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Schiffbau.
Ein freieres Spiel gewähren die sogenannten Bevbachtungsminen, deren Ent
zündung vom Lande aus durch den elektrischen Strom erfolgt. Die Beobachtungsminen
liegen meist so tief unter dem Wasserspiegel, daß sie die Bewegung der Schiffe nicht be
hindern; sie erhalten dementsprechend eine stärkere Ladung — 250 Kg Schießbaumwolle
gegenüber 40 kg bei den Kontaktminen. Die Zündstation am Lande muß derart auf
einer Anhöhe erbaut sein, daß sie einen freien Überblick über den Hafen gewährt. Sie
wird meist durch Erdwälle oder Panzer geschützt und ist mit sinnreichen Apparaten aus
gerüstet, welche den Eintritt der feindlichen Schiffe in das Minenfeld anzeigen. Bei der
Hafenverteidigung von Triest bestand die Zündstation aus einer Camera obscura; sie
hatte völlig geschwärzte Wände und eine einzige Lichtöffnung, in welcher eine große
Sammellinse angebracht war. Letztere warf das Bild des Hafens auf ein Prisma und
wurde von diesem auf eine matte Glasscheibe heruntergespiegelt, auf welcher durch
schwarze Punkte mit mathematischer Genauigkeit die Stellen bezeichnet waren, wo ent
sprechend dem Bilde des Hafens die Minen verankert waren. Born an dem Tisch war
ferner eine Klaviatur angebracht, mit deren Hilfe der Strom für die einzelnen Minen
geschlossen werden konnte. Verfolgt nun der Leiter der Zündstation durch das Spiegel
bild die Bewegung der feindlichen Schiffe, so kann er, sobald -ein Schiff sich einem
schwarzen Punkt nähert, durch einen Druck ans die entsprechende Taste die Mine zur
Explosion bringen und hierdurch das
feindliche Schiff kampfunfähig machen.
Der Apparat, welcher sich bei den
Versuchen glänzend bewährte, trat
nicht in Aktion, da Tegetthoff bei
Lissa den Feind bereits unschädlich
gemacht hatte.
Diese Methode verspricht jedoch
nur Erfolg bei genügender Beleuch
tung des Minenfeldes. Man ver
wendet daher neuerdings meist Beob
achtungsapparate, sogenannte Minen
zielapparate, welche auf zwei etwa
500 m voneinander entfernt liegen
den Stationen aufgestellt sind. Sie bestehen aus beweglichen Fernrohren, deren Drehung
elektrisch auf zwei Zeiger übertragen wird. Visiert man mit diesen Fernrohren ständig
das feindliche Schiff an, so ergibt der Schnittpunkt der Zeiger auf der Meßtischplatte
den Ort des Schiffes.
Während die Minensperren im allgemeinen einen defensiven Charakter haben,
können sie doch auch als Offensivwaffe, als Blockademinen, verwandt werden, um
feindliche Geschwader in Häfen einzuschließen, sowie als Kontre- oder Gegenminen
Benutzung finden, um feindliche Minensperrungen zu zerstören. Hierher gehört auch
die sogenannte Schleppmine, welche vom eigenen Schiff an einem Tau nachgeschleppt
wird und am Bug des verfolgenden feindlichen Schiffes meist durch elektrische Zündung
zur Explosion gebracht wird. Diese Mine, welche schon in den Bereich der Torpedos
übergeht, wurde vom Kapitän Harvey empfohlen, hat jedoch nur beschränkte Ver
wendung gefunden.
Die Enwickelung des Angriffstorpedos steht nun mit der Einführung und Ver
vollkommnung des automobilen Torpedos durch Lnppis und Whitehead in engem
Zusammenhang. Die sogenannten Spierentorpedos, d. h. an langen Stangen oder
Spieren befestigte Minengefäße, welche von kleinen, schnelllaufenden Dampfbooten aus
gegen das feindliche Schiff vorgeschoben werden und vom Boot aus meist auf elektrischem
Wege durch eine Zündmaschine zur Detonation gebracht werden, haben es zu keinem
großen Wirkungskreis gebracht, da ihre Verwendung wegen der unzulänglichen See
fähigkeit ihrer Boote ausschließlich für Hafenverteidigungen beschränkt ist. Der erste von
Luppis im Jahre 1860 konstruierte automobile Torpedo wurde durch ein Uhrwerk ge-
756. Älteres Torpedoboot mit einem ausgcschobencn nnb
einem ;nm Ausschicben bereiten Kpirrcntorpcdo.