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Seehäfen.
Von frühen Zeiten an hat sich das Meer trotz seiner enormen Ausdehnung als ein
hervorragendes Mittel zur Verbindung der durch dasselbe getrennten Länder erwiesen.
Allerdings galt es, die Furcht vor seiner Unermeßlichkeit zu überwinden und Hilfsmittel
zu ersinnen, um sich auf dem Ozean zurechtfinden zu können. Solange beides nicht der Fall
war, hielten sich die Schiffer ängstlich an den Ufern, und die Seeschiffahrt war weiter nichts
als eine Küstenschiffahrt, allein auch diese besaß schon für den Handel eine außerordentliche
Bedeutung. Die Forschung hat mit Sicherheit nachgewiesen, daß die Menschheit bereits
seit mehr als 5000 Jahren Seeschiffahrt treibt. Babylonier, Ägypter und Phönizier
sind die ältesten bekannten Völker, deren Schiffe sich auf das Meer hinauswagten. Ihnen
folgten die Griechen und später die Römer, wie überhaupt alle an dem Meeresgestade
wohnenden Völker ihre günstige natürliche Lage auszunutzen suchten.
Unbedeutend wie die ersten Seeschiffe, waren die Vorbereitungen, welche am Lande
getroffen wurden, um die Schiffe zu beladen und zu löschen. Diese Vorkehrungen dürften
im Anfange des Seehandelsverkehrs kaum über jene Anlagen hinausgegangen sein, die
heute für Schifferboote beansprucht werden. Der Abstand zwischen jenen ersten primitiven
Schöpfungen und den gewaltigen, imposanten, modernen Hafenanlagen der großen See
städte New Jork, London, Hamburg, Liverpool und wie sie alle heißen, ist ein gewaltiger.
Wir wissen bisher wenig von den Hafenanlagen der Ägypter und Chinesen, auch
über derartige Bauten der Babylonier gibt die Geschichte nur spärliche Kunde. Nebu-
kadnezar ließ an der Mündung der mesopotamischeu Ströme Teredon anlegen; welche
Bauten hier jedoch zur Ausführung kamen, ist noch nicht ermittelt. Das größte Handels
volk des Altertums, die Phönizier sind es, von deren ausgedehnten Hafenbautcn zu
Tyrus, Sidon, zu Aradus und den durch phönizische Kolonisten geschaffenen mächtigen
Hafenanlagen zu Karthago uns die Geschichte berichtet. Heute sind alle diese einst so
glänzenden Schöpfungen, zum Teil durch die Natur, zu einem noch größeren Teil jedoch
durch die vernichtende Macht der Menschen selbst, nur Trümmerhaufen, und nur spärliche
Reste geben Zeugnis von der einstigen Herrlichkeit. Tyrus erlag dem Anstürmen eines
Alexander. Sidon, dessen größte Blüte vom 16. bis 11. Jahrhundert v. Chr. fiel, ver
schwand während der Kreuzzüge fast ganz vom Erdboden. Aus letzterer Zeit stammt wahr-