km  oberhalb  Brunsbüttelhafen,  geht
der  Kanal  unter  spitzem  Winkel,  der  eine  bequeme  Ansegelung  gestattet,  von  der  Elbe  ab,
zieht  sich  durch  die  niedrig  gelegene  fruchtbare  Elbmarsch  und  das  Moorgcbiet  der  vielfach
unter  dem  Meeresspiegel  gelegenen  Kudenseer  Niederung,  an  deren  Rand  sich  die  Geest,  die
frühere  Düne,  mit  dem  malerischen  Flecken  Burg  gebirgartig  erhebt,  in  nordwestlicher,  zuletzt
genau  nördlicher  Richtung  in  allmählich  ansteigendem  Gelände  bis  nach  Grüncnthal,  wo  die
Wasserscheide  zwischen  Elbe  und  Eider  durch  einen  30  m  tiefen  Einschnitt  durchbrochen  wird.
Jenseit  der  Wasserscheide  tritt  der  Kanal  in  das  Gebiet  der  Gieselan  ein,  erreicht  bei  40  km
die  Niederung  der  Eider,  durchschneidet  auf  3  km  Länge  das  jeder  Kultur  entbehrende  Reitmoor ­
  und  den  1  km  langen  und  ebenso  breiten  Mcckelsee  und  tritt  bei  Schülp  unmittelbar
an  die  Untereider  heran,  durch  einen  hohen  Deich  gegen  deren  Hochwasser  geschützt.  Bald  darauf
verläßt  der  Kanal  das  Thal  der  Eider,  geht  an  Rendsburg  in  1  km  Entfernung  südlich
vorüber,  tritt  alsdann  in  die  zusammen  6  km  langen  Obereidcrseen  —  Audorfer-,  Eiderund ­
  Schirnauersee  —  ein  und  verfolgt  nach  Austritt  aus  denselben  den  Lauf  des  früheren
Eiderkanals,  dessen  scharfe  Krümmungen  abschneidend,  und  mündet  bei  Holtenau,  an  der
            
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