Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Schiffbau  im  Mittelalter.

ausgegrabene  und  im  ethnologischen  Museum  zu  Christiania  aufgestellte  Wikiugerschiff
(Abb.  590  gibt  eine  Photographie  desselben  wieder)  soll  aus  dem  9.  Jahrhundert
stammen.  Dieses  wohlerhaltene  Schiff  ist  25  in  lang,  5  in  breit  und  führte  32  Riemen.
Es  ist  ähnlich  unseren  jetzigen  Holzschiffen  aus  Spanten  und  Planken  zusammengebaut.
Die  Schiffsform  ist  vorn  und  achtern  scharf  gehalten,  die  Bor-  und  Achtersteven  sind
stark  gewölbt  und  überragen  die  Bordwand  um  etwa  einen  Meter.  Sie  enden  meistens
in  einen  phantastisch  gehaltenen  Tierkopf.  Zum  Steuern  dient  ein  zur  Seite  des  Hinterschiffes ­
  an  einen  Vorsprung  der  Außenhaut  gelagertes  Ruder,  so  daß  mit  Hilfe  desselben
die  Takelage  und  die  Segelfläche  erheblich  vergrößert  werden  konnte.  Die  Takelage
beschränkt  sich  auf  einen  Mast  mit  Quersegel.  Außer  der  Zahl  der  Rojer  •—  Ruderer  —
betrug  die  Besatzung  der  Wikingerschiffe  30  bis  70  Mann,  und  zum  Schutz  der  Ruderer
dienten  Schilde,  welche  am  Schanzkleide  aufgestellt  waren.  Ein  Verdeck  fehlte,  jedoch
kam  später  im  Hinterschiff  eine  Hütte,  im  Vorschiff  ein  kurzes  Deck  für  die  Kämpfer
hinzu.  Im  Jahre  1000  bis  1200  n.  Chr.  finden  wir  schon  größere  skandinavische
Schiffe  von  höherem  Freibord  mit  einem  Kastell  auf  dem  Vorschiff,  einer  erhöhten
Hütte  achtern  sowie  mit  einer  vergrößerten  Takelage,  welche  sich  auf  drei  Masten  verteilt. ­
  Die  Masten  trugen  im  Top  Mastkörbe  zur  Aufnahnie  von  Kriegern;  auch
wußte  man  die  Stellung  der  Segel  so  einzurichten,  daß  man  auch  bei  halbem,  d.  h.
seitlichem  Winde  fahren  konnte.  Es  tritt  daher  bei  den  nordischen  Völkern  zuerst  das
Bestreben  auf,  die  Segel  fast  ausschließlich  zum  Fortbewegen  der  Schiffe  zu  verwenden,
was  bei  den  ausgedehnten  Fahrten  auf  der  hohen  See,  wo  eine  Benutzung  der  Riemen
erschwert  ist,  erklärlich  erscheint.
Die  skandinavischen  Schiffe  bilden  nun  die  Vorläufer  der  Schiffe  der  deutschen  Hansa,
welche  im  12.  Jahrhundert  von  den  Kaufleuten  der  niederdeutschen  Städte  gegründet
wurde,  um  den  Handelsverkehr  gegen  die  räuberischen  Einfälle  und  Verheerungen  der  Normannen ­
  zn  schützen.  Mit  der  Ausdehnung  des  Handels  des  Hansabundes  wuchs  auch
seine  Kriegsmacht  und  entstanden  so  Flotten,  welche  sogar  später  als  Begleitschiffe  für  die
Kreuzfahrer  ins  Mittelländische  Meer  fuhren.  Die  hanseatischen  Koggen  (Abb.  591)
besaßen  ähnlich  den  skandinavischen  Schiffen  vorn  und  hinten  kastellartige  Erhöhungen,
in  denen  anfangs  Katapulten,  später  Geschütze  Aufstellung  fanden;  sie  wurden  bis  zu
einer  Größe  von  209  Tonnen  Tragfähigkeit  gebaut.  Neben  den  Abmessungen  der  Fahrzeuge ­
  wurden  die  Segelflächen  stetig  vergrößert,  als  durch  die  Einführung  des  am  Hintersteven ­
  fest  gelagerten  Steuerruders  die  Lenkung  des  Fahrzeuges  bei  dem  erhöhten  Segeldruck ­
  möglich  wurde.
In  die  Zeit  des  Aufblühens  der  Hansa  fällt  die  Entwickelung  der  Seemacht  der
beiden  Republiken  Genua  und  Venedig  und  der  mehrere  Jahrhunderte  lang  geführte
Wettstreit  beider  Städte  um  die  Seeherrschaft  im  Mittelländischen  Meere,  welcher  schließlich ­
  mit  der  Überlegenheit  der  Venezianer  endete.  Die  venezianischen  Schiffe,  die  sogenannten
Galeeren,  waren  anfänglich  scharf  gebaute  Ruderschiffe  von  niedrigem  Freibord  bis  zu
50  in  Länge.  Die  Riemen  besaßen  eine  Länge  von  15  in  und  wurden  meist  von
5  Mann  bedient.  Außerdem  führten  die  Galeeren  zwei  Masten  mit  lateinischen  Segeln.
Später  kamen  die  Galeassen  auf,  völlig  gebaute  Fahrzeuge  mit  hohem  Freibord  und
mit  größerer  Takelage.,  Nur  im  Gefecht  wurden  sie  mit  Riemen  bewegt.  Bei  den
größeren  Schiffen  findet  man  zum  erstenmal  vier  Masten,  die  beiden  vorderen,  Fock
und  Großmast  mit  Raasegeln,  die  beiden  hinteren  Besahnmasten  mit  lateinischen  Segeln,
da  die  mit  hohen  Kastellen  versehenen  Fahrzeuge,  um  bei  seitlichem  Winde  nicht  abzutreiben, ­
  eine  größere  Segelfläche  erforderten  (Abb.  592).  Die  Rohrgeschütze  standen  in
den  beiden  Kastellen.
Nach  der  Erfindung  des  Kompasses  und  der  hierdurch  ermöglichten  Orientierung
auf  hoher  See  begannen  nun  gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts  die  Portugiesen  und
Spanier  ihre  glänzenden  Entdeckungsfahrten  und  griffen  auf  diese  Weise  in  die  Entwickelung ­
  des  Schiffbaues  mächtig  ein.  Seit  diesem  Zeitpunkt  tritt  die  Takelage  der
Schiffe  und  ihre  stete  Verbesserung  in  den  Vordergrund,  während  die  Ruderboote  für
            
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