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Bildende Kunst.
später ohne unmittelbare Vorlage und ohne Modell zur
glühendsten und währsten Sprache im Bilde kam.
Die Werke seiner ersten Periode freilich, bis etwa 1862,
zeigen noch nicht den Ausdruck innersten Bestrebens. Böcklin
war ein Spätreifer; er schloß sich in dieser Zeit, etwa wie sein
Freund und Mitschüler bei Schirmer, Franz-Dreber, noch an
die klassizistisch-romantisch-idyllische Landschaft herkömmlichen
Stiles an. Allerdings in ziemlich naturalistischer Formgebung;
mit den heroischen Landschaften etwa Prellers, aber auch mit
denen der spezifischen Idylliker, ja in späterer Zeit sogar Franz⸗
Drebers verglichen erscheinen seine Bilder dem phyfiologischen
Impressionismus zwar nicht angehörend, aber doch angenähert.
Es ist das Moment, aus dem heraus sich, abgesehen von
späteren, weiter führenden Raumexperimenten, am ehesten die
Stellung Böcklins zur allgemeinen Entwicklungsgeschichte der
Malerei bestimmen läßt.
Gegen Schluß dieser Periode aber konnte sich Böcklin in
Rom nicht mehr halten; er hatte die Bewunderung Feuerbachs,
aber die Welt blieb vor seinen Bildern kalt; und so verließ
er Italien. Dann kam ein erster Umschwung. Sein „Pau
im Schilf“ erregte auf der Münchener Ausstellung von 1859
Aufsehen: wo hatte man bisher schon so reiche und so satte
Farben gesehen? Und die äußeren Lebensverhältnisse des
Meisters besserten sich. Auch die innere Entwicklung verlief
günstig; in dem Jahrzwölft von 1862 bis 1874 etwa reifte
Böcklin den höchsten Zielen der siebziger und achtziger Jahre
entgegen. Im allgemeinen ist er auch jetzt noch Landschafter;
die Figuren bilden der Hauptsache nach noch bloße Staffage.
Daneben stehen freilich gelegentlich reine Figurenbilder, wie
eine „Euterpe“ (von 1861) oder „Magdalenens Trauer an der
Leiche Christi“ oder „die Muse des Anakreon“, und in ihnen
bildet sich der Körper, insbesondere das Frauenideal der folgen⸗
den Zeit aus: die Italienerin, ja insbesondere Römerin in
zartem, gelegentlich üppigerem Körper, schlank und darin
germanischem Gefühl angenähert; in der Kleidung das feine
Gefältel von Batist oder noch lieber seidenen Schleiern. In