Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

Festland  beraubt,  sah  sich  England  1802  Frankreich  gegenüber ­
  zu  Bedingungen  genötigt,  die  es  trotz  seiner  maritimen
Erfolge  sämtlicher  westindischer  Eroberungen  bis  auf  Trinidad
beraubten.  Das  blühende,  vom  Krieg  verschont  gebliebene
Martinique,  ferner  Tabago,  St.  Lucie,  Curaçao  und  die  drei
durch  britisches  Kapital  befruchteten  und  reich  gewordenen
holländischen  Guyanakolonien  und  Surinam  mufsten  abgetreten
werden.  Auf  ihnen  hatte,  wie  gleich  gezeigt  werden  wird,  das
Wachstum  des  britischen  Kolonialhandels  seit  den  1790  er
Jahren  zum  guten  Teil  beruht.  Jetzt  stürzte  diese  Grundlage ­
  ein.  Indem  Frankreich  1802  noch  Domingo,  Guadeloupe
sowie  das  riesige  Louisianagebiet  wieder  besetzte,  ynd  auch
Spanien  und  Holland  ihre  ehemalige  Herrschaft  in  Westindien
wiederherstellten,  sah  sich  England  mit  einem  Schlage  seiner
Vormachtstellung,  die  es  sich  im  mexikanischen  Meerbusen
erkämpft  hatte,  beraubt  und  auf  den  Rang  einer  Frankreich
dort  weit  unterlegenen  Kolonialmacht  zurückgeworfen
(Brougham  I,  S.  536  if.).
Durch  die  Abtretungen  verlor  Grofsbritannien  nicht  nur
an  Grund  und  Boden  für  eine  zukünftige  Produktion  ;  es  verlor
weit  mehr.  Sämtliche  Kapitalien  in  der  Form  von  Negersklaven, ­
  Gebäuden,  Meliorationen  usw.,  die  es  im  Laufe  der
Okkupation  dort  angelegt  hatte  (siehe  S.  137),  mufsten  aufgegeben
  und  den  feindlichen  Konkurrenten  übergeben  werden.
„Nearly  all  the  possessions,  which  had  cost  the  British  nation
so  much  blood  and  treasure  ....  were  restored  in  a  much
better  condition  than  they  were  taken,  for  they  bad  been  vivified ­
  by  the  expenditure  of  British  capital!“  (Bridges  II,
S.  264.)  „Sich  dieses  Eigentum  zu  sichern,  hatte  Grofsbritannien ­
  beim  Friedensschlufs  in  sträflicher  Nachlässigkeit
unterlassen“  (ibid.,  S.  265).  Das  verbesserte,  von  Urwäldern
und  Sümpfen  befreite,  mit  Ackergerätschaften,  Sklaven  und
Vieh  wohl  ausgestattete  Land  bot  den  feindlichen  Pflanzern  das
bequemste  Mittel  dar,  den  Konkurrenzkampf  gegen  die  ohnehin ­
  notleidenden  älteren,  d.  h.  die  vor  1793  in  Englands
Besitz  befindlichen  Inseln  augenblicklich  wieder  aufzunehmen.
Welchen  Anteil  am  Gesamterträge  der  britischen  kolonialen ­
  Produktion  die  abgetretenen  Gebiete  beigetragen  hatten,
erhellt  aus  folgenden  Angaben  (nach  einer  Umrechnung  bei
Eden,  S.  65).
Surinam,  Berbice,  Dem  erara,  Essequibo(-Guyana),  Martinique, ­
  St.  Lucie  und  Tabago  hatten  unter  englischer  Besetzung ­
  nach  Grofsbritannien  exportiert:

Jahr

Zucker

Rum

Kaffee

Baumwolle

1799
1800
1801

490566  cwt.
419  526  .,
683817  „

275  964  galls.
292867  „
427104  „

78875  cwt.
227745  „
356432  „

4627  009  lbs.
9876633  „
10670039  „
            
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