Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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menschlichen  Arbeit  seine  Quelle  habe,  so  ist  die  Verwirrung  allgemein. ­
  Es  müßte  also  danach  entweder  Dinge  geben,  die  einen  Preis
haben,  ohne  daß  sie  geeignet  sind,  menschlichen  Bedürfnissen  zu
dienen,  nur  weil  Arbeit  auf  sie  verwandt  ist,  was  widersinnig  wäre;
oder  aber  wenn  wir  es  nur  mit  einer  ungeschickten  Anordnung  von
Vordersatz  und  Nachsatz  zu  tun  haben,  dann  stehen  sich  die  beiden
Sätze:  „Arbeit  ist  die  einzige  Quelle  des  Preises“  und  „drei  Grundlagen ­
  sind  es,  die  den  Preis  der  auszutauschenden  Ware  bilden“
diametral  gegenüber,  da  ja  die  Natur  der  wirtschaftlichen  Güter  sich
mit  Einführung  des  Austausches  nicht  geändert  hat.  Etwas  stimmt
also  jedenfalls  nicht,  und  wir  sind  nicht  in  der  Lage,  zu  bestimmen,
welches  nun  die  eigentliche  Ansicht  Sismondis  ist.  Es  bleibt  uns
daher  nichts  anderes  übrig,  als  alle  drei  zu  behandeln  und  zu  widerlegen. ­
  Am  kürzesten  können  wir  die  dritte  Behauptung:  Arbeit  sei
die  einzige  Quelle  des  Preises,  abtun,  da  wir  sie  in  einem  wohl
durchdachten  und  geordneten  Systeme  bei  Rodbertus  wiederfinden
werden 5 ).  Eine  Widerlegung  wird  also  dort  eher  am  Platze  sein,
wo  wir  es  mit  einer  besseren  Ausführung  zu  tun  haben  werden.
Gehen  wir  also  gleich  zur  Kritik  der  zuerst  erwähnten,  für  das
Vorhandensein  von  Werten  notwendigen  drei  Grundlagen  über:
menschliche  Arbeit,  Brauchbarkeit  für  menschliche  Bedürfnisse  und
Aufbewahrungsmöglichkeit.  Hier  hat  Sismondi  Unnötiges  als  wichtig
hingestellt  und  Wichtiges  als  unnötig  oder  falsch  fortgelassen.  So
sehr  wir  uns  damit  einverstanden  erklären  können,  daß  die  Summe
der  Arbeit  und  der  Grad  der  Brauchbarkeit  angeführt  werden,  so
überflüssig,  um  nicht  zu  sagen  bedenklich  ist  es,  daß  auch  die  Aufbewahrungsmöglichkeit ­
  für  nötig  erklärt  wird;  bedenklich  vor  allem
deshalb,  weil  wir  daraus  sehen,  daß  Sismondi  nur  die  materiellen
Güter  als  solche  gelten  lassen  will  und  die  geistigen  vollkommen
ignoriert.  Es  ist  dies  derselbe  Fehler,  den  wir  schon  bei  Adam  Smith
feststellen  konnten,  den  erst  J.  St.  Mill  als  Anhänger  und  Fr.  List
als  Gegner  des  Adam  Smith  endgültig  beseitigt  haben.
Wichtiges  ist  dafür  teils  stillschweigend,  teils  ausdrücklich  als
unwesentlich  außer  Betracht  geblieben:  die  wertschaffende  Tätigkeit
des  Kapitals  wird  als  mittelbare  Arbeit 2 )  für  unproduktiv  erklärt;
daß  die  Natur  der  Ursprung  aller  Dinge  ist,  kann  natürlich  nicht
geleugnet  werden,  aber  Sismondi  möchte  ihr,  gleich  wie  später

*)  Rodbertus,  Zur  Erkenntnis  uns.  staatswirtschaftl.  Zust.,  S.  6,  7.
2 )  Sismondi,  a.  a.  0.,  I,  65:  „travaü  mediat.“
            
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