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Schiffbau.
Klüsen sind gußeiserne Rohre, welche in den Klüshölzern gelagert sind und durch welche
die Ankerkette innenbords geholt wird. Das Steuerruder wird aus einem starken Balken,
dem Ruderstamm, auch Ruderherz oder Ruderpsosten, gebaut, an dessen Hinterer Fläche
Planken nach der Form der Ruderfläche angebolzt werden. Das Ganze wird ferner durch
mehrere Ruderscheren zusammengehalten, welche an ihrem vorderen Ende die Fingerlinge
tragen, mit welchen das Ruder in die am Rudersteven befestigten Ruderösen eingehängt
wird. Die Ruderfingerlinge nebst Scheren, sowie die am Rudersteven befestigten Ruder
ösen werden aus Eisen oder Bronze gefertigt, je nachdem das Schiff eisen- oder
kupferfest ist. Die hölzernen Ruder erhalten am oberen Ruderblatt ein Auge zur
Befestigung der Sorgleine, damit das Ruder beim Brechen des Schloßholzes nicht
verloren geht. Das Ruderherz ragt durch das Hennegatt in den Schiffsrumpf hinein,
und das obere Ende desselben, der Ruderkopf, erhält ein Loch zum Einsetzen der
Ruderpinne. Die Bewegung des Ruders erfolgt bei den Segelschiffen durch die
Pinne mittels Rudertaljen. Das Reep derselben besteht aus Hanf oder Stahldraht
und läuft über Führungsrollen zu einer Trommel, auf welche es durch Handräder,
Steuerräder auf- und abgewickelt wird.
Dabei muß das Reep so geschoren
daß beim Ruderlegen das
derjenigen Seite dreht,
Hand - Steuerrad
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671. Kandsteurrrinrichtmig mittels Ichraubrnspindrl.
GOtHD werden,
Schiff nach
nach welcher das Rad bewegt wird.
An Stelle der Taljen verwendet man
neuerdings eine eiserne Schrauben
spindel, welche im vorderen Teil mit
Rechtsgewinde, im hinteren Teil mit
Linksgewinde versehen ist und durch
das Steuerrad gedreht wird. Durch
Drehung der Schraubenspindel werden
auf derselben zwei Muttern hin und
her bewegt, welche durch Stangen ge
führt werden, da die Muttern mittels
Backen in zwei Schlitze des Ruderjoches,
welches auf dem Ruderkopf befestigt ist,
eingreifen, wirddasJoch mitgenommen
und so mit dem Ruder gedreht. Das
Einsetzen des Ruders erfolgt meist
nach dem Stapellauf des Schiffes.
Die Arbeiten an dem Schiffsrumpf sind nunmehr so weit gediehen, daß man mit den
Vorbereitungen zum Stapellauf beginnen kann. Dieses interesignte Schauspiel, bei
welchem das Schiff seinem Element und späteren Lebenszweck übergeben wird, bildet in
der Bauperiode des Schiffes einen wichtigen Abschnitt, und mit demselben ist meist die
Namengebung d. h. Schiffstaufe verbunden. Wenngleich der Stapellauf ein nach den
Gesetzen der Mechanik sich klar ergebender Vorgang ist, so ist derselbe, wie die Erfahrung
gelehrt hat, doch nicht immer so harmlos von statten gegangen, sondern hat, wie die
Katastrophe beim Ablauf der „Daphne" an der Clyde im Jahre 1884 bewiesen hat, bis
weilen die traurigsten Unglücksfälle zur Folge. Von dem Bau des Ablaufsgerüstes, sowie
von den sonstigen Einrichtungen, welche beim Stapellauf erforderlich sind, soll später ein
gehend berichtet werden.
Nach dem Stapellanf wird der weitere Ausbau des Schiffes gefördert, bestehend in
der inneren Einrichtung für die Unterbringung von Passagieren und der Besatzung,
sowie in der Bemastung und Takelage. Der innere Ausbau nimmt bei den Passagier
dampfern und den transatlantischen Schnelldampfern sowie bei den Kriegsschiffen eine
Ausdehnung und Vielseitigkeit an, daß darüber im Zusammenhang später gesprochen
werden soll. Bei den Segelschiffen handelt es sich in der Hauptsache um die Ausstattung
des Quarterdecks oder der Kampagne mit den Wohnräumen für den Kapitän und die