Taucherausrüstung.
571
Dir Tsuchrrkunst und die Hebung und Bergung verunglückter Schiffe.
Dir Taucherkunst.
Bei der vielfachen Berührung, in welche der Mensch schon frühzeitig mit dem
Wasser trat, mußte der Wunsch entstehen, das Hindernis, welches dieses nicht selten den
Werken von Menschenhänden bereitet, zu beseitigen. Es galt, auch den unterhalb des
Wasserspiegels liegenden Raum dem Menschen zugänglich zu machen und ihn zu befähigen,
in und unter dem Wasser längere Zeit verweilen zu können. Das Gebiet, auf welchem
sich die Taucherkunst zu bethätigen hat, ist im Laufe der Zeit ein immer größeres ge
worden. Durch diesen ausgedehnteren Wirkungskreis hat naturgemäß die Ausbildung
aller hierfür erforderlichen Apparate eine große Förderung erfahren. Der Taucher findet
heute Verwendung bei dem Wegräumen von Pfählen, Steinen und sonstigen Hinder
nissen, er wird verwendet zur Ausführung von Verbolzungen und anderen unter Wasser
zu beschaffenden Arbeiten, zu Untersuchungen
der verschiedensten Art, bei der Megschaffung
oder Hebung gesunkener Schiffe u. s. w.
Um dem Menschen ein längeres Ver
weilen unter Wasser zu ermöglichen, muß
ihm das Wasser ferngehalten und er mit
frischer atmosphärischer Luft versorgt werden.
Durch Übung wird es zwar dem Menschen
möglich, ohne alle Hilfsmittel einige Zeit
unter Wasser zu verweilen, diese Zeit ist
jedoch sehr beschränkt und würde für die
Beschaffung der meisten Arbeiten nicht aus
reichend sein. Dieses Tauchen ohne Hilfs
mittel wird namentlich bei der Perlen- und
Schwammfischerei, sowie bei der Bernsteiu-
und Korallengewinnung nutzbringend aus
geübt. Frühzeitig beginnen die Knaben dieses
Gewerbe zu üben, wenn auch zunächst das
Tauchen als Spielerei getrieben wird, indem
die Knaben nach ins Wasser geworfenen Geld
stücken tauchen, wobei sie so flink und geschickt
sind, daß sie dasselbe auffangen, ehe es tiefere Regionen erreicht hat. Aber bei der größten
Übung ist es nicht möglich, die Tauchzeit länger als 2 Minuten auszudehnen, und selbst
diese Zeit wird nur sehr selten erreicht, im allgemeinen vermag ein geübter Taucher nicht
länger als eine Minute unter Wasser zu bleiben. Zwei Umstände sind es, welche das
natürliche Tauchen beeinträchtigen, der Luftmangel und der Druck, welcher sich einem
etwaigen Einatmen der Luft entgegenstellt. Frühzeitig suchte man Vorkehrungen zu er
sinnen, die diese Hindernisse beseitigen sollten. Ein umgestürzter Kessel, welchen der
Taucher über seinen Kopf stülpte, war der erste primitive Taucherapparat, welchen bereits
Aristoteles erwähnt und der sich Jahrhunderte erhielt, da noch im Jahre 1538 vor Kaiser
Karl V. zu Toledo dieses Experiment ausgeführt wurde. Endlich wurde dieser Kessel
durch einen viereckigen Kasten ersetzt. Mit einem solchen Kasten, der eine gewisse Ähn
lichkeit mit den heutigen Taucherglocken auswies, wurden Wertstücke der an der Westküste
Schottlands untergegangenen sogenannten unüberwindlichen spanischen Flotte, der Armada,
gehoben. Dem englischen Astronomen Halley (gest. 1742) gebührt das Verdienst, die
erste bessere Taucherglocke konstruiert zu haben.
Eine ganz wesentliche Verbesserung erhielten die Tancherapparate einige Jahrzehnte
später durch den englischen Ingenieur und früheren Mechaniker Smeaton, indem dieser
der Glocke mit Hilfe einer Luftpumpe frische Lust zuführte, so daß die Taucher fortan
72*
SS?. Tanchcrlirlm mit Verschluß.