Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Holzschiffbau:  Der  Kiel.  651

Schiff  steht  auf  Stapel,  und  spricht  von  einem  Stapellauf,  wenn  dasselbe  nach  Fertigstellung ­
  des  Rumpfes  zu  Wasser  gelassen  wird.
Ter  Schiffsrnmpf  ist  ein  Bauwerk,  welches  einesteils  durch  die  Festigkeit  seiner
Verbandteile  im  stände  sein  muß,  die  mannigfachen  Belastungen  durch  die  Maschinenanlage, ­
  die  Ladung,  die  Geschütze,  Panzerung  und  dergleichen  im  schwimmenden  Zustande
und  vor  allem  auf  hoher  See  sicher  zu  tragen,  anderenteils  nach  außen  gegen  den  Wasserdruck ­
  derart  abgeschlossen  sein  muß,  daß  es  vollkommen  dicht  ist  und  bleibt  zum  Schutze
der  Ladung  und  zur  Aufrechterhaltung  seiner  Schwimmfähigkeit.  Es  vereinigen  sich
daher  am  Schiffskörper  Verbandteile,  welche  in  der  Hauptsache  auf  Festigkeit  beansprucht
werden,  mit  solchen,  welche  einen  wasserdichten  Abschluß  herstellen.  Die  ersteren  kann
man  wieder  in  Bauteile  gliedern,  welche  den  Längsverband,  und  in  solche,  welche  den
Querverband  aufnehmen.
Zu  den  wichtigsten  Längsverbänden  des  Schiffes  gehört  der  Kiel,  gewissermaßen
das  Rückgrat  des  Schiffsrumpfes.  Derselbe  wird  aus  eichenen,  seltener  aus  rotbuchenen
Langhölzern  gefertigt  und  erhält  rechteckigen  Querschnitt.  Die  Verbindung  der  einzelnen
Kielstücke  miteinander  erfolgt  durch  Laschen  mit  Cylinderzapfen  oder  Dübel,  durch  welche
Laschbolzen  geschlagen  werden.  Zur  Aufnahme  und  wasserdichten  Befestigung  der  dem
Kiel  benachbarten  Außenhautplanken  erhält  derselbe  eine  Rinne  von  dreieckigem  Querschnitt, ­
  die  sogenannte  Sponung.  Unterhalb  des  Kiels  wird  meist  der  Loskiel  angespiekert,
welcher  keinen  Verbandteil  bildet,  sondern  nur  den  Zweck  verfolgt,  bei  Grundberührungen
den  Hauptkiel  zu  schützen.

667.  LiingcnLnrchschiiitt  ciucs  Ijöljcvtitit  Segelschiffs.

Der  Kiel  geht  vorn  in  den  Vorsteven,  hinten  in  den  Achtersteven  über.  Beide  Verbandteile ­
  dienen  in  ähnlicher  Weise  wie  der  Kiel  zur  Aufnahme  und  wasserdichten  Beplankung ­
  der  beiden  Schiffsseiten,  und  zu  diesem  Zweck  wird  die  Sponung  auf  die
Seitenflächen  der  Steven  fortgeführt.  Der  Vorsteven,  welcher  meist  eine  gekrümmte,
ausfallende  Form  erhält,  ivird  aus  einer  größeren  Zahl  von  eichenen  Bauhölzern,  dem
Vorlauf,  dem  Borstevenholz,  dem  Binnenvorsteven,  dem  Stevenkuie,  den  Tothölzern  oder
der  Aufklotzung,  dem  Gallionsschegg  und  den  Gallionshölzern  zusammengebaut  und  durch
Laschen  mit  Cylinderzapfen  und  Klinkbolzen  verbunden.
Der  Hintersteven,  welcher  bei  Segelschiffen  und  Raddampfern  wegen  der  Befestigung
des  Ruders  zugleich  auch  Rudersteven  ist,  setzt  sich  in  gerader  Linie  mittels  Zapfen  auf
dem  Kiel  auf  und  steht  entweder  lotrecht  oder  ist  nach  hinten  geneigt.  Der  eichene  Hintersteven ­
  wird  in  der  Regel  durch  den  Binnensteven  verstärkt,  welcher  gleichfalls  auf  dem
Kiel  verzapft  ist  und  mit  demselben  durch  das  Stevenknie  bezw.  eine  Anzahl  Tothölzer
verbunden  wird.  Bei  Schraubenschiffen  tritt  noch  ein  besonderer  Rndersteven  hinzu,
welcher  unten  auf  dem  Kiel  oder  einem  metallenen  Stevenschuh  aufsteht  und  oben  so  weit
in  den  Schiffsrumpf  hineinragt,  daß  er  mit  den  Decksbalken  verbolzt  werden  kann.  Der
Hintersteveu  nebst  Binnensteven  erhält  zur  Durchführung  der  Schraubenwelle  nebst
Stevenrohr  eine  Anschwellung  und  wird  derselbe  daher  meist  guerschiffs  aus  zwei  Stücken
zusammengebaut.  Das  Wellenrohr  wird  inuenbords  außerdem  in  einem  Langholz,  dem
Wellenklotz,  gelagert,  welches  der  Höhe  nach  aus  zwei  Teilen  besteht.

82*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.