663
Holzschiffbau: Anker und Boote.
Der Schiffsanker hat den Zweck, das Schiff im Hafen und auf der Rhede mit
Hilfe der Ankerkette an einem bestimmten Ankerplatz gegen Strom und Wind festzuhalten.
Er muß derart eingerichtet sein, daß er beim Auswerfen mit seinen Armen und Pflügen
schnell in den Grund eingreift und beim Steifkommen der Kette sicher haften bleibt, beim
Lichten des Ankers jedoch, wenn die Kette beim Einhieven auf
und nieder zu stehen kommt, die Arme aus dem Boden ausgebrochen
werden. Die gebräuchlichste Ankerform bildet der Normal-
oder Admiralitätsanker und der Porter-Anker. Auf Kriegsschiffen
finden vorzugsweise sogenannte Patentanker von Martin,
Jnglefield, Hall u. s. w. ohne Stock Verwendung, da sich dieselben
besser verstauen lassen. Um das Haltevermögen zu vergrößern,
greifen beide Pflüge zugleich in den Grund. Je nach der Lagerung
an Bord sowie nach ihrem Verwendungszweck gliedert man
die Anker in Buganker für den gewöhnlichen Gebrauch, Rüstanker
als Reserve, bei Segelschiffen meist auf der Fockrüst verstaut,
Heckanker, am Heck gelagert, und in den kleinen Warp-,
Strom- und Bootsanker. Die Anker werden meist aus Schmiede
eisen oder Stahl geschmiedet, die
Patentanker werden teilweise aus
Stahlguß gefertigt. Sie kommen
in Größen bis zu 6000 kg Gewicht
vor.
Die Ankerketten bestehen für
schwere Ketten aus Gliedern mit
gußeisernem Steg, für leichte
Ketten ohne Steg; sie kommen
meist in Längen von 25 in zur
Verwendung, und man benutzt
für einen Anker 7 bis 9 Längen.
Die Kettenenden werden durch Schäkel verbunden, und 6 in vom Anker ist stets ein Wirbelschäkel
eingeschaltet, um etwaige Törns in der Ankerkette leichter beseitigen zu können.
Die Anzahl und Größe der Boote richtet sich nach der Größe und Besatzungszahl
des Schiffes. Bei den Schiffen der Handelsmarine dienen die Boote für den Verkehr
mit dem Lande, zum Verholen des Schiffes im Hafen, sowie vor allem als Rettungsboote
bei Schiffsunfällen.
Sie sind vorzugsweise als
Ruderboote gebaut, jedoch
meist auch zum Segeln
eingerichtet. Bei den
Kriegsschiffen ist der Verwendungszweck
der Boote
vielseitiger, und bei denselben
haben sich bestimmte
Bootsgattungen
ausgebildet. Die Barkassen
sind Boote schwerer 676. Verbesserter Inglcfietdanker.
Bauart und dienen zum
Transport schwerer Gegenstände, zum Ausbringen von Ankern u. s. w., die Pinassen sind
etwas leichter gebaut und dienen denselben Zwecken. Die Kutter sind die Hauptverkehrsboote
und in See Rettungsboote; die Gigs sind leichte, schlanke Ruderboote zur Benutzung
für den Kommandanten, die Jollen und Dingis sind kleinere Verkehrsboote für
die Mannschaft. Außerdem haben die Kriegsschiffe ein bezw. zwei Dampfbeiboote an
Bord, welche für den Wachtdienst und zu Landungsmanövern mit einem leichten Geschütz
armiert sind.
674. Norm-tanker. 67». p-tent-nker mit Iiewrga
Hand, Pflug oder Flügel, b Kreuz. lichen Armen.
° Anlerschast. <l Ankerstork. e Röhrrtng. Rach Porter und Trolman.