580 Die Taucherkunst.
bewegt wird. Der Treiber besteht in einem Schaufelräderpaar, bei welchem die Flügel
drehbar angeordnet sind und sich von selbst rechtzeitig quer und längs stellen, so daß sie
nur tu einem Sinne treibend wirken. Der Taucher hat den uns bereits bekannten
Taucheranzug an und erhält seine Luft aus dem Boote selbst, welches mit solcher von
hoher Spannung gefüllt ist. Dieselbe durchströmt eine Schlauchtrommel, so daß der Taucher
sich von dem vorher von ihm verankerten Boote entfernen kann, soweit der Schlauch
reicht. Das Boot besitzt ferner einen beweglichen Boden, welcher mit Hilfe einer kräf
tigen Übersetzung aus- und eingedrückt werden kann, wodurch sich das Boot hebt oder
senkt. Diese Banart wurde später umgestaltet. Statt des beweglichen Bodens wurde
eine Pumpe angebracht, mit deren Hilfe Wasser eingepumpt werden kann, so daß die
Senkung auf diesem Wege erfolgt. Da das Boot mit gepreßter Luft gefüllt ist, deren
Spannung den äußeren Wasserdruck übersteigt, so genügt das Öffnen eines Hahnes, um
Wasser auszupressen, das Boot also zum Steigen zu bringen. Diese Einrichtung hat
indessen wieder den Nachteil, daß der Taucher gegen das Ende seines Aufenthalts Gefahr
läuft, nicht mehr genügend Pressung zu haben, vielleicht also hilflos unten bleiben
oder das Boot im Stiche lassen muß, um sich auf die uns bekannte Weise nach oben zu
flüchten.
Ansicht von oben.
In neuester Zeit sind derartige Boote wiederholt zur Ausführung gekommen. So
fand Mitte Dezember des Jahres 1886 in den Tilbury Docks bei London eine Versuchs
fahrt mit dem von Fletcher Son & Farnell erbauten unterseeischen Boote „Nautilus"
(Abb. 571) statt. Dasselbe ist 18,3 in lang, hat 2,4 in Durchmesser, ist cylindrisch mit
spitzen Enden und für den Druck von 15 in Wassersäule gebaut. Die Änderung des Tief
gangs wird auch hierbei durch Änderung des Eigenvolumens bewirkt. Indessen sind
statt des beweglichen Bodens an jeder Seite vier in Stopfbüchsen laufende Kolben an
gebracht, welche von Hand oder durch Maschinenkraft aus- und eingeschoben werden
können. Die bewegende Kraft, vier Pferdestärken, welche durch 140 galvanische Elemente
geliefert werden, treibt durch Vermittelung einer Dynamomaschine zwei Schrauben.
Das Boot ist für die gewöhnliche Fahrt bis zur Linie A B versenkt und erhält sich in
derselben leicht durch ein Flachsteuer (in der Abbildung nicht angegeben). Es ragt als
dann nur der Kommaudoturm hervor. Die Besatzung besteht aus sechs Mann, welche
nach den bisherigen Versuchen mit der vorhandenen Luft zwei Stunden lang ausreichen.
Das Boot ist hiernach weniger, wie das von Haedicke gebaute, für längere Untersuchungs
fahrten eines einzelnen unter Wasser, als für kürzere Ausfahrten, bei welchen die Hilfe
mehrerer in Anspruch genommen wird, geeignet.
In neuerer Zeit sind sowohl in Spanien wie in Frankreich wiederholt Versuche mit
Unterseebooten angestellt worden. Den Erfindern ist fraglos auf diesem Gebiete noch
ein reiches Feld zu ihrer Bethätigung gegeben.
Während das Taucherboot die Untersuchung der Arbeiten unter Wasser gestattet,
macht es der in der Abb. 572 bis 576 dargestellte Submarinegucker möglich, die Ar
beiten von oben her zu beaufsichtigen. Der Grund, weshalb man nur selten bis tief in das