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Grundlagen des Schiffbaues.
daß Schiffe mit größerer Leckstelle infolge Kollisionen u. s. w. vor dem Sinken erst kentern,
erscheint hiernach vollkommen erklärlich. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ist es daher
nur nötig, das Überschießen von Wasser bezw. der Ladung querschiffs zu verhindern.
Auf Handelsschiffen baut man zu diesem Zweck für Getreide und ähnliche bewegliche
Ladungen hölzerne Längsschotte ein, wodurch die Verschiebung der Ladung erheblich ver
ringert wird; bei flüssiger Ladung, wie bei den Petroleumtaukdampfern, werden wasser
dichte stählerne Längsschotte vorgesehen. Bei Kriegsschiffen, bei denen die Gefahr der
Überflutung infolge des Rammstoßes oder durch die Wirkung des Torpedos leicht zu er
warten steht, ist man bestrebt, die Einteilung des Schiffes in wasserdichte Abteilungen
und Zellen durch entsprechende Quer- und Längsschotte derart zu vermehren, daß durch
die freie Bewegung des Flutwassers die Stabilität des Schiffes nicht übermäßig ge
fährdet wird.
Ter Verlust an Stabilität tritt jedoch nicht allein durch Leckagen unterhalb der
Wasserlinie und entsprechendes Überfluten des Schiffsinneren ein, er kann auch ein erheb
liches Maß erreichen, wenn beim Zerstören der Bordwand in der Wasserlinie durch
Kollisionen oder bei Kriegsschiffen durch die feindlichen Geschosse ein Teil des Schiffs
inneren überflutet wird, so daß die Schwimmebene in ihrer ganzen Ausdehnung nicht
mehr intakt bleibt. Es kann also dann nur derjenige Teil der Schwimmebene für die
Stabilität in Frage kommen, welcher nicht überflutet ist,
und das Trägheitsmoment der intakten Schwimmebene und
hiermit auch der Wert von 6 N wird sich entsprechend
verkleinern. Anderseits wird durch die Überflutung und
die Tiefertauchung des Schiffes das Deplacement ver
größert, und auch hierdurch wird sich der Wert von 0 M
verringern. Als ein Beispiel möge das englische Panzer
schiff „Inflexible" angeführt werden, dessen Panzergürtel
in der Wasserlinie sich nur auf etwa 1 / s der Schiffslänge
mittschiffs erstreckt, während die Schiffsenden in der Wasser
linie ungeschützt sind und nur unterhalb der Wasserlinie
zum Schutz der unteren Räume des Schiffes ein starkes
Panzerdeck tragen. Für den Fall, daß die Seitenwände
648. der ungeschützten Schiffsenden durchschossen sind, so daß
die letzteren bis zu den Panzerdecks überflutet werden, wird
sich die metazentrische Höhe MG- von 2,5 m auf 0,6 m verringern, ein Beweis, wie
wichtig der Schutz der Wasserlinie durch einen Panzergürtel für die Sicherung der
Stabilität ist. Man ist daher bestrebt, die Wasserlinie möglichst auf die ganze Länge
des Schiffes zu panzern und die ungeschützten Teile, in den meisten Fällen das Achter
schiff, neben einem Unterwasserpanzerdeck an der Bordwand mit einem Kork- oder Cellu
losedamm zu umgeben, welcher einerseits das Eindringen von Wasser durch das Schuß
loch infolge des Quellens des Korkes bezw. der Cellulose möglichst einschränkt, ander
seits jedoch bei eingetretenem Überfluten der Räume über dem Panzerdeck gewisser
maßen als Schwimmgürtel dient und dahin wirken soll, das Trägheitsmoment der
Schwimmebene durch die Erhaltung des Korkgürtels in dem überfluteten Teil nicht
ganz zu beseitigen.
Ein weiterer Fall der Verminderung der Stabilität tritt ein, wenn das Schiff mit
seinem Kiel auf Grund gerät. Während bei einem schwimmenden Schiff dem Meta
zentrum gleichsam die Rolle eines Aufhängepunktes zufällt, so daß stabiles Gleichgewicht
vorhanden ist, wenn der Schtverpunkt des Schiffes unter dem Metazentrum liegt, wird bei
einem ganz auf dem Kiel ruhenden Schiffe, also wenn es im Dock trocken gestellt ist, dieser
Aufhänge- bezw. Unterstützungspunkt an die Ünterkante des Kiels verlegt. Es muß daher
ein labiles Gleichgewicht eintreten, da alsdann der in seiner Lage verbleibende Schiffs
schwerpunkt erheblich über dem Ünterstützungspunkt liegt. Ist das Schiff auf Grund
geraten, so kommt als Druck auf den Kiel nicht das ganze Schiffsgewicht, sondern die
Differenz zwischen diesem und dem verbleibenden Auftrieb in Frage und kann derselbe