Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Anlage  der  Ufermauern.
In  den  neuen  Hafenanlagen  Bremens  ist  in  der  Ufermauer  ein  begehbarer,  mit
Gleis  versehener  mannshoher  Gang  angelegt  zur  Unterbringung  der  Leitungen
für  Druckwasser  und  für  Elektrizität.  Zum  Schutze  der  Schiffe  sowohl  wie  der
Mauern  selbst  gegen  Beschädigungen  beim  Anlegen  werden  an  der  Wasserseite
kräftige  Rundhölzer,  sogenannte  Prellpfähle  oder  Reibhölzer,  in  senkrechter
Richtung  befestigt,  welche  die  unmittelbare  Berührung  zwischen  Schiff  und  Mauer
verhindern  und  etwaige  zu  starke  Stöße  durch  ihre  Elastizität  mildern  sollen.
Um  die  Schiffe  während  des  Liegens  an  der  Mauer  festlegen  zu  können,
werden  an  den  Mauern  in  verschiedener  Höhe  starke  Schiffsringe  eingelassen,
und  oben  auf  dem  Ufer  in  einiger  Entfernung  vom  Manerrand  werden  Haltepfähle, ­
  Poller  genannt,  in  neuerer  Zeit  meist  aus  Gußeisen,  aufgestellt,  an
welchen  die  Schiffe  durch  Taue  oder  Ketten  festgemacht  werden.  Um  gegen
Zug  der  Schiffe  genügend  Widerstand  leisten  zu  können,  müssen  diese  Poller
einen  starken  Mauerklvtz  eingesetzt  werden.  Ähnlich  den  Pollern  sind
Gangspills  oder  Capstans,  das  sind  stehende  Winden,  welche  an  einzelnen ­
  Stellen,  namentlich  auch  an  den  Hafeneinfahrten,  aufgestellt
werden,  um  die  schweren  Schiffe  heranzuholen.  Um  diese  stehenden
Winden  wird  ein  Tau  des  Schiffes  herumgeschlungen  und  durch
Drehen  der  Winde  durch  Menschenkraft,  Dampf  oder  Druckwasser  oder
durch  Elektrizität  das  Schiff  herangeholt.
Da  wo  die  Schiffe  nicht  an  festen  Ufern,  an  Ringen  oder  Pollern
festgemacht  werden  können,  müssen  dieselben  entweder  ankern  wie  auf
der  Reede  oder  an  schwimmenden  eisernen  Tonnen,  sogenannten
Ankerbojen,  öder  an  sogenannten  Dückdalben*)  befestigt  werden.
Die  Ankerbojen  sind  große  eiserne  Tonnen,  die  wie  die  Bojen  zur
Bezeichnung  des  Fahrwassers  durch  Anker,  schwere  Steine  oder  durch
eiserne  Schrauben  im  Grund  festgehalten  werden.  Die  Duc'dalben
oder  Dalben  sind  Bündel  von  eingerammten,  fest  miteinander  verbundenen ­
  Pfählen  von  Holz  oder  Eisen,  an  denen  die  Schiffe  so  festgelegt ­
  werden,  daß  sie  ihre  Lage  nicht  ändern  können;  gegenüber  den
Bojen,  um  welche  die  Schiffe  schwoien,  bieten  die  Dalben  daher  den
Vorteil,  daß  die  Schiffe  unmittelbar  nebeneinander  festgelegt  werden
können,  so  daß  auf  dem  Raume,  den  ein  an  einer  Boje  festgelegtes
Schiff  zum  Schwoien  beansprucht,  mindestens  zwanzig  gleich  große
Schiffe  untergebracht  werden  können.  Je  nach  der  Größe  der  Schiffe
bestehen  diese  Pfahlbündel  aus  drei  bis  dreizehn  Pfählen,  welche  um
einen  mittleren  höheren  Pfahl,  den  Königspfahl,  gruppiert  und  fest
niiteinander  verbunden  sind,  um  neben  großer  Elastizität  auch  kräftigen
Widerstand  gegen  den  Zug  und  die  Stöße  der  Schiffe  leisten  zu
können.  In  dem  schon  erwähnten  Hamburger  Segelschiffhafen
(Abb.  511  resp.  526)  sind  zwei  Reihen  je  dreizehnpfähliger  Dückdalben
angeordnet,  an  denen  die  in  der  Mitte  des  Hafens  liegenden,  in
Leichter,  Oberländerkähne  u.  s.  w.  verladenden  Segelschiffe  festgelegt  werden.
Die  Leistungsfähigkeit  eines  Hafens  hängt  nicht  allein  von  der  Größe  der
vorhandenen  Wasserfläche  und  der  Länge  des  zum  Anlegen  benutzbaren  Ufers  ab,
sondern  beruht  wesentlich  auch  auf  der  zweckmäßigen  Ausstattung  des  Hafens
mit  Gleisen,  Schuppen  und  Speichern  und  namentlich  mit  Kränen  zum
raschen  Ent-  und  Beladen  der  Fahrzeuge.  Während  früher  die  Speicher  unmittelbar ­
  an  die  Ufermauern  gesetzt  wurden,  hat  man  es  an  den  neuen  Hafenanlagen ­
  in  Bremen  und  Hamburg  vorgezogen,  die  Speicher  vom  Ufer  abzurücken, ­
  weil  nur  ein  kleiner  Teil  der  Waren  vom  Schiff  unmittelbar  in  die
*)  Die  Bezeichnung  Dückdalbe  hat  mit  dem  Herzog  von  Alba  nichts  zu  schaffen,
sondern  leitet  sich  her  von  llicdallen,  die  heißt  Deich  und  dallsn  Pfähle,  also  Deichpfähle, ­
  Pfähle,  die  am  Deich  stehen.

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