Hörstgiiale. Zeitbälle. 569
Am meisten hörbar sind die mit der Sirene der Gebrüder A. und F. Brown in
New Jork gegebenen Zeichen. Das Schallrohr der Sirene ist nach Form und Größe
dem Nebelhorn ähnlich, statt der Zunge besitzt dasselbe aber 2 durchbrochene Scheiben,
von denen die eine fest ist und die andere mit großer Geschwindigkeit — 15 bis 40 Um
drehungen in der Sekunde — gedreht wird. Der gegen die Scheiben gepreßte Luftstrom
wird dadurch 800 — 500 mal in der Sekunde unterbrochen, und es entsteht hierbei ein
Ton, dessen Hörweite im günstigsten Fall 18 kein beträgt; mit voller Sicherheit kann in
des nur auf 5 km gerechnet werden. Die Sirenen können mit Dampf oder mit Heiß
luftmaschinen betrieben werden, was deren Einführung auf hochgelegenen Punkten, an
denen Wasser schwierig zu beschaffen ist, sehr erleichtert hat. An der deutschen Ostsee
küste sind bei Bülk in der Kieler Bucht, bei Arkona auf Rügen und bei Bischöft auf der
Halbinsel Hela Nebelsignalstationen mit Sirenen errichtet worden. Die Anlagekosten
der Station bei Arkona betrugen rund 82000 M., die Unterhaltung der Station er
fordert jährlich rund 4000 M.
55b. Kaiscrkai-Kpeichcr mit Icitiiall in Hamburg,
Wenn einmal die von dem Bologneser Marconi erfundene „Telegraphie ohne
Draht" so weit vervollkommnet sein wird, daß auf größere Entfernungen eine Ver
ständigung möglich ist, werden die sich dem Lande nähernden Schiffe, bei Nebel sowohl
wie bei Nacht, anstatt durch Schall- und Lichtwellen besser durch elektrische Wellen auf
die gefahrdrohende Küste aufmerksam gemacht werden können.
Zeitbälle. Schon oben beim Leuchtturm von Neufahrwasser war davon die Rede,
daß die dortige Zeitballstation mit dem neuerbauten Leuchtturm vereinigt worden ist.
Solche Zeitballstationen werden in den Seehäfen auf hochgelegenen Stellen errichtet,
um den Schiffern durch ein weithin sichtbares Zeichen die Möglichkeit zu geben, den Gang
ihrer Chronometer prüfen und dieselben richtig stellen zu können. Diese Zeichen be
stehen aus einem großen Ball, der auf einem Turme hochgezogen wird, um ein oder
mehreremal am Tag, meistens genau um Mittag in einem Augenblick niederzufallen.
Der erste Zeitball wurde im Jahre 1833 auf dem Dache der weltberühmten Sternwarte
Zu Greenwich aufgestellt. Vierzig Jahre später wurde von der Regierung des Deutschen
Reichs die Aufstellung von Zeitbällen an der Nord- und Ostseeküste beschlossen und die
Reichstelegraphen-Verwaltung mit Ausführung derselben beauftragt. In Cuxhaven
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