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Schiffbau.
5 zu G. Diese Vorzüge des eisernen oder stählernen Schiffes gegenüber dem Holzschiff:
Größere Tragfähigkeit und größerer Stauraum sind für den Rheder in kommerzieller
Beziehung von der größten Wichtigkeit; jedoch auch für den Kriegsschiffbau sind sie in
Bezug auf die Verwertung der Offensiv- und Defensivmittel von hervorragender Bedeutung.
Wenngleich hiernach der Wert des Holzschiffbaues gegenüber dem zur Zeit allgemein
eingeführten Eisen- oder Stahlschiffbau sehr eingebüßt hat, so bildete derselbe jedoch
eine notwendige Vorstufe zur Entwickelung des Eisenschiffbaues. Der hölzerne Schiffs
rumpf gab im besonderen einen klaren Aufschluß über den Wert und die Zweckmäßigkeit
der einzelnen Bauteile, da bei seiner verhältnismäßig geringen Widerstandsfähigkeit
die eintretenden Deformationen die schwachen Stellen des Schiffes hervortreten ließen
und so einen Schluß auf die Art der Beanspruchung der Verbandteile des Schiffes
ermöglichten.
Wir wollen uns daher zunächst eingehender mit dem Holzschiffbau und seinen
Einzelheiten beschäftigen und dann, der Entwickelung des Schiffbaues folgend, zum
Eisen- und Stahlschiffbau übergehen.
668. Schraubcndampfrr klar für Len seitlichen KtapeUauf. Auf der Querhelling.
Holzschiffbau.
Der Bauplatz der Schiffe heißt die Werft. Die Schiffswerften liegen naturgemäß
an schiffbaren Flnßläufen oder an Meeresbuchten, in welche das fertige Schiff geleitet
wird. Sie umfassen in der Hauptsache ein oder mehrere Hellinge, auf welchen das
Schiffsgebäude zusammengebaut wird. Die Helling besitzt ein Fundament aus Pfahl
rosten oder Betonklötzen und ist nach der Wasserkante zu derart geneigt, daß der fertige
Schiffskörper später durch sein eigenes Gewicht auf entsprechenden Gleitbahnen ins Wasser
gleiten kann. Je nachdem das Schiff winkelrecht bezw. geneigt, oder parallel zur Wasser
kante auf Stapel gesetzt wird, spricht man von einer Längs- oder einer Querhelling.
Letztere finden in der Hauptsache bei schmalen Flnßläufen oder auch beim Bau von sehr
flach gehenden, langen Schiffen Anwendung. Die Neigung der Längshelling schwankt
je nach der Große des Schiffes von J / 12 bis 1 / 24 , die der Qnerhelling von bis '/ 8 .
Bei dem Bau von hölzernen Schiffen war die Helling meist überdacht, um die Bauteile
vor den Einflüssen der Witterung zu schützen. Jetzt haben dieselben weniger Wert.
Das Schiffsgebände wird nun nicht direkt aus der Helling erbaut, sondern der Kiel
wird auf einer Reihe hölzerner Stapel, den sogenannten Stapelklötzen, gelagert, damit
man unter dem Boden des Schiffes später arbeiten kann. Man sagt daher auch, das