Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

609.  Erikssons  Schaufelrad.  Nach  Rühlmami.
Schiffe  geliefert  hatte,  so  kam  Brunel  schon  im  Jahre  1851  auf  den  Gedanken,  bei  den
stetig  zunehmenden  Handelsbeziehungen  Englands  mit  Ostindien,  durch  Erbauung  eines
eisernen  Riesenschiffes  eine  Verbindung  zwischen  diesen  Ländern  herstellen.  Das  Schiff
sollte  dementsprechend  so  groß  werden,  daß  es  imstande  war,  seinen  ganzen  Kohlenvorrat
für  diese  Reise  und  zurück  aufzunehmen.  Ferner  hielt  man  es  für  praktisch,  die  Schiffslänge ­
  ebenso  groß  zu  wählen  wie  die  Länge  der  größten  Ozeanwelle,  um  die  Stampfbewegungen ­
  des  Schiffes  nach  Möglichkeit  aufzuheben.  Hiernach  wählte  Brunel  folgende
Hauptabmessungen.  Länge  zwischen  den  Perpendikeln  207,Din,  größte  Breite  25,15  m,
Raumtiefe  17,7  m,  Tiefgang  9,14  m,  Deplacement  27  400  t  (Abb.  615).  Nachdem  Brunel
durch  seine  begeisterten  Vorträge  das  Geld  zum  Bau  des  Riesenschiffes  zusammengebracht
hatte,  wurde  der  Bau  des  „Great  Eastern",  eines  der  kühnsten  Bauwerke  des  neunzehnten
Jahrhunderts,  ein  gewaltiger  Merkstein  in  der  Entwickelung  des  Schiffbaues  und  der  Dampfschiffahrt, ­
  im  Jahre  1852  auf  der  Werft  von  Scott  Ruffel  in  Millwall  bei  London  begonnen. ­
  Für  die  Konstruktion  des  Schiffsrnmpfes,  tvelcher  vollkommen  aus  Eisen  gebaut
wurde,  nahm  Brunel  sich  die  im  Jahre  1850  vollendete  Britanniabrücke  über  die  Menaistraße
  zum  Vorbild,  und  nicht  allein  der  Schiffsboden,  sondern  auch  die  Schiffsseiten  bis
zum  Zwischendeck,  sowie  das  Oberdeck  auf  die  ganze  Länge  des  Schiffes  wurden  nach
dem  Zellensystem  ausgeführt  (Abb.  616  u.  617).  Das  Zellensystem  bestand  aus
der  äußeren  Schiffshaut  und  einem  inneren  Boden  von  je  19  mm  dicken  Platten,  welche
rund  900  mm  voneinander  entfernt  waren  und  durch  aus  Platten  und  Winkeln  gebildete
Trägerkonstruktionen,  die  sogenannten  Längsspanten,  miteinander  verstrebt  und  wasser-608

  Eiserne  Schiffe.
bestand  anfänglich  aus  vier  unter  45°  geneigt  liegenden  Cylindern,  von  denen  je  zwei  auf
eine  Kurbel  wirkten.  Von  der  Kurbelwelle  wurde  die  Bewegung  auf  die  Schranbenwelle
mit  einer  Übersetzung  von  1:3  durch  Ketten  übertragen.  Die  Geschwindigkeit  betrug  im
Mittel  9%  Seemeilen  pro  Stunde.  Das  Schiff  begann  im  Herbst  1844  seine  Fahrten,
und  schon  bei  seiner  vierten  Reise  strandete  es  an  der  Küste  von  Irland  und  brachte
infolgedessen  die  „Great  Western  Steamship  Compagny"  zur  Auflösung.  Obwohl  das
Schiff  elf  Monate  den  Wellen  preisgegeben  war,  erwies  sich  sein  eiserner  Schiffsrumpf
nach  dem  Abbringen  des  Schiffes  noch  so  brauchbar,  daß  der  „Great  Britain"  nach
gründlicher  Ausbesserung  und  Ausstattung  mit  einer  Pennschen  oscillierenden  Maschine
(Abb.  613),  wobei  die  Kettentransmission  durch  kräftige  Stirnräder  ersetzt  wurde  und  neue
Kofferkessel  mit  einer  Atmosphäre  Arbeitsdruck  eingebaut  wurden,  von  einer  Liverpooler
Rhederei  für  Reisen  nach  Australien  in  Fahrt  gestellt  wurde.  Abb.  614  zeigt  den  „Great
Britain"  auf  seiner  ersten  Ausreise  nach  Australien.  Im  Jahre  1873  wurde  das  Schiff
in  ein  Segelschiff  umgewandelt  und  strandete  dann  zum  zweitenmal  im  Jahre  1886  an
den  Falklandsinseln.  Nach  dem  Abbringen  wurde  der  Schiffsrumpf  als  Hulk  aufgebraucht.
Da  der  „Great  Britain"  durch  die  erste  Strandung  einen  glänzenden  Beweis  von
der  großen  Widerstandsfähigkeit  und  Brauchbarkeit  des  Eisens  als  Baumaterial  der
            
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