Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

572  Die  Taucherkunst.

eine  längere  Zeit  unter  Wasser  bleiben  konnten,  da  ihre  Tauchzeit  nicht  mehr,  wie  früher,
von  dem  Verbrauch  der  in  der  Glocke  aufgespeicherten  Luft  abhängig  war.  In  den
60  er  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  erfuhr  die  Taucherkunst  eine  abermalige  bedeutende
Förderung  durch  die  Erfindung  von  Taucheranzügen,  die  ein  Freitauchen  ermöglichen,
von  welchem  gegenwärtig  der  ausgedehnteste  Gebrauch  gemacht  wird.
Um  sich  das  bei  den  verschiedenen  Taucherapparaten  zur  Anwendung  kommende
Prinzip  klar  zu  machen,  genügt  es,  ein  Glas  umgestülpt  in  ein  Wassergefäß  einzutauchen,
wobei  es  größtenteils  leer  bleiben  wird,  weil  die  eingeschlossene  Luft  das  Eindringen  des
Wassers  unmöglich  macht.  Je  tiefer  man  ein  solches  Glas  in  dem  Wassergefäß  hält,  je
mehr  wächst  der  Wasserdruck  und  je  mehr  wird  die  Luft  hierdurch  zusammengepreßt,  so
daß  ein  immer  größeres  Quantum  Wasser  in  das  Glas  eindringen  kann.  Dem  in  der
Tiefe,  in  welcher  der  Taucher  arbeitet,  herrschenden  Wasserdruck  muß  der  Druck  der  Luft
entsprechen,  welche  dem
Taucher  in  der  Glocke
oder  in  dem  Anzug
zugeführt  wird,  und
zwar  muß  der  Luftdruck ­
  höher  wie  der
Wasserdruck  sein,  da
sonst  das  Wasser  aus
der  Glocke  nicht  in  dem
erforderlichen  Maß  entfernt ­
  oder  der  Taucheranzug ­
  von  dem  Wasser
zusammengepreßt  werden ­
  würde.  Der  höhere
Luftdruck,  in  welchem
die  Taucher  beständig
arbeiten  müssen  und
der  auf  höchstens  31/z
Atmosphären  Überdruck
gesteigert  werden  darf,
erschwert  das  Geschäft
sehr  und  macht  es  zu
einem  außerordentlich
anstrengenden,  dem  nur
658.  Taucher  im  flnpise  und  mit  Luftpumpe.  sehr  kräftige  Naturen
auf  die  Dauer  gewachsen ­
  sind.  Im  allgemeinen  muß  als  größte  Tauchtiefe  eine  solche  von  30  in  angenommen ­
  werden.
Das  Tauchen  im  Anzug,  das  sogenannte  Freitauchen,  überwiegt  heute  bedeutend,
trotzdem  das  Tauchen  mit  der  Glocke  durch  die  weitgehende  Ausbildung  derselben  als
Taucherschacht,  Tauchertunnel  u.  s.  w.  gleichfalls  große  Fortschritte  aufzuweisen  hat.  Aus
der  Kopfrüstung  mit  Zubehör,  wie  sie  bereits  zu  Halleys  Zeiten  zur  Anwendung  kam,
hat  sich  allmählich  die  heutige  Taucherrüstnng  entwickelt.  Der  Taucheranzug  muß  vollständig ­
  luftdicht  sein,  damit  in  denselben  kein  Wasser  eindringen  und  umgekehrt  aus  ihm
keine  Luft  entweichen  kann.  Mit  Ausnahme  des  Kopfteils,  des  Helms  (Abb.  557),  besteht
der  Anzug  aus  gummierten  Geweben.  Der  Taucher  steigt  zunächst  in  das  Beinkleid  und
steckt  dann  die  Arme  durch  die  Ärmel.  An  den  Handgelenken  werden  diese  mit  Gummiriemen ­
  zum  festen  Anschluß  gebracht.  Ist  der  Anzug  geschlossen,  so  wird  dem  Taucher
eine  Brustplatte  mit  Halsring  übergehängt,  und  mit  diesem  das  Gummikleid  durch  Druckschrauben ­
  und  Metallstreifen  fest  und  dicht  verbunden.  Gegen  den  oberen  Gummistreifeu
des  Halsrings  wird  der  Helm  angeschraubt.  Der  Helm,  der  gewöhnlich  ans  Kupfer  besteht, ­
  besitzt  drei  Öffnungen,  zwei  seitliche  und  eine  vordere.  Diese  Öffnungen  sind  mit
            
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