Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

660  Schiffbau.
derselben  das  Schloßholz,  einen  hölzernen  oder  eisernen  Keil  zum  Festsetzen  der  Stenge,
sowie  etwas  oberhalb  zwei  Scheibgatten  —  Einschnitte  mit  Scheiben  —  für  das  Stengewindreep. ­
  Am  oberen  Ende  erhalten  die  Stengen  eine  Anschwellung  für  die  Auflage  der
Stengensahling.  Der  Top  erhält  einen  vierkantigen  Zapfen  zur  Befestigung  des  Stengeneselshauptes ­
  oder  bei  der  Oberbramstenge  zur  Aufnahme  des  Flaggcnknopfes.
Das  Bugspriet  wird  in  ähnlicher  Weise  wie  die  Untermasten,  aus  Holz  oder  Stahl
gebaut.  Es  stützt  sich  mittels  eines  vierkantigen  Zapfens  auf  den  Bugsprietstuhl  und
ruht  auf  dem  Vorsteven  oder  einer  besonderen  Bettung  auf.  Am  vorderen  Ende  trägt
es  das  Eselshaupt  zur  Führung  des  Klüverbaums.  Letzterer  sowie  der  Außenklüverbaum
bilden  die  Verlängerungen  des  Bugspriets  und  werden  in  ähnlicher  Weise  wie  die  Stengen
gefertigt.  Der  Klüverbaum  ruht  an  dem  hinteren  Ende  auf  dem  sogenaunteu  Sattel,
und  der  Fuß  wird  meist  durch  eine  Zurrnng  mit  dem  Bugspriet  verbunden.  Die  Funktion
des  Marses  vertritt  die  blinde  Raa  und  der  Stampfstock.
Die  Raaen,  welche  zur  Befestigung  der  Quersegel  —  Raasegel  —  dienen,  werden
meist  aus  Holz  gefertigt;  größere  Unterraaen  werden  aus  zwei  Hölzern  zusammengebaut
oder  aus  Stahl  gefertigt.  Die  Mitte  der  hölzernen  Raa  bleibt  achtkantig  und  erhält
eichene  Schalen,  der  übrige  Teil  ist  bis  auf  die  Nocken,  Enden  der  Raa,  zur  Aufnahme
der  Schildpatten  rund.  An  den  runden  Enden  der  Nocken  sind  Bügel  zum  Durchschieben
der  Leesegelspieren  befestigt,  während  an  der  oberen  Rundung  Jackstaggbolzen,  durch
welche  ein  Stahldraht  geschoben  wird,  vorgesehen  sind.  Die  Raaen  verteilen  sich  auf  die
einzelnen  Teile  der  Masten  und  werden  entsprechend  mit  Unterraaen,  Ober-  und  Untermarsraaen,
  Bramraaen,  Oberbram-  oder  Royalraaen  bezeichnet.  Die  Raaen  werden
in  der  Mitte  mittels  der  Hangerkette  und  des  Raatakels  am  Top  des  Untermastes  bezw.
der  Stengen  aufgehängt  und  durch  Rackketten  oder  eine  eiserne  Rack  an  den  Mast  bezw.
die  Stenge  geholt.  Für  die  beweglichen  Marsraaen  wird  meist  ein  Tonnenrack  verwendet.
Die  Gaffel  dienen  zum  Ausholen  der  Gaffelsegel;  sie  umfassen  den  Mast  bezw.  den
Schnaumast  mit  einer  Klaue.  Der  Besansbaum,  an  welchem  das  Unterliek  des  Gaffelsegels ­
  ausgeholt  wird,  wird  am  Mast  mittels  Gelenkbolzen  befestigt  und  ist  mit  Ringen,
Augbolzen  und  Scheibgatten  versehen.  Für  kleinere  Fahrzeug  werden  die  Masten  mit  Stenge
aus  einem  Holz  gearbeitet  —  Pfahlmasten.  Die  Dimensionierung  der  Rundhölzer  nach
Längen  und  Stärken  erfolgt  in  der  Hauptsache  nach  praktischen  Erfahrungen  und  Regeln.
Die  Masten  stehen  teilweise  senkrecht  (Raaschiffe),  teilweise  geneigt  nach  hinten
(Gaffelschiffe);  man  sagt  dann,  sie  haben  Fall.  Ihre  Verteilung  längsschiffs  richtet  sich
nach  dem  Segelriß.
Die  Masten,  die  den  von  den  Segeln  aufgenommenen  Winddruck  auf  den  Schiffskörper ­
  übertragen,  dienen  in  der  Hauptsache  zur  Aufnahme  von  Druckspannungen.  Die
Zugspannungen  werden  von  dem  stehenden  Gut  der  Takelage,  d.  h.  demjenigen  Tauwerk,
welches  zwischen  den  Teilen  der  Bemastung  und  dem  Schiffsrumpf  fest  ausgespannt  ist,
übertragen.  Das  stehende  Gut  muß  so  angespannt,  d.  h.  gesetzt  werden,  daß  bei  Winddruck ­
  auf  die  Segel  die  Resultante  der  Spannungen  des  stehenden  Gutes  in  die  Achse
des  Mastes  fällt,  um  die  Beanspruchung  desselben  auf  Biegung  möglichst  klein  zu  halten.
Das  stehende  Gut  besteht  aus  starkem  Hanf-  oder  Stahldrahttan;  zu  demselben  gehören
zunächst  die  Wanten,  welche  die  Masten  nach  den  Schiffsseiten  festhalten.  Die  Wanten
erhalten  am  oberen  Ende  eine  Angspliffung,  um  mit  dem  Auge  über  den  Top  der  Masten
gestreift  zu  werden;  am  unteren  Ende  werden  die  Jungfern  aus  Rüsternholz  bezw.  neuerdings ­
  ans  schmiedbarem  Eisenguß  eingebunden,  mit  welchem  die  Wanten  durch  die
Taljereeps,  entsprechend  dünneren  Tauen,  mit  den  Jungfernblöcken  der  Püttingsschienen
verbunden  und  steif  gesetzt  werden.  Die  Wanten  werden  durch  Querleineu  —  Webeleinen ­
  —  verbunden,  und  auf  diese  Weise  ivird  eine  Strickleiter  zum  Besteigen  der  Masten
hergestellt.  Die  Wanten  der  Stengen  reichen  vom  Top  der  Stenge  bis  zu  den  Marsen
oder  Sahlingen,  während  die  Stengepardunen  von  dem  oberen  Ende  der  Stenge,  ähnlich
den  Wanten,  bis  auf  die  Rüsten  gespannt  sind.  Während  die  Wanten  und  Pardunen
in  der  Richtung  querschiffs  ausgespannt  sind,  ivirken  die  Stage  in  der  Richtung  längsschiffs ­
  zur  Verstrebung  der  Bemastung.  Die  Stage  sind  an  Deck  oder  am  Bugspriet
            
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