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Der Straßenbau.
mit den an dieser Straße belegenen Grnbdenkniälern gibt. Diese Straße wurde auf Ver
anlassung des Zensors Appius Claudius erbaut und zwar aus militärischen Gründen; sie
durchschnitt die oft geschilderte Campagna, deren Hauptreiz nicht zum mindesten in dem in
ihr erstorbenen Leben besteht. Die Königin der Straßen führte in gerader Richtung aus
das Albaner Gebirge und weiter nach Campanien und nach den beiden während einer langen
Zeit wichtigsten Häfen Italiens: Puteoli und Brundusium. Viel wurde diese Heerstraße im
Altertum zu Luftfahrten benutzt, wobei die Römer und Römerinnen ihre glänzenden Ge
spanne oder auch sich selbst bewundern ließen. Zahlreiche römische Patrizier fuhren auf der
selben von ihren Landsitzen nach der Stadt, um in dieser ihren Pflichten als Mitglied der
Behörden oder des Gerichts, als Hofmann oder als Senator nachzukommen.
Von der dritten Route verdient besonders die Trajansstraße auf dem rechten Donau-
ufer Erwähnung. In der Gegend des Eisernen Thores war dieselbe teils in die Felsen ein
gearbeitet, teils ruhte sie auf Auslegern, welche aus den Felswänden hervorragten. Die Er
innerung an die von den Römern hier sowohl am Lande wie im Strom geschaffenen Bauten haben
mehrere Jnschristentaseln wachgehalten. Abb. 24 zeigt die Tabula Traiana am Kasanpaß.
Der kunstvoll verziert gewesene Rahmen und die geflügelten Geniusgestalten sind zwar im
Laufe der Jahrhunderte verschwunden, der Text ist jedoch noch ziemlich erhalten.
26. Querschnitt.
25 u. 26. Muiischrr Kohlenwrg.
Der Straßenzug Rom-Germanien umfaßte eine Anzahl Alpenftraßen. Die Römer benutzten
bereits folgende Päsfe: Großer St Bernhard, Simplon, Julier und Septimer, Splügen, Brenner,
Mont Cenis, Mont Genèvre. Die keltischen Stämme dürften auf ihrem Zuge nach Italien eine
uralte Völkerstraße benutzt haben, die von der mittleren Rhone über Chambéry und durch das
obere Thal der Isère an dem kleinen St. Bernhard vorüber und weiter in das Thal der Doria nach
Aosta und Jvrea führte. Die römischen Alpenstraßen sind sehr gut geführt. Sie folgen den
sonnigen Seiten der Berge, schmiegen sich dem Terrain an und vermeiden große Thalübergängc.
Die Römerstraßen sind in sehr verschiedener Art und Weise konstruiert; die Römer
wußten sich sehr wohl den Verhältnissen der einzelnen Länder anzupassen und bauten
ihre Straßen je nach dem vorhandenen Materiale aus. Während auf vielen Strecken
die Römerstraßen aus einer so festen Steinmasse bestanden, daß man sie mit Recht mit
umgelegten Mauern verglichen hat, nötigten die Verhältnisse in den Niederungen
Germaniens (an dem unteren Rhein und der Weser, besonders auch im Oldenburgischen)
die Römer zu einer vollständig abweichenden Konstruktion. Noch heute finden >vir in den
Moorgegenden die Überreste der römischen Bohlenwege, wie solche in den Abb. 25 u. 26
dargestellt sind. Neuerdings taucht allerdings die Ansicht auf, daß diese Anlagen nicht
römischen Ursprungs sein könnten. Man hat nämlich auch östlich der Elbe bis nach West
preußen hin ganz ähnliche Anlagen gefunden, d. h. in Gegenden, welche, wie man mit
Bestimmtheit weiß, nicht von den Römern betreten worden sind.
Man kann im allgemeinen bei den Römerstraßen vier Lagen des Unterbaues unter
scheiden (s. Abb. 27). Die unterste Lage hieß „Statumen“; sie bestand aus einer oder
zwei Schichten flacher Steine, die nicht selten in Mörtel verlegt waren. Die zweite Lage
führte die Bezeichnung „Rmlsratio". Sie wurde durch faustgroße, in Mörtel verlegte
Kiesel gebildet. Die Bezeichnung der dritten Schicht war „Nucleus“. Hierzu fanden