Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Entwickelung der Schiffsmaschinen. 
fähigkeit leistungsfähig und gewinnbringend zu gestalten. Inwieweit diese Bestrebungen 
Erfolg gehabt haben, möge als Beispiel an einem Dampfer von 3500 t Deplacement 
und einer Maschinenanlage von 1000 indizierten Pferdestärken, welche dem Schiff eine 
Geschwindigkeit von etwa 10 Knoten verleiht, kurz erläutert werden. Die ersten Wattschen 
Niederdruckmaschinen mit Kofferkesseln erforderten ein Gewicht von 300 kg pro indizierte 
Pferdestärke, und der Kohlenverbrauch derselben pro indizierte Pferdestärke betrug im 
Durchschnitt 2,8 kg, während die moderne dreifache, bezw. vierfache Expansionsmaschine 
mit Cylinderkessel von 12 bis 15 Atmosphären Dampfspannung nur etwa 100 kg pro 
indizierte Pferdestärke an Gewicht beansprucht und hierbei nur einen Kohlenverbrauch von 
0,W kg pro indizierte Pferdestärke aufweist. Legt man nun für das Schiff eine Dampf 
strecke von 10 Tagen zu Grunde, so ergibt sich für die Niederdruckmaschine eine Kohlen 
menge von 2,8 X 1000 X 24 X 10 — 600 t, während die vierfache Expansionsmaschine 
sich mit 0,65 X 1000 X 24 X 10 — 156 t begnügt. Ferner beträgt das Maschiuengewicht 
der Niederdruckmaschine 1000 X 300 kg — 300 t gegenüber 1000 X 100 kg — 100 t 
der vierfachen Expansionsmaschine. Rechnet man nun das Eigengewicht des Schiffes zu 
40 Prozent des Deplacements, so ergibt sich folgende Zusammenstellung: 
Schiff mit Nieder- Schiff mit vierfacher 
druckmaschine Expansionsmaschine 
Schiffsgewicht 1400 t 1400 t 
Mafchinengewicht 300 t 100 t 
Kohlenverbrauch für 10 Tage . . . 600 1 156 t 
Summa 2300 t 1656 t 
Es verbleibt demnach eine Ladefähig 
keit von . 1200 t 1844J 
Summa 3500 t 3500 t 
Das Schiff mit vierfacher Expansionsmaschine kann hiernach rund 50 Prozent mehr 
Ladung befördern und erzielt außerdem auf jeder Reise eine Kohlenersparnis von 444 t. 
Der Gesamtwirkungsgrad der Schiffsmaschine d. h. das Verhältnis der nutzbringen 
den Arbeit, welche der Treibapparat des Schiffes für die Fortbewegung desselben aus 
übt, zu der im Schiffskessel erzeugten Wärmemenge beträgt rund 0,os65, d. h. von der 
totalen Heizkraft des Brennmaterials werden nur 3,6 Prozent für die Fortbewegung des 
Schiffes nutzbringend angelegt. Der Gesamtwirkuugsgrad ergibt sich aus den Arbeits 
verlusten, welche entstehen 1) bei der Dampferzeugung — Wirkungsgrad des Kessels 
etwa 65 Prozent — 2) bei der Nutzbarmachung des Dampfes etwa 15 Prozent — 
3) durch Reibungs- und sonstige Verluste in den Maschinen ■— Wirkungsgrad der 
Maschinen etwa 75 Prozent, sowie 4) durch die Widerstände des Treibapparates — 
Wirkungsgrad des Treibapparates etwa 50 Prozent. 
Der größte Verlust entsteht demnach durch die Ausnutzung des Dampfes. Er be 
gründet sich einesteils dadurch, daß die Verdampfnngswärme nur zum geringen Teil 
verwertet werden kann, anderenteils entsteht er aus den Verlusten durch Kondensation 
des Dampfes in der Dampfrohrleitung und in den Dampfcylindern, aus dem Nach 
dampfen in den Cylindern, sowie aus den direkten Dampfverlusten durch Undichtigkeit 
des Dampfkolbens, der Schieber u. s. w. Um diese Dampfverluste herabzusetzen, war man 
bestrebt nach Einführung der Oberflächenkondensation und der hierdurch ermöglichten 
Steigerung der Dampfspannung, den Dampf in mehreren Cylindern nacheinander expan 
dieren zu lassen und hierdurch das Temperaturgefälle in den Cylindern zu vermindern. 
Während dasselbe bei der Compoundmaschine — einer zweifachen Expansionsmaschine — 
Pro Cylinder etwa 45° 0 beträgt bei einer Anfangsspannung von etwa 6 Atmosphären, 
sinkt das Temperaturgefälle bei den dreifachen Expansionsmaschinen mit einer Kessel- 
spannung von 10 Atmosphären Überdruck auf 38° 6, bei den vierfachen Expansions 
maschinen mit 15 Atmosphären Überdruck auf 32° 6. Da die Menge des zu verbrennenden 
Brennmaterials bei Steigerung der Dampfspannungen praktisch fast gleich bleibt, der 
Dampfverbrauch in der Maschine pro indizierte Pferdestärke bei den mehrstufigen Ma 
schinen sich jedoch erheblich verringert, so ergibt sich eine beachtenswerte Ökonomie in der 
Ausnutzung des Dampfes durch Anwendung mehrstufiger Expansion.
	        
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