764 Posten und Postwesen.
nur den Namen des Empfängers nebst der Bezeichnung seines Hauses oder Landsitzes enthalten;
aber kostet es auch Arbeit und Zeit, die Postanstalten zu ermitteln, denen die
Briefe behufs Aushändigung an die Adressaten zuzuführen sind, so gewährt doch eine
reiche Bibliothek von Adreßbüchern der verschiedensten Grafschaften, Städte und Flecken
in vielen Fällen einen Anhaltspunkt. Natürlich liefert die falsche Orthographie ein nicht
unbedeutendes Kontingent „blinder" Briefe. Briefe freilich mit einer solchen Aufschrift,
wie „Uncle John. Hopposite the Church. Hengland.“ übersteigen auch die Kräfte
der durch Übung zu Meistern in der Adressenwitterung herangebildeten „Blind-Officers“
und wandern dann als „stockblind" in das Bürean der unbestellbaren Briefe, wo sie erbrochen
werden, um dem Absender wieder zugestellt lverden zu können.
Im ganzen kann der Erfolg dieser Einrichtung ein äußerst befriedigender genannt
werden, da von sechs zweifelhaften Briefen in der Regel nur einer in das „Dead-Letter-Office“
wandert.
Enthält ein Brief
Wertsachen, wie Banknoten,
Anweisungen, Freimarken
oder dergleichen,
so wird er besonders eingetragen
und als eingeschriebener
Brief dem Büreau
überantwortet. Geld
findet sich jährlich im Betrage
von 12- bis 14000
Pfund Sterling in solchen
Briefen. Von dieser
Summe fallen etwa 500
Pfund Sterling jährlich
dem Schatze anheim, insofern
sich weder eine
Adresse dabei befunden
hat, noch später von den
Beteiligten Nachfrage gehalten
ist. Die gleichfalls
gefundenen Wechsel und
779. NrieMcmprlnmschine. auf Private ausgestellten
Banknoten, sogen, postbankbills,
stellen im Durchschnitt jährlich einen Wert von 3 Millionen Pfund Sterling
dar. Durch die bei den Banken oder den Ausstellern der Wechsel angestellten Nachfragen
lassen sich indes die Adressaten leicht ermitteln, und so kommt in diesen Fällen selten ein
Verlust vor. Schließlich enthalten etwa 40000 Briefe Dinge der verschiedensten Art, darunter
Geschenke, wie Ringe, Tuchnadeln, Broschen u. s. w. Dergleichen den Briefen entfallene
Einlagen erreichen nie ihren Bestimmungsort und können wegen mangelnder
Adresse auch nicht zurückgeschickt werden; sie gehen in das Eigentum der Krone über.
Sämtliche Briefe, welche weder bestellt noch zurückgeschickt werden können, bewahrt
die Post, wenn sie auch von keinem Wert sind, einen Monat auf. Dann fallen sie der
Vernichtung anheim, aus dem Auslande kommende genießen sogar eine Frist von zwei
Monaten. Nicht englische Briefe mit Wertsachen werden an das betreffende ausländische
Hauptpostamt zurückgeschickt.
In Zeit von zwei Stunden muß die Hauptarbeit im Londoner Postamt beendet
sein, denn pünktlich um 8 Uhr werden die Briefsäcke auf die im Hofe haltenden Postkarren
geladen, welche die Abendpost nach den verschiedenen Bahnhöfen zur Weiterbeförderung
zu besorgen haben. Wenige Minuten später scheinen die Hallen, die soeben
noch voll des regsten Lebens und des geschäftigsten Treibens waren, wie ausgestorben.