Entwickelung der Schiffsmaschinen. Schiffskessel. 695
durch die Reduktion der Materialstärken, da die Rohrdurchmesser sehr gering sind und
der Dampfdruck von innen wirkt. Auch kann bei den Wasserrohrkesseln die Verdampfungs
kraft durch Forcierung der Verbrennung ohne Schaden für den Kessel gesteigert werden.
Als Konstruktionsmaterial für Schiffsmaschinen ist neben dem Gußeisen für Dampf
cylinder, Kondensator, Grundplatte, Cylinderständer für die drei letzten Teile vielfach
Stahlguß und Bronze eingeführt worden, um die Abmessungen und Wandstärke der
einzelnen Teile zu verringern. Die Schiffswellen der Kriegsschiffe und der Schnell
dampfer der Handelsmarine werden ans Tiegelstahl, vereinzelt auch aus Nickelstahl ge
schmiedet und durch Ansbohren des Kernes hohl hergestellt, während für Mantelbleche
der großen Cylinderkessel Nickelstahl Verwendung gefunden hat, um an Gewicht zu sparen.
Über diesen Fortschritt mit Bezug auf Ökonomie und Gewichtsersparnis sind noch
einzelne Neuerungen hervorzuheben, welche für die Sicherheit des Betriebes von Wert
sind. Infolge der Steigerung der Dampfspannung der Kessel und veranlaßt durch die
Thatsache, daß Kupfer bei höheren Temperaturen erheblich an Festigkeit einbüßt, werden
die Dampfrohre mit Stahldraht
umwickelt und sogar ganz aus
stählernen Rohren gefertigt.
Außerdem werden bei langen
Rohrleitungen besondere Vor
kehrungen getroffen, um bei den
verschiedenen Temperaturen der
Ausdehnung der Rohre Rech
nung zu tragen. Bei den Kriegs
schiffen tritt die Sicherung der
Maschinen- und Kesselanlage
noch mehr in den Vordergrund,
da durch Einschlagen von Ge
schossen und Krepieren von Gra
naten leicht eine Dampfgefahr
und eine Störung des Betriebes
eintreten kann. Man ordnet da
her die ganze Maschinen- und
KeffelanlagenebstRohrleitungen
möglichst unter Panzerschutz an.
Schiffskessel.
Die ersten Schiffskessel
hatten Kofferform, d. h. sie
bestanden mit Ausnahme der
abgerundeten Ecken aus flachen Wandungen, welche in der Länge, Breite und Höhe durch
starke Verankerungen und Stehbolzen versteift wurden. Die Kofferkessel besitzen zwei
bis fünf Feuerungen, welche in die hintere Rauchkammer münden, von wo die Heizgase
durch die über den Feuerungen angeordneten Siede- oder Feuerrohre in die vordere
Rauchkammer und von dort in den Schornstein gelangen. Sie fanden nur für Nieder
druckmaschinen bis zu drei Atmosphären absoluter Dampfspannung Verwendung. Bei
dem Steigen der Dampfspannung ging man zu den Oval- und schließlich zu den
Cylinderkesseln über, mit cylindrischem Mantel und ebenen Endflächen — Stirn- und
Rückwand — sowie cylindrischen Flamm- oder Feuerrohren, so daß sich die Verankerung
einfacher gestaltete. Die Flammrohre werden zur Zeit fast durchweg zur besseren Wider
standsfähigkeit gegen Druck von außen nach dem Patent von Fox oder Purves gewellt
hergestellt und geschweißt und an den Enden mit der Stirnwand und der flachwandigcn
Rauchkammer durch Börtelung verbunden. Sie erhalten einen Durchmesser von l bis 1,8 m,
und ihre Zahl pro Stirnwand schwankt zwischen 2 und 4. Die Rauchkammer ist entweder
für alle Feuerungen gemeinsam, oder sie ist für die Flammrohre einzeln oder gruppenweise
715. Fencrrohrkessri (Cyiindrrkcssri). Nach .Engineering".