Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Schiffskessel. 697 
Nachteile, mangelhafte Konservierung und Kontrolle seiner inneren Teile, sowie größerer 
Kohlenverbrauch infolge ungünstiger Ausnutzung der Wärme der Heizgase, lassen eine 
allgemeine Einführung der Wasserrohrkessel in der Handelsmarine noch nicht aufkommen. 
Die Zahl der Kesselthpeu ist eine sehr große, und daher mögen nur die gebräuch 
lichsten in ihren verbesserten Formen erörtert werden. Zu den ältesten Wasserrohrkesseln 
gehören die Bellevillekessel. Sie bestehen aus einer größeren Zahl — 8 bis 12 — 
übereinander angeordneter Rohrbündel aus stählernen Rohren, welche gegen die 
Horizontalebene etwas geneigt angeordnet sind, an den Enden durch besonders geformte 
Verbindungsstücke miteinander kommunizieren. Diese Rohrbündel oder Glieder des Kessels 
stehen unten mitdem Speisewasser 
sammelrohr in Verbindung und 
münden oben in den außerhalb 
der Kesselumhüllung liegenden 
Dampfsammler, welcher durch 
zwei Fallrohre mit dem Speisc- 
wassersammelrohr in Verbindung 
steht. Der in den Wasserrohren 
sich bildende Dampf steigt in den 
einzelnen Gliedern bis in den 
Dampfsammler hinauf und wird 
in demselben durch einen besonde 
ren Dampftrockner entwässert. 
Eine weitere Trocknung des 
Dampfes erfolgt durch ein in der 
Dampfrohrleitung eingeschaltetes 
Drosselventil, in welchem die 
Kesselspannung um 5 bis 7 At 
mosphären herabgesetzt wird. Die 
Zuführung des Speisewassers 
wird selbstthätigregultert. Neuer 
dings werden die Bellevillekessel 
zur Erzielung eines geringeren 
Kohlenverbrauchs mit einem 
Überhitzer versehen, von gleicher 
Konstruktion wie der Dampf 
erzeuger, aber mit Rohren von 
geringerem Durchmesser. Der 
Bellevillekessel hat vorzugsweise 
in der englischenKriegsmarine die 
weiteste Verbreitung gefunden. 
Der Dürrkessel besteht aus einer senkrecht stehenden geschweißten und mit Steh 
bolzen verankerten Wasserkammer, in deren Hinterwand die Wasserrohre eingesetzt sind. 
Die Rohre sind geneigt angeordnet, an den Enden geschlossen und in einer Chamotte- 
steinwand derart gelagert, daß sie sich frei ausdehnen können. Sie erhalten dünnwandige 
Einhängerohre, welche au beiden Enden offen sind und vorn in einer vertikalen Trennungs- 
>vand der Wasserkammer gelagert sind. Das Speisewasser tritt in den oberhalb der 
Wasserkammer gelagerten Dampfsammler ein, gelangt durch die vordere Hälfte der 
Wasserkammer in die Einhängerohre und durch diese in die Wasserrohre, wird hier 
verdampft und steigt als Dampf in der hinteren Hälfte der Wasserkammer in den Dampf- 
sammler. Besondere Dampstrvckner und Spcisewasserregulatoren sind nicht erforderlich. 
Die Wasserrohrkessel mit gekrümmten Rohren sind am zahlreichsten vertreten; sie 
zeichnen sich durch hohe Elastizität und schnelles Anheizen, sowie geringe Wassermenge 
und starken Umlauf des Wassers aus und kochen dementsprechend weniger leicht über. 
Die Mängel bestehen in der Hauptsache in der schwierigen Zugänglichkeit und Reinigung 
bezw. Konservierung der Rohre. Die Kessel bestehen im allgemeinen aus ein oder zwei 
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