Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

560 Schiffahrtszeichen. 
durch die gänzliche Beseitigung des Turmes, auch bei Tag des wichtigen Orientierungs 
mittels zu berauben. 
Der erste eiserne Leuchtturm wurde im Jahre 1821 von Robert Stevenson ge 
baut. Die eisernen Leuchttürme werden aus einzelnen, aus Röhren bestehenden Pfeilern 
oder als ein Gerüst aus Schmiede- oder Gußeisen, das meist, aber nicht immer mit 
einem Blechmantel verkleidet ist, hergestellt, oder auch aus einzelnen miteinander ver 
schraubten und vernieteten Platten, die durch Winkeleisen ausgesteift sind. Gußeiserne 
Leuchttürme rosten weniger als schmiedeiserne und verlangen daher seltener einen neuen 
Anstrich; mit Vorliebe werden gußeiserne Leuchttürme von Holland in seinen Kolonien 
aufgestellt. Eiserne Leuchttürme, die nicht auf dem Lande, sondern im Meere selbst auf 
dem sandigen Grund errichtet werden müssen, werden auf in den Grund eingeschraubten 
eisernen Pfählen gebaut, wie z. B. der Leuchtturm von Walde nördlich von Calais. 
Ist eine Vertiefung des Grundes in der Nähe des Leuchtturmes zu befürchten, dann muß 
wie beim Rothesand-Leuchtturm durch die Druckluftgründung ein massiver Unterbau an 
Stelle der einzelnen Schraubenpfähle geschaffen werden. 
Wie beim Brückenbau, so tritt in neuerer Zeit auch beim Bau der Leuchttürme der 
Beton mit Eisen und Stein erfolgreich in Wettbewerb. Der im Jahre 1895 12 lein 
südwestlich von der Hafenstadt Sfax an der Ostküste von Tunis erbaute Leuchtturm von 
Raz-Tina ist einschließlich der Treppen ganz aus Beton hergestellt worden. Der Mangel 
an Steinen und das Vorhandensein von Sand führten zur Verwendung von Beton. Mit 
dem Bau des 44 in hohen Turmes wurde am 14. Dezember 1894 begonnen, in einzelnen 
Ringen von 1 m Höhe wurde der Turm aufgeführt, am 14. April 1895, in der kurzen 
Bauzeit von vier Monaten war der Turm ohne jeden Unfall vollendet, und bereits am 
1. Juli konnte das Feuer angezündet werden. 
Massive Leuchttürme werden rund, viereckig und achteckig ausgeführt. Für der 
Brandung ausgesetzte Türme wird stets die runde Form gewählt, und diese ist auch für 
Türme von großer Höhe angezeigt, weil die runde Form dem Winde weniger Angriff 
bietet. Trotzdem geraten bei großen Stürmen auch ganz solide gebaute Türme an der 
Spitze in beträchtliche Schwankungen infolge der Elastizität des Mörtels; auf dem Leucht 
turm zu Gr.-Horst erreichten bei dem bekannten Sturm vom 12. u. 13. November 1872 
die Schwankungen einen solchen Grad, daß der Drehapparat zeitweilig stillgestanden 
und dann wieder eine schnellere Bewegung angenommen hat. 
Außer der Laterne auf der Spitze zur Aufnahme der Lampen müssen die Leucht 
türme Räume für den Aufenthalt der Wärter, Vorratsräume für Materialien, und 
einzelstehende Leuchttürme Zisternen zur Aufspeicherung von Trinkwasser enthalten. 
Wo es möglich ist, legt man für die Wohnungen der Leuchtturmwächter gern besondere 
Gebäude an, um es diesen unmöglich zu machen, die Wachtstube mit der Wohnstube zu 
vertauschen, und um die Lampen vor dem Staub der Wohnungen zu schützen. Ist aber die 
Ablösung der Wärter nur in längeren Zeiträumen möglich, wie z. B. bei dem Leucht 
turm auf der einsamen, nur für den eisernen Turm Raum bietenden Klippe von Bogskär 
in Finnland, die im Winter des Eises halber während sechs Monaten für jedes Fahr 
zeug unzugänglich ist, so muß der Leuchtturm selbst gute Unterkunftsräume für die aus 
bis zu sechs Köpfen bestehende Wachtmannschaft bieten. Sollen von einem Leuchtturm 
ans auch hörbare Zeichen durch Nebelhörner gegeben werden, so müssen noch Räume 
zur Aufstellung der Maschinen zum Betrieb der Nebelhörner und, wo elektrische Beleuchtung 
in Anwendung kommen soll, Räume für die Maschinen zur Erzeugung des Stromes 
vorgesehen werden, wenn dieser nicht etwa von einer Zentralstation auf dem Lande dem 
Turm zugeleitet werden kann. 
Die Höhe eines Leuchtturmes ist abhängig von der Entfernung, auf welche sein 
Licht wahrgenommen werden soll, und von der Höhenlage seines Standortes über dem 
Wasserspiegel. Jedenfalls muß aber ein Turm so hoch sein, daß die Fenster der Laterne 
nicht durch die vom Wind fortgetragenen Sandkörner und kleinen Steine beschädigt 
werden; die 17 in über dem Boden befindliche Laterne des Leuchtturmes von Fecamp 
ist schon mehrfach durch von Windstößen gegen ihn geschleuderte Steine erreicht und
	        
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