Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Kaiser  Wilhelm-Kanal.

Aus  der  Tabelle  geht  hervor,  daß  der  Kanal  für  alle  diejenigen  Häfen  am  meisten
Vorteil  bietet,  welche  südlich  vom  Kanal  liegen,  und  daß  für  Hamburg  die  Abkürzung
und  damit  der  Zeitgewinn  für  die  Fahrt  nach  der  Ostsee  am  größten  ist.  Hamburg  hat
seine  günstige  Lage  rechtzeitig  erkannt,  eine  ganze  Anzahl  direkter  Linien  nach  den  Ostseehäfen ­
  eingerichtet  und  dadurch  seinem  gesamten  Seeverkehr  mit  den  Ostseehäfen  einen  gewaltigen ­
  Aufschwung  verschafft.
Die  Zeitersparnis  der  Segelschiffe  ist  natürlich  von  der  Witterung  abhängig  und
kann  sich  auf  Wochen  belaufen.
Die  Ersparnisse,  welche  der  Schiffahrt  bei  der  Fahrt  durch  den  Kanal  erwachsen,  setzen
sich  zusammen  aus  der  Ersparnis  an  Frachtkosten  für  die  kürzere  Fahrtdauer,  aus  der  Verminderung ­
  der  Versicherungsgebühr  wegen  des  weniger  gefahrvollen  Weges  und  ans  dem
Fortfall  der  Gelder,  welche  namentlich  im  Winter  durch  das  häufig  notwendig  werdende
Anlaufen  eines  Nothafens  im  Kattegat  und  Skagerrak  zu  entrichteu  waren.
Die  Tageskosten  für  Dampf-  und  Segelschiffe  in  Fahrt  werden  wie  in  nachstehender
Tabelle  zusammengestellt,  angegeben:

Tageskosten

Größe  der  Schiffe
Registertonnen

für  Dari
für  das  Schiff
M.

apffchiffe
für  die
Registertonne
Pf.

für  Sex
für  das  Schiff
M.

elfchiffe
für  die
Registertonne
Pf.

200—300

30-35

13

300—400

—

—

35—42

11

400—500

—

—

42—48

10

500—600

225

41

48—54

9

600—700

240

37

54—60

9,6

700—800

295

39

60—68

9

800—900

320

38

68—80

9

900—1000

350

37

80—90

9

Welche  Gefahren  den  Schiffen  auf  der  Fahrt  um  das  Kap  Skagen  trotz  verbesserter
Seekarten,  Betonnung  und  Beleuchtung  drohen,  mag  daraus  hervorgehen,  darnach
neueren  zuverlässigen  Aufstellungen  an  Kap  Skagen  jährlich  500  Menschenleben,  100  Schiffe
und  Werte  im  Betrage  von  10  000  000  Mark  verloren  gehen.
Ganz  ohne  Gefahren  hat  sich  die  Fahrt  durch  den  Kaiser  Wilhelm-Kanal  bis  jetzt
allerdings  auch  nicht  erwiesen;  innerhalb  l s / 4  Jahre  haben  224  leichte  und  18  schwere
Unfälle  stattgefunden.  Die  Hebung  des  bei  einem  Zusammenstoß  gesunkenen  dänischen
Dampfers  „Johann  Siem"  hat  allein  68  000  Mark  gekostet.  Die  Versicherungsgesellschaften ­
  sind  deshalb  auch  in  der  ersten  Zeit  nach  der  Eröffnung  des  Kanals  mit  den
Prämien  nicht  herabgegangen.
Der  Ertragsberechnung  wurde  eine  jährliche  Zahl  von  18000  den  Kanal  passierenden ­
  Schiffen  mit  etwa  5  500  000  Registertonnen  zu  Grunde  gelegt  und  daraus  bei
einer  durchschnittlichen  Kanalabgabe  von  75  Pfennig  für  die  Registertonne  eine  Einnahme ­
  von  4125  000  Mark  berechnet,  wodurch  sich  nach  Abzug  der  jährlichen  Unterhaltungskosten ­
  im  Betrage  von  1000  000  Mark  eine  Verzinsung  zu  4  °/ 0  für  die
55  Millionen  Mark  ergeben,  welche  von  den  Gesamtbaukosten  von  156  000000  Mark
übrig  bleiben,  wenn  man  die  Aufwendungen  im  Interesse  der  Kriegsstottc  im  Betrag  von
51000000  Mark  und  den  von  Preußen  bezahlten  besonderen  Beitrag  von  50000000  Mark
in  Abzug  bringt.  Diese  Erwartungen  haben  sich  bei  weitem  nicht  erfüllt,  obgleich  die
Abgaben  nicht  zu  75  Pfennig  für  die  Registertonne,  sondern  für  die  ersten  600  Registertonnen ­
  netto  zu  60  Pfennig,  für  die  überschießenden  zu  40  Pfennig  festgesetzt  wurden.
Während  des  Winterhalbjahrs,  1.  Oktober  bis  31.  März,  trat  eine  Erhöhung  um  25%
obiger  Sätze  ein.  Der  Verkehr  im  ersten  Betriebsjahre  nach  der  Eröffnung,  I.Juli  1895.
bis  30.  Juni  1896,  war
7531  Dampfschiffe  mit  zusammen  1140  578  Registertonnen
9303  Segelschiffe  „  „  365  405
zus.  16834  Schiffe

1505  983  Registertonnen.
            
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